Alex-Talk zum Thema Inklusion
So individuell wie die Kinder

Münster -

Die Förderung von Kindern und Jugendlichen war Thema beim jüngsten Alex-Talk. Da die Verhaltens- und Lernstörungen so stark variieren, komme es auf eine individuelle Betreuung an, wie die Referentinnen erklärten. Aber wie gut klappt das im Alltag?

Donnerstag, 10.09.2020, 20:30 Uhr aktualisiert: 11.09.2020, 14:22 Uhr
Schulleiterin und Sonderpädagogin Anne Kemper (l.) und Oberärztin Dr. Sylvia Boschin (r.) von der Don Bosco Klinik blickten gemeinsam mit vielen interessierten Praktikern auf die Herausforderungen der Inklusion.
Schulleiterin und Sonderpädagogin Anne Kemper (l.) und Oberärztin Dr. Sylvia Boschin (r.) von der Don Bosco Klinik blickten gemeinsam mit vielen interessierten Praktikern auf die Herausforderungen der Inklusion. Foto: Anja Große Wöstmann

„Leider klaffen Theorie und Praxis im Alltag aber noch sehr weit auseinander“, sagte Dr. Sylvia Boschin , Oberärztin der Alexianer Don Bosco Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie beim jüngsten Alex-Talk zu dem Thema Inklusion. Gemeinsam mit ihrer Schwester Anne Kemper , die als Schulleiterin und Sonderpädagogin täglich die schulischen Herausforderungen der Inklusion erlebt, tauschte sie sich bei dem Talkabend mit allen mitarbeitenden Berufsgruppen und Betroffenen aus.

Das große Interesse am interdisziplinären Austausch zeigte sich beim jüngsten Alex Talk deutlich: Viele Sonder- und Sozialpädagogen aus münsterischen Regel- und Förderschulen, Institutionen sowie Eltern und Therapeuten unterstrichen die Wichtigkeit der Zusammenarbeit auf allen Ebenen.

Ein 5-jähriges Grundschulkind mit Schreiattacken, ein 17-Jähriger mit Depressionen oder ein zwangserkrankter Schüler – die Bandbreite an Förderbedarf sei groß, wie die Referentinnen anhand anschaulicher Fallbeispiele erläuterten.

„Einschätzungen von Studien variieren und sehen bei 3,5 bis 19 Prozent der Grundschüler eine Verhaltensstörung. 10 bis 20 Prozent der Kinder sind aufgrund ihrer psychischen Störung tatsächlich behandlungsbedürftig“, erläuterte Boschin. Immerhin 50 Prozent der Kinder mit Verhaltensstörungen wiesen zudem eine Lernstörung auf.

Beim klinischen Blick auf auffälliges Schülerverhalten habe sich der Mehrebenen-Ansatz bewährt: „Familiäre Belastungen, soziales Umfeld, gesellschaftliche Abwertung oder auch genetische Vorbelastungen- fast nie gibt es für das auffällige Verhalten nur die eine Erklärung, sondern es ist die Summe aus vielen Faktoren“, betonte die Boschin. Genauso fatal seien daher voreilige Schuldzuweisungen an Eltern oder Schule, denn oft spiele alles zusammen eine Rolle.

Die klinischen wie schulischen Interventionen sollten im Idealfall genauso individuell sein wie jedes förderbedürftige Kind selbst. „An erster Stelle sollte sich das Kind in seiner Schule wirklich sicher und von den Lehrern angenommen fühlen“, ergänzte Sonderpädagogin Anne Kemper. Auch einfache und wirklich gelebte Schulregeln seien hilfreich. Ebenso eine Art Motivations-Skala für die Schüler zur Regulation ihres Lern-Verhaltens: „Denn Kinder lassen sich durch Lob eben am besten motivieren“, so Kemper und ergänzt: „Vieles ist eine Frage der Haltung gegenüber den Kindern und ihren Eltern.“

Das Fazit des regen Austauschs: „Es gibt noch viel zu tun, aber es ist für jeden Einzelfall die gemeinsame Anstrengung wert.“

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