Bomben-Verdacht in Münster
Vorbereitung für Evakuierung von 16.000 Menschen

Münster -

Am Sonntag sollen fünf mögliche Bomben im Stadtteil Mauritz untersucht und gegebenenfalls entschärft werden, von der Evakuierung sind 16.000 Anwohner betroffen. Polizei und Feuerwehr wollen sicherstellen, dass sich im Sperrgebiet niemand mehr aufhält. Dabei sollen auch Drohnen und Hubschrauber helfen.

Mittwoch, 16.09.2020, 16:45 Uhr aktualisiert: 16.09.2020, 17:16 Uhr

Der Countdown läuft, nur noch wenige Tage bis zur großen Evakuierung von 16.000 Menschen im Stadtteil Mauritz. Sie ist notwendig, weil es fünf Verdachtspunkte auf nicht explodierte Weltkriegsbomben an drei Standorten in Mauritz gibt, die alle nah beieinanderliegen: an der Warendorfer Straße (drei Verdachtspunkte), an der Manfred-von-Richthofen-Straße (ein Verdachtspunkt) und an der Stiftsstraße (ein Verdachtspunkt).

Ursprünglich wurden an der Warendorfer Straße vier Blindgänger vermutet, doch „ein Verdachtspunkt hat sich mittlerweile erledigt“, erläutert Evakuierungs-Krisenstabsleiter Wolfgang Heuer .

„Einmalig in der Stadtgeschichte“

Am Mittwoch hat der Krisenstab, dem neben Heuer Vertreter von Polizei, Feuerwehr , verschiedener Behörden sowie von Kranken- und Pflegeeinrichtungen im Evakuierungsbereich angehören, letzte Vorbereitungen getroffen. „Wir als Stadt wollen die Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass der Kampfmittelräumdienst in Ruhe seine Arbeit erledigen kann“, sagt Heuer. Drei Teams werden die Verdachtspunkte gleichzeitig überprüfen und je nach Lage entschärfen, „einmalig in der Stadtgeschichte“.

Wissenswertes rund um die Evakuierung in Mauritz

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  • Die Evakuierung in Mauritz wird eine der größten in der Stadtgeschichte. 16.000 Menschen müssen ihre Wohnungen verlassen, wenn die Verdachtspunkte auf Blindgänger untersucht werden. Alles Wissenswerte zur Evakuierung gibt es hier in der Übersicht:

    Foto: Colourbox.de
  • Das Areal im Umkreis von 500 Metern um die Verdachtspunkte soll evakuiert werden. So ist es vorgeschrieben bei den vermuteten Kampfmitteln, bei denen es sich wahrscheinlich um Weltkriegsbomben der 250- und der 500-Kilogramm-Klasse handelt. 

    Foto: Grafik: Lisa Stetzkamp
  • Zeitplan

    Die Evakuierung startet am Sonntagmorgen um 8 Uhr. Dann riegeln Polizei, Ordnungsamt und Feuerwehr das Viertel ab. Innerhalb von zwei Stunden soll der Bereich geräumt sein. Danach nehmen die Kampfmittel-Fachleute ihre Arbeit auf. Wie lange die gesamte Aktion und die Sperrungen andauern, ist vorher schwer absehbar. Die Anwohner werden mittels Radio, der Warn-App „Nina“ sowie mithilfe von Lautsprecherfahrzeugen im Viertel informiert.

    Foto: dpa
  • Hotline

    Für Fragen rund um die Evakuierung die Stadt eine Hotline geschaltet. Sie ist unter 02 51/4 92 83 88 montags bis donnerstags von 8 bis 18 Uhr, freitags von 8 bis 13.30 Uhr erreichbar. Am Evakuierungswochenende ist die Hotline länger erreichbar: Freitag und Samstag von 8 bis 16 Uhr, am Sonntag von 7 bis 16 Uhr. Falls die Entschärfung möglicher Blindgänger länger dauern sollte, bleibt die Hotline bis zum Ende besetzt.

    Foto: dpa
  • Autoverkehr (1)

    Ab 8 Uhr können Autofahrer nicht mehr in den Stadtteil Mauritz fahren. Ab dem Dortmund-Ems-Kanal bis zur Eisenbahnstraße sind sämtliche Seitenstraßen der Wolbecker Straße gesperrt, die in Richtung Warendorfer Straße führen. Auf dem Straßenzug Bohlweg/Ostmarkstraße werden ebenfalls sämtliche in Richtung Warendorfer Straße führenden Seitenstraßen gesperrt. Zusätzlich wird die Warendorfer Straße im Kreuzungsbereich Eisenbahnstraße/Freiherr-vom-Stein-Platz und im Kreuzungsbereich Warendorfer Straße/Schifffahrter Damm gesperrt. Dies gilt auch für den großen Parkplatz Höhe Warendorfer Straße / Schifffahrter Damm, der geräumt wird. Der Parkplatz zwischen Friedrichstraße und Eisenbahnstraße am Paul-Gerhardt-Haus muss geräumt werden und ist ebenfalls nicht nutzbar. Die Friedrichstraße ist nicht befahrbar. 

    Foto: dpa
  • Autoverkehr (2)

    Die Straßenzüge Propsteistraße, Niesertstraße, Kapitelstraße, Prozessionsweg, Admiral-Scheer-Straße, Otto-Weddigen-Straße und Gorch-Fock-Straße können nur über die Skagerrakstraße befahren werden. Die Straße Zum Guten Hirten wird hinter der Von-Manger-Straße gesperrt. Die Manfred-von-Richthofen-Straße wird in Höhe der Kanalbrücke gesperrt. Der Verkehr kann den gesperrten Bereich über die Wolbecker Straße, Eisenbahnstraße und die Straßenzüge Bohlweg, Ostmarkstraße, Schifffahrter Damm und Warendorfer Straße umfahren. 

    Foto: dpa
  • Notunterkünfte

    Die Notunterkünfte befinden sich im Pascal-Gymnasium (Foto) sowie im Weiterbildungskolleg am Pascal-Gymnasium, Uppenkampstiege 17, bei den Stadtwerken, Hafenplatz 1, im Alt- und Neubau des Hansa-Berufskollegs, Hansaring 80, im Ratsgymnasium,  Bohlweg 7-11, im LWL-Landeshaus, Freiherr-vom-Stein-Platz 1, und bei der Deutschen Rentenversicherung, Gartenstraße 194. In den Notunterkünften gelten Coronaregeln analog zur Gastronomie. Haustiere können nicht mitgebracht werden. In den Einrichtungen wird ab mittags Verpflegung ausgegeben. 

    Foto: Günter Benning
  • Shuttle-Service

    Die Notunterkünfte Hansa-Berufskolleg, Ratsgymnasium und LWL-Landeshaus sind gut zu Fuß zu erreichen. Zu den anderen Notunterkünften wird ein Shuttle-Service eingerichtet. Die Mauritzer können für die Zubringerbusse folgende Haltestellen nutzen: Zumsandestraße (Fahrtziel Deutsche Rentenversicherung, Gartenstraße), Hansa-Berufs-Kolleg, Bussteig D (Deutsche Rentenversicherung), Hohenzollernring, Bussteig D (Stadtwerke Münster, Hafenplatz), St. Franziskus-Hospital, Fahrtrichtung Wolbecker Straße (Stadtwerke), St. Franziskus-Hospital, Fahrtrichtung Warendorfer Straße (Pascal-Gymnasium, Uppenkampstiege), Manfred-von-Richthofen-Straße, Fahrtrichtung stadteinwärts (Pascal-Gymnasium), Albertstraße (Pascal-Gymnasium). Sie starten um 8 Uhr, 8.45 Uhr, 9.30 Uhr.

    Foto: Stadtwerke Münster
  • Bus-Umleitungen (1)

    Die Linien 2, 10, 14, 33, 34, N83, R11 und R13 werden ab 7.30 Uhr umgeleitet. Die Linien N83, 2, 10, R11 und R13 fahren zwischen den Haltestellen Eisenbahnstraße und Danziger Freiheit in beiden Richtungen über Fürstenbergstraße, Bohlweg, Ostmarkstraße und Schifffahrter Damm. Sie können die Haltestellen Zumsandestraße, Hohenzollernring, Dechaneistraße und Albertstraße nicht anfahren. Die Linien R11 und R13 halten nicht am Hansa-Berufskolleg und St.-Franziskus-Hospital. Die Linie 14 verkehrt nur zwischen Zoo und Hauptbahnhof. Alle Haltestellen von Von-Steuben-Straße bis Maikottenweg können nicht bedient werden. Die Ringlinien 33 und 34 fahren zwischen Hauptbahnhof und Niedersachsenring über Eisenbahnstraße, Fürstenbergstraße und Bohlweg.Sie können die Haltestellen Servatiiplatz, Bremer Platz, Sternstraße, Sophienstraße, Hansa-Berufskolleg, St.-Franziskus-Hospital, Hohenzollernring und Villa ten Hompel nicht anfahren. 

    Foto: Stadtwerke Münster
  • Bus-Umleitungen (2)

    Die Linie 14 verkehrt nur zwischen Zoo und Hauptbahnhof. Alle Haltestellen von Von-Steuben-Straße bis Maikottenweg können nicht bedient werden. Die Ringlinien 33 und 34 fahren zwischen Hauptbahnhof und Niedersachsenring über Eisenbahnstraße, Fürstenbergstraße und Bohlweg.Sie können die Haltestellen Servatiiplatz, Bremer Platz, Sternstraße, Sophienstraße, Hansa-Berufskolleg, St.-Franziskus-Hospital, Hohenzollernring und Villa ten Hompel nicht anfahren. 

    Foto: Stadtwerke Münster
  • Bahn-Verbindung

    Im Falle einer Entschärfung muss laut Bahn-Sprecherin mit Behinderungen im Bahnverkehr gerechnet werden. Betroffen wären dann  die Ein- und Ausfahrgleise in Richtung Rheine und Osnabrück. Reisende können sich über den DB-Streckenagenten, den Navigator oder über die Lautsprecheransagen am Hauptbahnhof informieren.

    Foto: dpa
  • Krankenhäuser und Co. 

    Das Franziskushospital muss teilweise evakuiert werden, 20 Patienten werden ins Herz-Jesu-Krankenhaus nach Hiltrup verlegt. Außerdem sind das Klarastift, das Haus Maria Trost und der Konvent der Franziskanerinnen von Münster-St.-Mauritz betroffen.

    Foto: Oliver Werner
  • Ostbad

    Das Ostbad bleibt am Sonntag geschlossen. Als Ersatz stehen an diesem Tag die Hallenbäder Kinderhaus (9.30 bis 17 Uhr), Mitte (10 bis 13 Uhr und 14 bis 18 Uhr) und Hiltrup (8 bis 11 Uhr und 12 bis 16 Uhr) zur Verfügung. Auch die am Ostbad parkenden Wohnmobile müssen ihren Standort verlassen.

    Foto: Stadt Münster
  • Akteure

    Rund 1000 Einsatzkräfte der Hilfsorganisationen, Technisches Hilfswerk, Stadtwerke, Kampfmittelbeseitigungsdienst, Polizei und Feuerwehr aus Münster und dem Regierungsbezirk werden am Sonntag im Einsatz sein. Die Stadt  hat einen Krisenstab unter der Leitung von Stadtrat Wolfgang Heuer einberufen.

    Foto: dpa

Damit alles reibungslos klappt, sei es essenziell, dass „alle Anwohner bis etwa zehn Uhr“ ihre Wohnungen verlassen, so Heuer. Bereits am Samstag soll es Lautsprecherdurchsagen geben, die auf die Evakuierung aufmerksam machen, ebenso am Sonntagmorgen. Zudem werden sonntags über 360 Feuerwehrleute in Zweiertrupps unterwegs sein, um die Anwohner auf die Evakuierung hinzuweisen, ihnen zu helfen, sie Notfalls aber auch mit Hilfe der Polizei aus ihren Wohnungen und dem Evakuierungs­gebiet heraus zu bringen, so Feuerwehr-Leiter Gottfried Wingler-Scholz: „Wir dürfen es nicht ignorieren, wenn wir wissen, dass noch jemand in der Wohnung ist“.

Haustiere zur Not doch mitnehmen

Eigentlich sind Haustiere in den Evakuierungs-Notunterkünften verboten, sie sollen in der Wohnung gelassen werden. Nun hat Krisenstabsleiter Wolfgang Heuer erläutert, dass Haustiere in einzelnen Fällen doch bis zu den Notunterkünften gebracht werden können. „Das gilt aber nur für Tiere, die nicht alleine bleiben können“. Zudem gelte weiterhin, dass Haustiere aus Allergiegründen nicht in die Notunterkünfte dürfen. Doch laut Heuer sei es in Ordnung, sie für kurze Zeit draußen anzubinden, sich selbst drinnen zu versorgen und sich danach draußen mit dem Tier aufzuhalten. Ebenso soll es im Notfall die Möglichkeit geben, dass die münsterischen Tierheime die Pflege der Haustiere während der Evakierungszeit übernehmen. Weitere Infos unter der Telefonnummer  0251/492 83 88.

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Franziskus-Hospital muss nur teils evakuiert werden

Auch wenn ein Teil des St.-Franziskus-Hospitals, welches sich in der Mitte der drei Verdachtsstandorte befindet, nach mehrfacher Prüfung nicht evakuiert werden muss (Geschäftsführer Klaus Abel: „Wir werden den Atem anhalten“), warnt Heuer vor einem Verbleib in den eigenen vier Wänden, da einige Blindgänger bis zu 500 Kilogramm schwer und dementsprechend gefährlich sein könnten.

Mehrere Notunterkünfte seien eingerichtet worden; wobei Heuer betont, dass die Notunterkünfte wirklich nur für jene gedacht seien, die keine anderen Möglichkeiten haben. „Es soll nicht so sein, dass jemand in die Notunterkunft geht, weil er Langeweile hat“.

Patrouillen, Hubschrauber und Drohnen

Ängste davor, dass während der Evakuierung in die leerstehenden Häuser und Wohnungen eingebrochen werden könnte, seien laut Polizei-Pressesprecher Jan Schabacker unbegründet. „Wir werden mit über 50 Mitarbeitern im Einsatz sein“, erläutert er. Neben den Straßensperren an den Zufahrtswegen nach Mauritz werden die Polizisten im Evakuierungsgebiet patrouillieren, um den Bereich zu überwachen. „Bis auf den Zeitpunkt der Entschärfungen werden sie dauerhaft unterwegs sein“. Aller Voraussicht nach sei zudem ein Polizeihubschrauber im Einsatz. Wolfgang Heuer ergänzt, dass die Stadt den Evakuierungsbereich mit Drohnen überwachen will.


Alle Informationen rund um die Evakuierung und die geplanten Maßnahmen gibt es in unserem Liveticker. Dort berichten wir am Sonntag live von den möglichen Entschärfungen von Blindgängern

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