Christusfigur im Hiltruper CT
Der Patient ist 700 Jahre alt

Münster-Hiltrup -

In der „Röhre“ sollen sich die Patienten nicht bewegen und sie müssen die Arme anlegen, damit sie reinpassen. Ersteres war kein Problem für den Patienten, der am Mittwoch im Herz-Jesu-Krankenhaus in Münster-Hiltrup untersucht wurde – die Arme aber blieben steif: Der "Patient" ist eine spätmittlalterliche Christusfigur.

Donnerstag, 17.09.2020, 14:50 Uhr aktualisiert: 17.09.2020, 15:07 Uhr
700 Jahre alt und vermutlich zum ersten Mal beim Arzt: Diese spätmittelalterliche Christusfigur wurde im Herz-Jesu-Krankenhaus Hiltrup untersucht.
700 Jahre alt und vermutlich zum ersten Mal beim Arzt: Diese spätmittelalterliche Christusfigur wurde im Herz-Jesu-Krankenhaus Hiltrup untersucht. Foto: LWL

Die Experten des Instituts für Radiologie und Neuroradiologie schoben eine 700 Jahre alte Christusfigur in ihren Computertomographen. Diagonal – wegen der ausgebreiteten Arme der 75 Zentimeter messenden Figur. Die spätmittelalterliche Christusfigur stammt aus der St.-Marien-Kirche in Datteln-Ahsen. Auf Bitten des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) wurde sie nun untersucht, wie der LWL berichtete.

Grund  sei die anstehende Restaurierung der Christus-Figur. „Für diese Arbeit und zu wissenschaftlichen Forschungszwecken ist wichtig zu wissen, wie die einzelnen Körperteile an der Figur befestigt sind und an welchen Stellen es hölzerne Ergänzungen gibt“, erklärt LWL-Denkmalpflegerin Stephanie Keinert . „Zudem wussten wir bislang nichts über den Inhalt der Aushöhlung auf der Rückseite, die durch ein ovales Zinnblech verschlossen ist.“ Erste Erkenntnis: „Fest steht schon jetzt, dass die geheimnisvolle Aushöhlung auf der Rückseite nicht leer ist. Um genau sagen zu können, worum es sich bei den darin enthaltenen Gegenständen handelt, müssen wir die Bilder jedoch erst weiter auswerten.“

Die große Frage: Was steckt im Innern der Figur?

Die große Frage: Was steckt im Innern der Figur? Foto: Institut für Radiologie und Neuroradiologie

Interessierte Experten

Durch ein Fenster verfolgten die Beteiligten, wie die Figur langsam durch den Computertomographen fuhr. Aus den Röntgendaten berechnete ein Computer anschließend die Schnittbilder. Nach dem CT wurde die Figur zusätzlich in einem Angiographie-Gerät untersucht, das sonst zum Einsatz kommt, um Blutgefäße sichtbar zu machen. 

Diplom-Restauratorin Beate Zumkley, Stephanie Keinert von der LWL-Denkmalpflege, Priv.-Doz. Dr. Thomas Allkemper und Barbara Südfeld vom Herz-Jesu-Krankenhaus sowie Dr. Reinhard Karrenbrock vom Bistum Münster begleiten den 700 Jahre alten "Patienten" bei der CT-Untersuchung.

Diplom-Restauratorin Beate Zumkley, Stephanie Keinert von der LWL-Denkmalpflege, Priv.-Doz. Dr. Thomas Allkemper und Barbara Südfeld vom Herz-Jesu-Krankenhaus sowie Dr. Reinhard Karrenbrock vom Bistum Münster begleiten den 700 Jahre alten "Patienten" bei der CT-Untersuchung. Foto: LWL

"Gute Bilder"

„Durch die Untersuchung im Herz-Jesu-Krankenhaus haben wir sehr gute Bilder bekommen, die die Restaurierung und weitere Erforschung dieser besonderen Figur voranbringen werden“, freut sich Stephanie Keinert gemeinsam mit Dr. Reinhard Karrenbrock, wissenschaftlicher Referent beim Bistum Münster. Eine genaue Interpretation der Aufnahmen erfolgt in den nächsten Wochen, doch schon jetzt können die Fachleute erste Annahmen machen: „Wichtige Erkenntnisse zur Werktechnik zeichnen sich bereits jetzt ab. Gut zu erkennen ist, dass die Arme durch handgeschmiedete Eisennägel mit dem Rumpf verbunden sind. Der außergewöhnliche Knoten des Lendentuchs ist dagegen aus einem Stück mit dem Rumpf gearbeitet.“

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