Große Evakuierung in Münster
Franziskus-Hospital sieht sich gewappnet

Münster -

Der Umfang der Vorbereitungen auf die Stadtteil-Evakuierung am Sonntag war im St.-Franziskus-Hospital groß. Doch eine umsichtige Planung und etwas Glück haben dazu geführt, dass nun kaum Patienten verlegt werden müssen.

Donnerstag, 17.09.2020, 18:00 Uhr aktualisiert: 18.09.2020, 17:22 Uhr

Seit Monaten ist die Leitung des St.-Franziskus-Hospitals mit der anstehenden Evakuierung im Stadtteil Mauritz beschäftigt. Wenige Tage vor der Evakuierung am Sonntag steht nun ein Ergebnis, dass sich sehen lassen kann. Maximal 20, voraussichtlich aber noch weniger Patienten müssen an diesem Tag in eine andere Einrichtung verlegt werden, dabei betreut das St.-Franziskus-Hospital bis zu 600 Patienten am Tag.

Großer Teil des Krankenhauses ist sicherer Bereich

Nicht zuletzt ein glücklicher Umstand war es, der dem Franziskus-Hospital in die Karten spielte, denn aufgrund der baulichen Struktur müssen nicht alle Bereiche geräumt werden. Ein unabhängiges Gutachten hat ein knappes Viertel der räumlichen Fläche als sichere Bereiche ausgewiesen. Zusätzliches Glück: Zu diesen sicheren Bereichen gehören unter anderem die Erwachsenenintensiv- sowie die Frühchenstation. Also zwei Bereiche mit sehr sensiblen Patienten.

Rund 180 Patienten können so vor Ort weiter versorgt werden. Um Hunderte weitere Patienten nicht verlegen zu müssen, hat man sich im Franziskus-Hospital dazu entschieden, die Belegung so zu steuern, dass möglichst alle weiteren Patienten bis zum Wochenende entlassen sind.

20200917_154019_678

Pflegedirektor Leonhard Decker (v.l.), Prof. Dr. Christoph Bremer, Ärztlicher Direktor, und Geschäftsführerin Annika Wolter haben sich mit den rund 2100 Mitarbeitern des Franziskus-Hospitals auf die Evakuierung im Stadtteil Mauritz bis ins Detail vorbereitet. Foto: Björn Meyer

"Immenser organisatorischer Aufwand"

Es sei sowohl ein immenser technischer, als auch organisatorischer Aufwand gewesen, machte Annika Wolter , Geschäftsführerin des Franziskus-Hospitals, am Donnerstag deutlich. Abermals glücklicher Zufall: Wolter ist erst wenige Monate in Münster, kann aber von ihrer vorherigen Stelle bei den Kliniken der Stadt Köln in Merheim im Bezug auf Evakuierungen auf Erfahrungen zurückgreifen.

Franziskaner-Einrichtungen

Die Franziskanerinnen von Münster/St. Mauritz sind Träger des Seniorenzentrums Haus Maria-Trost und des Altenheims für Ordensangehörige St. Heriburg-Haus in Münster. Beide Heime beherbergen insgesamt 148 Menschen, die am Sonntag evakuiert werden. Die Bewohner des St. Heri­burg-Hauses werden an diesem Tag nach Telgte fahren und dem Schwesternkonvent am St. Rochus-Hospital einen Besuch abstatten. Drei Schwestern werden per Liegendtransport in das St. Franziskus-Haus in Nordwalde gebracht. Fünf Sprinter werden Bewohner, die im Rollstuhl befördert werden müssen, nach Telgte fahren. 20 Bewohner des Seniorenzentrums Haus Maria-Trost verbringen einen Tag bei ihren Angehörigen. Alle anderen Bewohner werden laut dem Träger nach Seppenrade ins St. Josefshaus evakuiert.

...

Rettungsdienst fährt Franziskus nicht mehr an

Doch trotz aller Erfahrungen, die Detailarbeit musste das Franziskus-Hospital von Grund auf neu regeln. Und die Bandbreite dafür war groß. Von mehr Personal als üblich, über vor Ort in die sicheren Bereiche gezogenen Rufbereitschaften bis hin zu einer geänderten, medizinischen Sauerstoffversorgung, weil der dafür vorgesehene Tank leergefahren werden muss. Auch Rettungsdienste fahren das Franziskus ab Freitagabend nicht mehr an. Wer bis zur Evakuierung des Stadtteils fußläufig vorstellig wird, wird aber versorgt.

Prof. Dr. Christoph Bremer, Ärztlicher Direktor der Einrichtung, ist sich sicher, dass hinsichtlich der Versorgung alles gut laufen werde. Seine Sorge gilt eher externen Faktoren. Gehe die Evakuierung des Stadtteils schnell vonstatten, bedeute das auch eine kürzere Ausnahmesituation für das Krankenhaus.

Wissenswertes rund um die Evakuierung in Mauritz

1/14
  • Die Evakuierung in Mauritz wird eine der größten in der Stadtgeschichte. 16.000 Menschen müssen ihre Wohnungen verlassen, wenn die Verdachtspunkte auf Blindgänger untersucht werden. Alles Wissenswerte zur Evakuierung gibt es hier in der Übersicht:

    Foto: Colourbox.de
  • Das Areal im Umkreis von 500 Metern um die Verdachtspunkte soll evakuiert werden. So ist es vorgeschrieben bei den vermuteten Kampfmitteln, bei denen es sich wahrscheinlich um Weltkriegsbomben der 250- und der 500-Kilogramm-Klasse handelt. 

    Foto: Grafik: Lisa Stetzkamp
  • Zeitplan

    Die Evakuierung startet am Sonntagmorgen um 8 Uhr. Dann riegeln Polizei, Ordnungsamt und Feuerwehr das Viertel ab. Innerhalb von zwei Stunden soll der Bereich geräumt sein. Danach nehmen die Kampfmittel-Fachleute ihre Arbeit auf. Wie lange die gesamte Aktion und die Sperrungen andauern, ist vorher schwer absehbar. Die Anwohner werden mittels Radio, der Warn-App „Nina“ sowie mithilfe von Lautsprecherfahrzeugen im Viertel informiert.

    Foto: dpa
  • Hotline

    Für Fragen rund um die Evakuierung die Stadt eine Hotline geschaltet. Sie ist unter 02 51/4 92 83 88 montags bis donnerstags von 8 bis 18 Uhr, freitags von 8 bis 13.30 Uhr erreichbar. Am Evakuierungswochenende ist die Hotline länger erreichbar: Freitag und Samstag von 8 bis 16 Uhr, am Sonntag von 7 bis 16 Uhr. Falls die Entschärfung möglicher Blindgänger länger dauern sollte, bleibt die Hotline bis zum Ende besetzt.

    Foto: dpa
  • Autoverkehr (1)

    Ab 8 Uhr können Autofahrer nicht mehr in den Stadtteil Mauritz fahren. Ab dem Dortmund-Ems-Kanal bis zur Eisenbahnstraße sind sämtliche Seitenstraßen der Wolbecker Straße gesperrt, die in Richtung Warendorfer Straße führen. Auf dem Straßenzug Bohlweg/Ostmarkstraße werden ebenfalls sämtliche in Richtung Warendorfer Straße führenden Seitenstraßen gesperrt. Zusätzlich wird die Warendorfer Straße im Kreuzungsbereich Eisenbahnstraße/Freiherr-vom-Stein-Platz und im Kreuzungsbereich Warendorfer Straße/Schifffahrter Damm gesperrt. Dies gilt auch für den großen Parkplatz Höhe Warendorfer Straße / Schifffahrter Damm, der geräumt wird. Der Parkplatz zwischen Friedrichstraße und Eisenbahnstraße am Paul-Gerhardt-Haus muss geräumt werden und ist ebenfalls nicht nutzbar. Die Friedrichstraße ist nicht befahrbar. 

    Foto: dpa
  • Autoverkehr (2)

    Die Straßenzüge Propsteistraße, Niesertstraße, Kapitelstraße, Prozessionsweg, Admiral-Scheer-Straße, Otto-Weddigen-Straße und Gorch-Fock-Straße können nur über die Skagerrakstraße befahren werden. Die Straße Zum Guten Hirten wird hinter der Von-Manger-Straße gesperrt. Die Manfred-von-Richthofen-Straße wird in Höhe der Kanalbrücke gesperrt. Der Verkehr kann den gesperrten Bereich über die Wolbecker Straße, Eisenbahnstraße und die Straßenzüge Bohlweg, Ostmarkstraße, Schifffahrter Damm und Warendorfer Straße umfahren. 

    Foto: dpa
  • Notunterkünfte

    Die Notunterkünfte befinden sich im Pascal-Gymnasium (Foto) sowie im Weiterbildungskolleg am Pascal-Gymnasium, Uppenkampstiege 17, bei den Stadtwerken, Hafenplatz 1, im Alt- und Neubau des Hansa-Berufskollegs, Hansaring 80, im Ratsgymnasium,  Bohlweg 7-11, im LWL-Landeshaus, Freiherr-vom-Stein-Platz 1, und bei der Deutschen Rentenversicherung, Gartenstraße 194. In den Notunterkünften gelten Coronaregeln analog zur Gastronomie. Haustiere können nicht mitgebracht werden. In den Einrichtungen wird ab mittags Verpflegung ausgegeben. 

    Foto: Günter Benning
  • Shuttle-Service

    Die Notunterkünfte Hansa-Berufskolleg, Ratsgymnasium und LWL-Landeshaus sind gut zu Fuß zu erreichen. Zu den anderen Notunterkünften wird ein Shuttle-Service eingerichtet. Die Mauritzer können für die Zubringerbusse folgende Haltestellen nutzen: Zumsandestraße (Fahrtziel Deutsche Rentenversicherung, Gartenstraße), Hansa-Berufs-Kolleg, Bussteig D (Deutsche Rentenversicherung), Hohenzollernring, Bussteig D (Stadtwerke Münster, Hafenplatz), St. Franziskus-Hospital, Fahrtrichtung Wolbecker Straße (Stadtwerke), St. Franziskus-Hospital, Fahrtrichtung Warendorfer Straße (Pascal-Gymnasium, Uppenkampstiege), Manfred-von-Richthofen-Straße, Fahrtrichtung stadteinwärts (Pascal-Gymnasium), Albertstraße (Pascal-Gymnasium). Sie starten um 8 Uhr, 8.45 Uhr, 9.30 Uhr.

    Foto: Stadtwerke Münster
  • Bus-Umleitungen (1)

    Die Linien 2, 10, 14, 33, 34, N83, R11 und R13 werden ab 7.30 Uhr umgeleitet. Die Linien N83, 2, 10, R11 und R13 fahren zwischen den Haltestellen Eisenbahnstraße und Danziger Freiheit in beiden Richtungen über Fürstenbergstraße, Bohlweg, Ostmarkstraße und Schifffahrter Damm. Sie können die Haltestellen Zumsandestraße, Hohenzollernring, Dechaneistraße und Albertstraße nicht anfahren. Die Linien R11 und R13 halten nicht am Hansa-Berufskolleg und St.-Franziskus-Hospital. Die Linie 14 verkehrt nur zwischen Zoo und Hauptbahnhof. Alle Haltestellen von Von-Steuben-Straße bis Maikottenweg können nicht bedient werden. Die Ringlinien 33 und 34 fahren zwischen Hauptbahnhof und Niedersachsenring über Eisenbahnstraße, Fürstenbergstraße und Bohlweg.Sie können die Haltestellen Servatiiplatz, Bremer Platz, Sternstraße, Sophienstraße, Hansa-Berufskolleg, St.-Franziskus-Hospital, Hohenzollernring und Villa ten Hompel nicht anfahren. 

    Foto: Stadtwerke Münster
  • Bus-Umleitungen (2)

    Die Linie 14 verkehrt nur zwischen Zoo und Hauptbahnhof. Alle Haltestellen von Von-Steuben-Straße bis Maikottenweg können nicht bedient werden. Die Ringlinien 33 und 34 fahren zwischen Hauptbahnhof und Niedersachsenring über Eisenbahnstraße, Fürstenbergstraße und Bohlweg.Sie können die Haltestellen Servatiiplatz, Bremer Platz, Sternstraße, Sophienstraße, Hansa-Berufskolleg, St.-Franziskus-Hospital, Hohenzollernring und Villa ten Hompel nicht anfahren. 

    Foto: Stadtwerke Münster
  • Bahn-Verbindung

    Im Falle einer Entschärfung muss laut Bahn-Sprecherin mit Behinderungen im Bahnverkehr gerechnet werden. Betroffen wären dann  die Ein- und Ausfahrgleise in Richtung Rheine und Osnabrück. Reisende können sich über den DB-Streckenagenten, den Navigator oder über die Lautsprecheransagen am Hauptbahnhof informieren.

    Foto: dpa
  • Krankenhäuser und Co. 

    Das Franziskushospital muss teilweise evakuiert werden, 20 Patienten werden ins Herz-Jesu-Krankenhaus nach Hiltrup verlegt. Außerdem sind das Klarastift, das Haus Maria Trost und der Konvent der Franziskanerinnen von Münster-St.-Mauritz betroffen.

    Foto: Oliver Werner
  • Ostbad

    Das Ostbad bleibt am Sonntag geschlossen. Als Ersatz stehen an diesem Tag die Hallenbäder Kinderhaus (9.30 bis 17 Uhr), Mitte (10 bis 13 Uhr und 14 bis 18 Uhr) und Hiltrup (8 bis 11 Uhr und 12 bis 16 Uhr) zur Verfügung. Auch die am Ostbad parkenden Wohnmobile müssen ihren Standort verlassen.

    Foto: Stadt Münster
  • Akteure

    Rund 1000 Einsatzkräfte der Hilfsorganisationen, Technisches Hilfswerk, Stadtwerke, Kampfmittelbeseitigungsdienst, Polizei und Feuerwehr aus Münster und dem Regierungsbezirk werden am Sonntag im Einsatz sein. Die Stadt  hat einen Krisenstab unter der Leitung von Stadtrat Wolfgang Heuer einberufen.

    Foto: dpa
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7589285?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F
Nachrichten-Ticker