Prozess gegen 42-Jährigen
Missbrauchsverfahren muss neu aufgerollt werden

Münster -

Ein 42-jähriger Münsteraner muss sich vor Gericht wegen des Vorwurfs des sexuellen Missbrauchs verantworten. Eigentlich sollte am heutigen Freitag das Urteil gesprochen werden. Doch dazu kam es nicht.

Freitag, 18.09.2020, 20:00 Uhr
Prozess gegen 42-Jährigen: Missbrauchsverfahren muss neu aufgerollt werden
Foto: Wilfried Gerharz (Symbolbild)

Im Fall des 42-Jährigen aus Münster, der seine Tochter sexuell missbraucht haben soll (wir berichteten), hat das Landgericht am Freitag überraschend nicht das erwartete Urteil gesprochen – stattdessen wurde das Verfahren ausgesetzt. Es wird komplett von vorne beginnen müssen.

Grund dafür ist, dass der Angeklagte sich nicht mehr von seinen bisherigen beiden Wahlverteidigern vertreten lassen will. Das Vertrauensverhältnis zu ihnen sei „zerstört“, ließ der Münsteraner von einem Anwalt erklären, der von einer Münchener Kanzlei beauftragt wurde. Die wolle nun die Pflichtverteidigung übernehmen, hieß es.

Angeklagter fühlte sich zu Geständnis gedrängt

Der Angeklagte behauptet, er sei von den Wahlverteidigern zu einem Geständnis gedrängt worden, obwohl er die Taten nicht begangen habe. Dem Mann wird von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, im vergangenen Jahr vier Mal seine elf Jahre alte Tochter missbraucht zu haben. Die Übergriffe hätten stattgefunden, wenn sie im 14-tätigen Rhythmus in seiner Wohnung zu Besuch war. Er lebt von der Mutter und dem Mädchen getrennt.

Der Beschuldigte behauptet, ihm sei geraten worden, die Taten zu gestehen, damit er „günstiger aus der Sache rauskommt“, wie er am Freitag sagte. Einer der bisherigen Anwälte hingegen erklärte, diese Darstellung sei einseitig. Sein Kollege und er hätten dem 42-Jährigen vielmehr erläutert, welche rechtlichen Möglichkeiten bestünden: Wenn er schuldig sei, solle er „gestehen und wenn nicht, dann nicht“.

Prozess wird vorerst ausgesetzt

Der „neue“ Anwalt nun betonte, dass das Gericht zwar einem „Beschleunigungsgebot“ verpflichtet sei, um ein Verfahren möglichst zügig zu einem Ende zu bringen. Allerdings befinde sich der Angeklagte nicht in Untersuchungshaft und die Tochter brauche als Hauptbelastungszeugin nicht ein zweites Mal bei Gericht aussagen, weil sie dort bisher noch nicht ausgesagt habe.

Das Gericht gab dem Antrag auf Aussetzung statt. Dies jedoch „ausdrücklich nicht“, wie die Vorsitzende Richterin betonte, weil der Angeklagte bisher „nicht ausreichend oder nicht angemessen verteidigt“ worden sei. Sondern weil er das Recht auf Auswahl eines Pflichtverteidigers habe und sich offenbar „subjektiv“ nicht angemessen vertreten fühle. Gleichwohl bedeute die Aussetzung eine Belastung für die Tochter.

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