„Parking Day“
Mensch statt Maschine auf der Wolbecker Straße

Münster -

Ungewohntes Bild auf der Wolbecker Straße: keine Autoschlangen, keine Abgase, stattdessen große Seifenblasen und Livekonzert unter der Ampel. Beim „Parking Day“ blieb die Straße in Münster am Freitag autofrei. Ein befürchtetes Verkehrschaos blieb jedoch aus.

Freitag, 18.09.2020, 18:00 Uhr aktualisiert: 18.09.2020, 18:23 Uhr

Yoga auf dem Mittelstreifen, Tischtennis auf der linken Spur, Livekonzert unter der Ampel – am Freitag ist auf der Wolbecker Straße vieles erlaubt. Nur eines nicht: Autofahren.

Für den „Parking Day“, bei dem ein Bündnis von Umwelt- und Klima-Initiativen für urbanes Leben ohne Autoverkehr demonstriert, sperrt die Polizei die Ausfallstraße zwischen Ring und Bremer Straße ab 10 Uhr für den Autoverkehr. Anwohner mussten ihre Autos vorher aus den Parkbuchten entfernen, in fünf Fällen hilft die Polizei am Morgen per Abschleppdienst nach.

ADFC will Verkehrsraum in Münster umverteilen

Und dennoch schaffen es 1800 Porsche auf die Wolbecker Straße. Nein, keine PS-Schleudern, sondern Spielzeugautos blockieren eine Parkbucht. Der Aktionskünstler Ruppe Koselleck hat sie aufgestellt. Es ist seine Art zu fragen, wem der Verkehrsraum gehört.

„Parking Day“ auf der Wolbecker Straße

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  • Beim „Parking Day“ hat ein Bündnis von Umwelt- und Klima-Initiativen auf der Wolbecker Straße mit verschiedenen Aktionen für urbanes Leben ohne Autoverkehr demonstriert.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Die Aktivisten nutzten die Gelegenheit um auf der Straße zu tanzen, Yoga zu machen oder Konzerte zu spielen.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Dem ADFC geht es bei der Aktion darum, dass der Verkehrsraum gerechter aufgeteilt wird.

    Foto: Matthias Ahlke
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    Foto: Pjer Biederstädt
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    Foto: Pjer Biederstädt
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    Foto: Pjer Biederstädt

Die Antwort fällt Matthias Wüstefeld vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) nicht schwer. „Dem Bürger wird durch das Kfz enorm viel Fläche genommen“, sagt er. Es gehe darum, den Verkehrsraum umzuverteilen. Bisher würden Autofahrer in Münster hofiert. Dabei würde der Straßenzug ohne Autos geradezu aufblühen. Und die Ängste der Kaufleute vor Umsatzeinbußen seien unbegründet, wie man am Beispiel der Stadt Wien sehen könne.

Es ist so wunderschön, Urlaub von den Autos zu haben.

Tine Langkamp

Hinter Kickertischen und den Kindern, die am Stand der Grünen-Jugend auf eine Piñata in Autoform schlagen, bugsiert Tine Langkamp große Seifenblasen in den Himmel. „Es ist so wunderschön, Urlaub von den Autos zu haben“, sagt sie. Ihre Hoffnung sei es, dass die Parteien in Sachen Verkehrswende mutig sind, weil alle von einer autofreien Stadt profitierten.

Kommentar: Zwischen Chance und Gefahr

Die Wolbecker Straße ist als Veranstaltungsort für den „Parking Day“ klug gewählt, weil die Verkehrsprobleme einer wachsenden Stadt dort besonders gut zu beobachten sind. Auf schmalen Rad- und Fußwegen kommen sich Fußgänger, Radfahrer, geparkte Fahrräder, Gastro-Gäste und Lieferwagen gefährlich nahe.

Überdies ist diese Art des Protests gut geeignet, um auf den Klimaschutz aufmerksam zu machen und gleichzeitig neue Mobilitätskonzepte auszuprobieren. Ein Wahlkampf bestimmendes Thema, autofreie Bereiche in der Stadt, nicht nur auf auf dem Reißbrett, sondern – wenn auch nur im Kleinen – testen zu können, birgt für die Bürgerinnen und Bürger die Chance, sich ein Bild von alternativer Nutzung des Straßenraumes zu machen.

Das gilt für alle Beteiligten: Für diejenigen, die im autofreien Raum mehr Lebensqualität verspüren, aber auch für diejenigen, die im Stau stehen oder mit ihrem Auto nicht mehr ihre Wohnungen oder den Hausarzt erreichen. Bei Letzteren dürfte die Akzeptanz für autofreie Bereiche durch den „Parking Day“ nicht gestiegen sein. Deshalb birgt die Aktion die Gefahr, die Fronten in einer Diskussion zu verhärten, die Kompromissbereitschaft so dringend nötig hat.

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Alle? Claudia Schmidt, Inhaberin des Cafés Montmartre, steht in ihrem leeren Laden. Freitagnachmittag, draußen flanieren laut Polizei 500 Menschen, kein einziger Tisch in dem Café ist besetzt. „Das ist eher ungewöhnlich“, sagt Schmidt. Bestimmt die Hälfte ihrer Kundschaft käme mit dem Auto. Andererseits hätte eine autofreie Wolbecker Straße für sie Vorteile, wenn sie mehr Außengastronomie anbieten könnte.

Geschäftsleute ärgern sich über die Stadt

Ludger Robert, Chef des Blumenladens Rogeé, hat eigentlich nichts gegen weniger Autoverkehr und mehr Platz für Radfahrer – wenn der Lieferverkehr bleibt. „Heute habe ich bestellte Sträuße mit dem Taxi ausliefern müssen. Das war so teuer wie die Sträuße selbst“, sagt er. Geärgert habe er sich vor allem darüber, dass er erst drei Tage vorher über den „Parking Day“ informiert wurde. Andere seien gar nicht in Kenntnis gesetzt worden.  „Ein Arzt hatte vorhin so eine Krawatte, weil seine Patienten nicht zu ihm kommen konnten“, erzählt Robert. Immerhin: Der Rückweg war für sie weitestgehend staufrei. Die Polizei hat rund um die Wolbecker Straße kein erhöhtes Verkehrsaufkommen über den normalen Berufsverkehr hinaus feststellen können.

  

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