Bombenentschärfung in Münster
So lief die größte Evakuierung der Stadtgeschichte

Münster -

Kollektives Aufatmen um 12.30 Uhr: Experten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes haben am Sonntag im Stadtviertel Münster-Mauritz zwei amerikanische Fliegerbomben entschärft. [Mit Video]

Montag, 21.09.2020, 08:04 Uhr aktualisiert: 21.09.2020, 11:35 Uhr
  • Am Sonntag fand in Münster-Mauritz die größte Evakuierung der Stadtgeschichte statt. 16.000 Menschen mussten ihre Wohnungen verlassen. Notunterkünfte standen zur Verfügung.
  • Rund 1000 Einsatzkräfte waren ab dem frühen Sonntagmorgen im Einsatz. 
  • Der Kampfmittelräumdienst untersuchte fünf Verdachtspunkte in Münster-Mauritz. Dabei wurden zwei Weltkriegsbomben gefunden, die anschließend erfolgreich entschärft wurden.

Dem Einsatz ging die größte Evakuierung der Stadtgeschichte voraus. Beamte riegelten ein rund zwei Quadratkilometer großes Areal ab. 16 000 Bewohner mussten um 8 Uhr ihre Häuser verlassen. Mehrere Senioreneinrichtungen und und das St.-Franziskus-Hospital waren ebenfalls betroffen. 180 Teams der Feuerwehr gingen zur Überprüfung von Haustür zu Haustür.

Sieben Anwohner hatten sich zunächst geweigert, ihre Wohnungen zu verlassen. Die Polizei musste nach eigenem Bekunden mit mahnenden Worten nachhelfen.

Insgesamt 2000 Plätze in sechs Notunterkünften hatte die Stadt bereitgestellt, doch  nur 136 Anwohner kamen während der Evakuierung in die Betreuungsstellen. Für den geordneten Ablauf der Großevakuierung waren 1000 Einsatzkräfte von Feuerwehr, THW, Hilfsorganisationen und Polizei im Einsatz.

Großevakuierung und Bombenentschärfung in Münster-Mauritz

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  • Diese zwei Blindgänger wurden erfolgreich entschärft. Hunderte Einsatzkräfte waren bei der wohl größten Evakuierung der Stadtgeschichte im Einsatz.

    Foto: Helmut Etzkorn
  • Fünf Verdachtspunkte gab es im Vorfeld, drei stellten am Ende keine Gefahr da.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Die Verdachtspunkte wurden nach der Evakuierung freigelegt.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Die Polizei riegelte hier die Straßen ab.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Radfahrer werden von der Polizei über die Großevakuierung aufgeklärt.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Die Feuerwehr durchkämmte mit 180 Teams das Evakuierungsgebiet.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Rund 400 Feuerwehrleute waren am Sonntag in Mauritz im Einsatz.

    Foto: Matthias Ahlke
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  • Foto: Matthias Ahlke

Fünf Verdachtspunkte in Münster-Mauritz

Ursprünglich hatten Fachleute fünf Stellen ausgemacht, an denen Blindgänger vermutet wurden. Bei der Freilegung stellten sich drei der fünf Verdachtspunkte als harmlos heraus. Metallschrott hatte dort einen falschen Alarm ausgelöst. Entschärft werden mussten eine 125 Kilogramm schwere Bombe an der Stiftsstraße und eine 250 Kilogramm schwere Bombe im Bereich des Anne-Frank-Berufskollegs.

Da der Kampfmittelbeseitigungsdienst mit fünf Teams angerückt war, konnten die Bomben deutlich schneller als geplant unschädlich gemacht werden. Um 13 Uhr konnten die Bewohner zurück in ihre Häuser und der Verkehr rollte wieder. "Von morgens früh bis zur Entschärfung hat alles perfekt geklappt“, sagte Wolfgang Heuer, Krisenstabsleiter der Stadt.

Bei mehr als 100 Luftangriffen während des Zweiten Weltkriegs wurden über Münster nach Angaben der Stadt ungefähr 32 000 Spreng- und mehr als 640 000 Brandbomben abgeworfen. Fachleute schätzen, dass 15 bis 20 Prozent nicht explodiert sind und als Blindgänger noch unentdeckt im Erdreich liegen.

Kommentar

Hand in Hand

Monatelange Vorarbeiten, eine intensive Planungsphase in den vergangenen Wochen, und viele kleine Zahnräder, die am Tag der Tage ineinandergreifen mussten: Die Evakuierung des Stadtteils Mauritz, bei der rund 16 000 Menschen ihre Häuser und Wohnungen verlassen mussten, war ohne Frage ein Mammutprojekt. Dass dabei letztlich nur zwei eher kleinere Blindgänger geborgen und entschärft wurden, zeigt nur, wie schwer die Arbeit für Experten und Behörden in diesem Bereich ist.

Genau aus diesem Grund gebührt zunächst einmal der Stadtverwaltung ein großes Lob: weil man nichts dem Zufall überließ, weil lange und umfassend informiert wurde und weil man letztlich den Schritt wagte, mehrere Verdachtspunkte auf einmal zu inspizieren. Das entlastete vor allem Einrichtungen wie das St.-Franziskus-Hospital und die umliegenden Altenheime.

Ein Lob gebührt auch den vielen Helfern, die sich an Stichstraßen und Wohnungstüren nicht erweichen ließen und so für die Sicherheit der Bevölkerung sorgten. Nicht zuletzt war es vor allem die Bevölkerung selbst, die mit viel Verständnis und Hilfsbereitschaft die größte Evakuierung der Nachkriegsgeschichte zu einem – dankenswerterweise zeitlich kurzen – Erfolg gemacht hat.

Von Björn Meyer

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