LWL: Ohne Förderprogramme geht es nicht
Arbeitsmarkt für Behinderte in Corona-Krise eingebrochen

Münster -

In der Corona-Krise ist die Zahl arbeitsloser schwerbehinderter Arbeitnehmer in Westfalen dramatisch um zehn Prozent gestiegen. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe zieht eine ernüchternde Bilanz und sieht keine Besserung ohne öffentliche Fördermittel.

Freitag, 25.09.2020, 08:30 Uhr aktualisiert: 25.09.2020, 11:11 Uhr
Vereinter Einsatz für Menschen mit Behinderung: Hartmut Baar vom LWL-Inklusionsamt Arbeit und LWL-Sozialdezernent Matthias Münning stellten aktuelle Zahlen zum Arbeitsmarkt in Corona-Zeiten vor und sorgen für die Umsetzung von Förderprogrammen.
Vereinter Einsatz für Menschen mit Behinderung: Hartmut Baar vom LWL-Inklusionsamt Arbeit und LWL-Sozialdezernent Matthias Münning stellten aktuelle Zahlen zum Arbeitsmarkt in Corona-Zeiten vor und sorgen für die Umsetzung von Förderprogrammen. Foto: Karin Höller

Betriebsschließungen, Kurzarbeit und steigende Arbeitslosenzahlen – die Wirtschaft leidet unter der Corona-Krise. Ganz besonders schwer haben es Menschen mit Behinderung. Die Zahl der Arbeitslosen in dieser Personengruppe ist seit Februar in Westfalen-Lippe um über zehn Prozent gestiegen.

Allein im Arbeitsagenturbezirk Ahlen-Münster gab es im August 1235 Arbeitslose mit Schwerbehinderung „Das macht uns große Sorgen“, so Matthias Münning, Sozialdezernent des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) am Donnerstag bei einer Corona-Zwischenbilanz zur Arbeitswelt behinderter Menschen in der Corona-Krise. „Denn für Menschen mit Schwerbehinderung ist es viel schwerer, ins Arbeitsleben zurückzufinden“, ergänzt Münning.

Behindertenwerkstätten wieder geöffnet

Noch wochenlanger Schließung seien die Behindertenwerkstätten seit Mitte Mai schrittweise mit Hygienekonzepten und ergänzt um Räume in Turnhallen oder Gästekantinen wieder geöffnet worden. Seit Anfang dieser Woche „sind die Werkstätten wieder weitgehend zum Normalbetrieb zurückgekehrt“, erklärt Hartmut Baar vom LWL-Inklusionsamt Arbeit. In Münster arbeiten 835 Menschen in den Westfalenfleißwerkstätten und 774 in den Alexianer-Werkstätten.

Auch die Inklusionsbetriebe (in Münster gibt es 15 von insgesamt 170 in Westfalen), die für Menschen mit Behinderung Arbeitsplätze schaffen, die sonst kaum eine Chance auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt hätten, stehen vor besonderen Herausforderungen. Die Betriebe seien je nach Branche unterschiedlich stark betroffen, erklärt Münning. Während sich Fahrradreparaturwerkstätten oder Garten- und Landschaftsbaubetriebe noch über steigende Aufträge freuen konnten, seien die Umsätze im Bereich Gastronomie zurückgegangen, bilanziert Münning und prognostiziert: „Die wirtschaftliche Situation der Inklusionsbetriebe in den Bereichen Hotel, Gaststätten und Catering wird sich in den kommenden Monaten noch verschärfen.“ Deshalb sei der LWL dankbar für die Corona-Programme, die Bund und Land aufgelegt haben, um die Inklusionsbetriebe zu stärken. Ein Förderprogramm des Bundes solle beispielsweise dafür sorgen, dass Entgelte trotz wegbrechender Einnahmen weitergezahlt werden können.

Rund die Hälfte der Inklusionsbetriebe hatten Kurzarbeitergeld und Liquiditätshilfen beantragt. Um Zahlungsprobleme zu vermeiden, habe das LWL-Inklusionsamt Arbeit den Betrieben angeboten, laufende Zuschüsse früher auszuzahlen.

Neues Landesprogramm seit Montag

Seit Montag, erklärt Baar, werde ein Landesprogramm umgesetzt, das Inklusionsunternehmen unterstütze, die in Folge der Corona-Pandemie unverschuldet in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten sind. In Zusammenarbeit mit der Handwerkskammer Münster leisten die Fachleute aus dem LWL-Inklusionsamt Arbeit betriebswirtschaftliche Beratungen.

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