Einschränkungen im ÖPNV
Warnstreik in Münster: Viele Busse fallen aus

Münster -

Pendler im Öffentlichen Nahverkehr brauchen am Dienstag Geduld: Am Dienstag sind die Busfahrer in den Warnstreik getreten. In Münster kommt es auf vielen Linien zu Ausfällen - bis in die Nacht.

Dienstag, 29.09.2020, 16:10 Uhr aktualisiert: 29.09.2020, 17:18 Uhr
Einschränkungen im ÖPNV: Warnstreik in Münster: Viele Busse fallen aus
Am Morgen versammelten sich die streikenden Busfahrer auf dem Betriebshof der Stadtwerke an der Rösnerstraße. Foto: Karin Völker

Lilly Whitfield ist seit 22 Jahren Busfahrerin bei den Stadtwerken. Am Dienstag stieg die 57-Jährige auf ihr blumengeschmücktes Fahrrad um, steuerte ihre Leeze zusammen mit mehr als 100 radelnden Kollegen klingelnd durch Münsters Innenstadt. Zum bundesweiten Warnstreiktag für bessere Entlohnung und Arbeitsbedingungen hatte die Gewerkschaft Verdi aufgerufen – und auch in Münster ging in Sachen Buslinien-Verkehr streckenweise wenig.

Dass auf manchen Linien dennoch Busse unterwegs waren, liegt daran, dass ein Teil der Fahrer auf den Stadtwerke-Linien bei Subunternehmen beschäftigt sind. „Sie sind auch zum Warnstreik aufgerufen, sind aber seltener gewerkschaftlich organisiert“, sagt Verdi-Sekretärin Jutta Schultz am Dienstagmorgen auf dem Betriebshof der Stadtwerke, wo sich die Streikenden mit ihren Fahrrädern versammelt haben.

Busse mit Fahrern von Subunternehmen im Einsatz

Der Weg des Korsos führt auch vorbei an die Bussteigen am Hauptbahnhof, wo am Vormittag nur wenige Menschen warten. Eine ältere Frau sitzt hier schon seit einer halben Stunde vor dem GOP-Theater, wartet auf die Linie 5. Die taucht aber auf den elektronischen Anzeigetafeln auf – in 17 Minuten soll demnach ein Bus kommen. „Ich habe noch ein bisschen Geduld“, sagt die Münsteranerin, die Richtung Hiltrup fahren will. Die Busfahrt habe sich nicht umgehen lassen, sie hatte einen Arzttermin, ergänzt sie. Ob sie Verständnis für den Warnstreik hat? Nicht, wenn ich berufstätig wäre und zur Arbeit müsste“, sagt sie.

Busfahrer demonstrieren

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  • Die Busfahrer brachen vom Betriebsgelände an der Rösnerstraße zu einem Fahrradkorso auf.

    Foto: Karin Völker
  • Warnstreik der Busfahrer

    Foto: Karin Völker
  • Warnstreik der Busfahrer

    Foto: Karrin Völker
  • Warnstreik der Busfahrer, die mit einem Fahrradkorso auf ihre Anliegen aufmerksam machen.

    Foto: Karin Völker
  • An den Bussteigen am Hauptbahnhof wurden die Fahrgäste auf den Warnstreik aufmerksam gemacht. Einige Linien waren dennoch unterwegs.

    Foto: Karin Völker
  • Die Linie 15 verkehrte am Vormittag

    Foto: Karin Völker
  • Vor dem Hauptbahnhof studieren Fahrgäste, welche Busse noch fahren.

    Foto: Karin Völker
  • Warnstreik der Busfahrer: An den Haltestellen vor dem Hauptbahnhof warten nur wenige Fahrgäste.

    Foto: Karin Völker

Andere Fahrgäste, wie eine Münsteranerin am Bussteig schräg gegenüber haben vom Busstreik noch gar nichts mitbekommen. Sie wartet auf die Linie 4. Die aber pendelt laut Anzeigetafeln ziemlich regelmäßig. Hier steuern demnach Fahrer die Busse, die bei Subunternehmern der Stadtwerke beschäftigt sind.

Kritik am bestehenden Manteltarifvertrag

„Wir bekommen mit, dass die Privatunternehmer ihre Beschäftigten bei Streikandrohungen bisweilen unter Druck setzen“, sagt Marcus Vorholt, stellvertretender Betriebsrat der Stadtwerke.

Er beklagt, dass sich am Manteltarifvertrag für die Busfahrer im öffentlichen Dienst seit 19 Jahren nichts geändert habe. Außerdem seien weniger Fahrer beschäftigt, gleichzeitig würden mehr Menschen befördert. „Früher waren wir bei den Stadtwerken im Fahrdienst mal 400 Fahrer, jetzt sind noch rund 220 im Fahrdienst angestellt“, sagt Vorholt. Und am Gehalt habe sich wenig geändert. Mit Schichtzuschlägen für Nacht- und Feiertagsarbeit kämen Busfahrer auf ein Gehalt von rund 2800 Euro brutto, im Laufe des Berufslebens könne man sich aber kaum steigern.

Lilly Whitfield, sagt, für sie reiche das Gehalt – jedoch schön wäre es schon, wenn es ein bisschen mehr werden könnte.“ Und: „Die Arbeit ist härter geworden im Laufe der Jahre“, bemerkt sie: Mehr Stress auf den immer volleren Straße.

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