Steigende Zahlen
Eher Jüngere in Münster mit Corona infiziert

Münster -

Relativ viele Neuinfektionen in den vergangenen Tagen in Münster: Der Krisenstab bereitet sich auf weitere, kommunale Restriktionen vor. Derweil weist Krisenstabsleiter Wolfgang Heuer auf einen weit verbreiteten, viel diskutierten Irrtum hin.

Montag, 12.10.2020, 18:25 Uhr aktualisiert: 12.10.2020, 19:46 Uhr
Steigende Zahlen: Eher Jüngere in Münster mit Corona infiziert
In Münster gelten aktuell 142 Münsteraner als infiziert. Foto: dpa (Symbolbild)

Eines ist Krisenstabsleiter Wolfgang Heuer in der Diskussion um steigende Coronazahlen wichtig anzumerken: „Die großen Feiern, die gerade stark thematisiert werden, wirken unterstützend. Ausschlaggebend aber sind die vielen kleinen privaten und familiären Treffen.“ Die Erkenntnis daraus: Steigende Corona-Zahlen lassen sich nicht bei einzelnen abladen, es ist die breite Masse der Gesellschaft, deren Umsicht weiterhin gefragt ist.

Inzidenz in Münster bei knapp 30

Hinsichtlich der in den Fokus gerückten Inzidenz, also der Zahl, die den Wert von Neuinfektionen innerhalb einer Woche auf 100.000 Bürger beschreibt, ist der Krisenstab derweil ganz aktuell in Gesprächen auch bezüglich möglicher, wirksamer Restriktionen. Noch am Freitag wies das Robert-Koch-Institut für Münster einen Wert von 22,8 aus. Der für die Kommunen aber ausschlaggebende Wert wird immer zu Mitternacht vom Landeszentrum Gesundheit NRW ausgewiesen. Samstags etwa lag der für Münster bei 25, stieg dann sonntags auf 32 und wird für Montag bei rund 30 erwartet.

Überschreitung des Grenzwertes nicht ausschlaggebend

Die Sprünge sind hinsichtlich der Restriktionen, die bei Überschreitungen von Grenzwerten (35 und 50) drohen, letztlich aber nicht ausschlaggebend. Denn werde der Wert an einem Tag überschritten, „gelten die Maßnahmen befristet für die nächsten 14 Tage“, so Heuer.

Selbst ein Wert über 50 würde dabei übrigens keineswegs das direkte Aus für Großveranstaltungen, wie etwa den momentan vor dem Schloss errichteten mobilen Freizeitpark, bedeuten. Denkbar seien ja auch weitere Einschränkungen hinsichtlich Kapazität und zusätzlicher Regeln, so Heuer.

Verwirrende Corona-Regeln in NRW

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  • Mit steigenden Infektionswerten in zahlreichen Städten und Kreisen in NRW ist auch die Zahl der Maßnahmen zur Corona-Eindämmung gewachsen. Angesichts unterschiedlicher Auflagen in einzelnen Kommunen und innerhalb der Bundesländer wurde Kritik an teils unabgestimmten Regelungen und einem unübersichtlichen Flickenteppich laut. 

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  • WIE VIELE REGIONEN UND PERSONEN SIND BETROFFEN? 

    Am Montag lebten schon rund 5,4 Millionen Menschen in NRW in einem der Risikogebiete im Land. Bei knapp 18 Millionen Einwohnern in NRW war das nahezu jeder Dritte. In neun Städten - darunter Köln und Essen, am Abend kam noch Düsseldorf hinzu - sowie in zwei Kreisen wurde laut Robert Koch-Institut die wichtige Warnstufe von 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen überschritten. Zusätzlich meldete die Städteregion Aachen mit 557 000 Einwohnern eine Sieben-Tage-Inzidenz von 51 Neuinfektionen.

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  • WARUM DARF EIN KÖLNER NICHT NACH STUTTGART REISEN, EIN STUTTGARTER ABER URLAUB IN KÖLN MACHEN? 

    Beide Städte sind Risikogebiete. Nicht nur NRW-Regierungschef Armin Laschet (CDU) findet einen solchen Zustand absurd und will das zum Thema der Ministerpräsidenten-Runde am Mittwoch machen. Hintergrund: Die Bundesländer können im Kampf gegen die Pandemie weitgehend in eigener Verantwortung über Einschränkungen entscheiden. Eine Mehrheit der Bundesländer hat ein Beherbergungsverbot für Reisende aus Orten mit sehr hohen Corona-Infektionszahlen beschlossen - es sei denn, sie können einen maximal 48 Stunden alten negativen Corona-Test vorlegen. In Baden-Württemberg gilt diese Pflicht, NRW ist diesen Schritt aber nicht gegangen. Hier darf noch jeder einreisen.

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  • WER BEZAHLT DEN TEST? 

    Laut Kassenärztlicher Vereinigung (KV) Westfalen-Lippe müssen Reisende aus inländischen Risikogebieten den Nachweis derzeit noch aus eigener Tasche zahlen. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hatte angekündigt, dass diese Tests kostenfrei sein sollen. Noch nicht geklärt ist aber nach Angaben der KV-Sprecherin, wann diese Regelung in Kraft treten wird. Aus der KV Nordrhein hieß es dagegen, das Gesundheitsministerium habe Städte und Kreise per Erlass angewiesen, Bürgern aus Hot-Spot-Kommunen kostenlose Tests auf SARS-CoV-2 zu ermöglichen, sofern diese in den Herbstferien innerhalb Deutschlands verreisen möchten.

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  • IST EIN ERGEBNIS BINNEN 48 STUNDEN MACHBAR? 

    Ob Reisewillige aus Ü-50-Regionen, die in die gerade begonnenen Herbstferien starten wollen, bei dem aktuellen Ansturm auf die Testzentren noch rechtzeitig an ihr Ergebnis gelangen, ist unklar. „Das kommt auf die Auslastung des jeweiligen Labors an. Im Normalfall liegt das Ergebnis innerhalb von 24 bis 48 Stunden vor“, sagt Vanessa Pudlo von der KV Westfalen-Lippe. Es könne aber Verzögerungen geben. Wird das Ergebnis später als 48 Stunden nach dem Test auf den Hotel-Tresen am Zielort gelegt, kann es das streng genommen schon mit dem Urlaub gewesen sein. Zur Verwirrung trägt hier bei: In manchen Bundesländern ist bei der 48-Stunden-Frist das Datum auf der Bescheinigung maßgebend, in anderen darf der Test-Abstrich nicht älter als 48 Stunden alt sein.

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  • GILT DIE TESTPFLICHT AUCH FÜR GRENZPENDLER?

    Für die gilt laut NRW-Corona-Schutzverordnung, dass sie sich einmalig beim örtlichen Gesundheitsamt melden müssen, wie die Städteregion Aachen betonte, die an Belgien und an die Niederlande grenzt. Das gelte etwa für Menschen, die häufig „zwingend notwendig und unaufschiebbar die Grenze zum Arbeiten, für den Besuch der Schule, der Universität oder aus medizinischen Gründen überqueren“ müssten.

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  • WAS IST MIT PRIVATEN FEIERN? 

    Diese hatten sich oftmals als punktuelle Hotspots erwiesen. So hatte Hamm - vor einigen Tagen wies die Stadt vorübergehend die bundesweit höchste „Sieben-Tage-Inzidenz“ auf - besonders strenge Regeln erlassen. Dann ging es durcheinander. Um einen Flickenteppich zu verhindern, will Laschet hier - wie auch in anderen Bereichen - möglichst landeseinheitliche Regeln als Vorgabe. Bald sollen etwa Hochzeiten, Taufen oder Geburtstage außer Haus nur noch mit maximal 50 Personen erlaubt sein. Der genaue Start-Zeitpunkt dafür wurde aber noch nicht mitgeteilt. In Kommunen, die den kritischen Ü-50-Wert überschreiten, dürfen im öffentlichen Raum schon jetzt nur noch maximal 25 Gäste mitfeiern.

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  • GIBT'S SCHON EINE SPERRSTUNDE? 

    In der größten NRW-Stadt Köln gilt ab 22.00 Uhr ein Alkoholkonsumverbot im öffentlichen Raum. Und an den Wochenenden - von Freitag ab 20.00 Uhr bis Montag um 6.00 Uhr darf an Hotspots kein Alkohol verkauft werden. Sperrstunden-Regelungen wie etwa in Berlin oder Bremen wurden aus NRW-Kommunen bisher nicht gemeldet. Ob das Land eine solche Einschränkung für sinnvoll hält, wurde aus dem Gesundheitsministerium zunächst nicht beantwortet. Laschet hatte am Sonntag weitere Einschränkungen bei den Öffnungszeiten in Gastronomie und Restaurants angekündigt, ohne konkret zu werden.

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  • WAS SIND DIE STRAFEN? 

    Wer etwa im Supermarkt keine Maske trägt, muss ein Bußgeld von 50 Euro zahlen. Im öffentlichen Nahverkehr sind weiterhin 150 Euro fällig - ohne zusätzliche Aufforderung. Im Restaurant kostet es Gäste 250 Euro, wenn sie einen falschen Namen angeben. Wirte müssen die Angaben auf Plausibilität überprüfen, werden aber nicht bestraft.

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Mehr als 50 Neuinfektionen

Derweil galten Stand Montag 142 Münsteraner als mit dem Coronavirus infiziert. 54 Neuinfektionen seit Samstag standen 16 Genesungen gegenüber. Der erhebliche Anstieg sei überwiegend im familiären und privaten Umfeld zu verorten, schreibt die Stadt dazu. Hauptsächlich seien die Jahrgänge der 80er und 90er betroffen, aber auch einige ältere Jahrgänge. Ein konzentriertes Ausbruchsgeschehen verzeichnet die Verwaltung nicht. Die Infektionen seien über das Stadtgebiet verteilt.

"Freizeitpark"-Start blieb unauffällig

Das Eröffnungswochenende im "Freizeitpark" verlief unauffällig; das mit der Stadt Münster abgestimmte Hygiene- und Sicherheitskonzept auf dem Schlossplatz wird von allen Beteiligten – also Schaustellbetrieben und rund 10.000 Gästen – sehr gut umgesetzt. Derweil wurde am Wochenende ein Prostitutionsbetrieb in Münsters Süden aufgrund erheblicher Mängel mit sofortiger Wirkung geschlossen.

Die wichtigsten Infos zum Coronavirus

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  • Immer mehr neue Fälle und Nachrichten rund um das neue Coronavirus Sars-CoV-2 - auch in Deutschland. Doch woran erkenne ich eine Infektion? Und was mache ich dann?

    (Zuletzt aktualisiert am 14. August 2020)

    Foto: dpa (Symbolbild)
  • Woran erkenne ich eine Infektion?

    Die Symptome der von dem Virus verursachten Erkrankung Covid-19 (für Corona virus disease 2019) sind eher unspezifisch. Zu den am häufigsten genannten Symptomen zählen laut Robert-Koch-Institut (RKI) Husten, Fieber, Schnupfen, sowie Geruchs- und Geschmacksverlust. Auch über Atemnot, Halskratzen, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Schüttelfrost wurde berichtet. Einige Betroffene leiden zudem an Übelkeit und Durchfall. Damit ist es für Laien unmöglich, die Krankheit von der regulären Grippe oder einem grippalen Infekt zu unterscheiden, erklärt Oliver Witzke, Direktor der Klinik für Infektiologie der Universitätsmedizin Essen. Bei einem schwereren Verlauf sind Atemprobleme oder eine Lungenentzündung möglich.

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  • Wie gefährlich ist Covid-19?

    Die Krankheitsverläufe variieren laut Robert-Koch-Institut stark, von symptomlosen Verläufen bis hin zu schweren Pneumonien mit Lungenversagen und Tod. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO verläuft die Krankheit gerade bei Kindern und jungen Erwachsenen mild. Insgesamt erkrankt nach WHO-Angaben etwa jeder fünfte Infizierte so schwer, dass er im Krankhaus behandelt werden müsse.

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  • Wie wird das Virus übertragen?

    Das neue Coronavirus ist von Mensch zu Mensch übertragbar. Der Hauptübertragungsweg ist die Tröpfcheninfektion, also ein Einatmen von Erregern, die ein Erkrankter zum Beispiel beim Husten verteilt. Dies kann direkt von Mensch-zu-Mensch über die Schleimhäute geschehen oder auch indirekt über Hände, die dann mit Mund- oder Nasenschleimhaut sowie die Augenbindehaut in Kontakt gebracht werden.

    Doch auch, wenn nicht gehustet oder geniest wird, kann sich das Virus ausbreiten - über unsichtbare Schwebeteilchen in der Luft. Die sogenannten Aerosole sind winzige, in der Luft schwebende Partikel, die entstehen, wenn Tröpfchen fein vernebelt werden, zum Beispiel beim Sprechen und Singen.

    Es wurden auch Fälle bekannt, in denen sich Personen bei Betroffenen angesteckt haben, die nur leichte oder unspezifische Krankheitszeichen gezeigt hatten. Die Viren wurden auch in Stuhlproben einiger Betroffener gefunden.

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  • Wie lange dauert die Inkubationszeit?

    Die Inkubationszeit, also die Zeit von der Ansteckung mit den Viren bis zum Ausbruch der Krankheit, kann nach Einschätzung des Robert-Koch-Instituts bis zu 14 Tage betragen. Im Durchschnitt beträgt sie der WHO zufolge 5 bis 6 Tage (Spannweite 1 bis 14 Tage).

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  • Was tun, wenn man Kontakt zu einer infizierten Person hatte?

    Personen, die einen persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das SARS-CoV-2-Virus im Labor nachgewiesen wurde, sollten sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen an ihr zuständiges  Gesundheitsamt  wenden.

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  • Wenn Sie Symptome feststellen... 

    Zuständig sind die Hausärzte oder der ärztliche Bereitschaftsdienst (Rufnummer 116 117). Betroffene sollten vor dem Gang zur Haus- oder Kinderarztpraxis unbedingt dort anrufen. Am Telefon wird das weitere Vorgehen und tatsächliche Risiko beraten. In Notfällen, etwa bei Atemnot, sollen sich die Betroffenen an den Notruf 112 oder eine Rettungsstelle wenden.

    Wer einen begründeten Verdacht hat, mit Sars-CoV-2 infiziert zu sein, sollte Kontakte meiden und zu Hause bleiben - wie auch bei der Grippe.

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  • Welche Vorsichtsmaßnahmen sollte man ergreifen?

    Wichtig außerdem, und zwar für alle: Gute Handhygiene, also regelmäßiges Waschen mit Seife. Zudem sollten die Hände vom eigenen Gesicht ferngehalten und aufs Händeschütteln verzichtet werden. Wichtig auch: Richtiges Husten und Niesen - in ein Einmaltaschentuch oder die Armbeuge also. Geschlossene Räume sollte man regelmäßig lüften.

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  • Was bringen Masken?

    Das Tragen einer sogenannten Alltagsmaske trägt dazu bei, andere Personen vor feinen Tröpfchen und Partikeln die man zum Beispiel beim Sprechen, Husten oder Niesen ausstößt, zu schützen. Für diesen Fremdschutz durch eine Mund-Nasen-Bedeckung gibt es inzwischen erste wissenschaftliche Hinweise , aufgrund derer die WHO ihre Empfehlung zum Tragen von Masken geändert hat. Der Eigenschutz durch die Maske ist bisher wissenschaftlich nicht belegt.

    Das Robert Koch-Institut empfiehlt das generelle Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung im öffentlichen Raum, wenn ein Abstand von mindestens 1,5 Metern nicht immer eingehalten werden kann. Diese Empfehlung beruht auf Untersuchungen, die belegen, dass ein gewisser Anteil von Übertragungen von SARS-CoV-2 unbemerkt erfolgt. Denn schon vor dem Auftreten der ersten Krankheitszeichen können Infizierte ansteckend sein.

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  • Noch Fragen?

    Das Robert-Koch-Institut hat eine Liste mit Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Coronavirus zusammengestellt.

    Weitere Informationen gibt es hier:

    Hotline der Stadt Münster : 0251/4921077 (Mo-Do 8-18, Fr 8-13.30)

    Bürgertelefon des NRW-Gesundheitsministeriums 0211/91191001 (Mo-Fr 8-18 Uhr) | Ansprechpartner am Bürgertelefon beantworten allgemeine Fragen zum Corona-Virus und zur Vorbeugung.

    Unabhängige Patientenberatung Deutschland: 0800/0117722 | Die Unabhängige Patientenberatung Deutschland mit Sitz in Berlin ist eine gemeinnützige GmbH. Im gesetzlichen Auftrag informiert und berät sie Ratsuchende in gesundheitlichen und gesundheitsrechtlichen Fragen, damit diese sich im Gesundheitswesen besser zurechtfinden, informierte eigene Entscheidungen treffen und ihre Rechte wahrnehmen können.

    Foto: dpa
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