Öffentliches Bücherregal am Rosenplatz
Ein Paradies für Bücherwürmer

Münster -

Die Frankfurter Buchmesse findet dieses Jahr nur digital statt. Bücherwürmer in Münster kommen dank des öffentlichen Bücherregals am Rosenplatz aber auch in Corona-Zeiten - und dazu ganz analog - auf ihre Kosten. Täglich werden neue Werke nachgelegt, viele Besucher sind hier Dauergäste.

Donnerstag, 15.10.2020, 18:00 Uhr
Ein Paradies für Bücherwürmer: das öffentliche Bücherregal am Rosenplatz.
Ein Paradies für Bücherwürmer: das öffentliche Bücherregal am Rosenplatz. Foto: kal

„Sag mir, was du liest, und ich sag dir, wer du bist.“ Wenn diese Weisheit stimmt, dann ist das öffentlichen Bücherregal am Rosenplatz der beste Ort, um in Erfahrung zu bringen, wer so im Kuhviertel lebt . Ein Stapel Reclam-Hefte mit Texten von Platon und Seneca: Stammen wohl von Studenten. John Irving ? Gehörte einem Literaturliebhaber. Duden? Kann jeder hingestellt haben. Und dann sind da auch noch einige Ministranten-Jahrbücher und ein paar Konsalik-Bände.

Für jeden Geschmack etwas, mit leichtem Hang zum Anspruchsvollen. Entsprechend groß ist der Andrang an dem Regal, an dem sich jede(r) bedienen kann.

Kontakte zu anderen Bücherliebhabern knüpfen

Katharina Plato kommt jeden Tag hierhin, „manchmal sogar zwei Mal täglich“. Sie grüßt nach links und nach rechts, „man kennt sich“, sagt sie. Aber das sei ja auch Sinn des Regals. Nicht einfach nur Bücher, die die Vorbesitzer nicht mehr brauchen, mitzunehmen, sondern Kontakte zu Gleichgesinnten zu knüpfen. „Mit einer Frau kam ich vor einiger Zeit ins Gespräch, jetzt gehen wir jede Woche spazieren“, sagt Katharina Plato.

Wer so oft zum öffentlichen Bücherregal kommt, der bekommt auch viel mit. „Morgens, vor 9 Uhr, fährt hier ein Jurist vorbei und sortiert die Bücher wieder“, erzählt sie. Und nachmittags sorge die Inhaberin des Geschäfts „Belle Epoque“ für Ordnung im Regal. Stellt die Bücher in eine Reihe, sortiert sie thematisch.

Ich finde jeden Tag ein neues Buch im Regal.

Katharina Plato

Alle zwei Jahre muss das Dach erneuert werden, gerade erst erstrahlt es wieder in neuem Glanz. „Ganz viele haben dafür Geld gespendet“, berichtet die begeisterte Leserin.

Zwei Stunden pro Tag, so schätzt Katharina Plato, widmet sie einem Buch. Aktuell stehen Sachbücher bei ihr hoch im Kurs. „Ich finde jeden Tag ein neues Buch im Regal“, erzählt sie. Schafft sie so viele Bücher überhaupt? „Ich habe auch schon mal ein Buch ungelesen wieder zurückgestellt“, gesteht sie. Und verschwindet wieder in Richtung Regal, um einen Blick auf die sich täglich erneuernden Titel zu werfen.

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