Zehn Jahre „Fruchtalarm“
Ein Kinderkrebsprojekt feiert Geburtstag

Münster/Bielefeld -

Krebs fesselt an sich quicklebendige Kinder ans Bett und an Maschinen. Der Krankenhaus-Aufenthalt ist eine triste Angelegenheit, und die Chemotherapie beeinträchtigt den Geschmackssinn. Hier kommt das Projekt „Fruchtalarm“ ins Spiel. Seit zehn Jahren sorgt es in Kinderkrebsstationen für eine bunte und köstliche Abwechslung bei den jungen Patienten. Seit 2012 auch am Uniklinikum Münster.

Freitag, 16.10.2020, 10:00 Uhr aktualisiert: 16.10.2020, 16:40 Uhr
Statt leidiger Pflicht spannende Abwechslung: Beim „Fruchtalarm“ können krebskranke Kinder selbst Cocktails kreieren – was die nötige Flüssigkeitsaufnahme erleichtert.
Statt leidiger Pflicht spannende Abwechslung: Beim „Fruchtalarm“ können krebskranke Kinder selbst Cocktails kreieren – was die nötige Flüssigkeitsaufnahme erleichtert. Foto: Fruchtalarm GmbH

Seit nunmehr zehn Jahren rollt jede Woche das Projekt „Fruchtalarm“ mit einer mobilen Kindercocktailbar über die Flure der Kinderklinik in Bielefeld-Bethel und mixt gemeinsam mit den kleinen Patienten bunte sowie geschmacksintensive Fruchtcocktails. Was ganz klein begann, hat sich nach eigenen Angaben deutschlandweit zum größten klinikübergreifenden und rein aus Spenden finanzierten Projekt entwickelt. Mittlerweile ist es auf insgesamt 31 Kinderkrebsstationen von Sylt bis Freiburg – und auch am Uniklinikum Münster – ein wöchentliches Highlight.

Beim „Fruchtalarm“ werden aus verschiedenen Säften, Sirupsorten und Eiswürfeln bunte und geschmacksintensive Fruchtcocktails kreiert. Die leckeren Drinks mixen die jungen Patienten direkt am Krankenbett nach den eigenen Wünschen gemeinsam mit den ehrenamtlichen „Fruchties“.

Therapeutischer Hintergrund

Es geht primär um den Spaß an der Sache, jedoch mit einem sehr wertvollen und therapeutischen Hintergrund, wie es in einer Pressemitteilung heißt: „Fruchtalarm“ fördert die Aktivität, Selbstbestimmung und Lebensfreude und bietet in einem fremdbestimmten Klinikalltag eine bunte und fröhliche Abwechslung für die schwer erkrankten Kinder und Jugendlichen.

„Durch die Chemotherapie, die die Kinder über sich ergehen lassen müssen, ist die so wichtige Flüssigkeitsaufnahme oft erschwert, zudem verändert sich durch die Behandlung auch der Geschmacks- und Geruchssinn erheblich. Häufig lehnen die Kinder diese sogar ganz ab: Essen und Trinken ist für sie eine leidige Pflicht und oft sogar eine Last“, erklärt Dr. Norbert Jorch, leitender Oberarzt der Kinderonkologie in Bielefeld Bethel. In Münster ging der erste „Fruchtalarm“ 2012 an den Start und ist seitdem nicht mehr wegzudenken. „Für die Kinder ist Fruchtalarm das Highlight der Woche, und wir werden jeden Donnerstag schon freudig erwartet. Wir erleben viele schöne und glückliche Momente mit den Kindern, besonders dann, wenn wir ein schüchternes oder schwaches Kind zum Mixen und Trinken animieren können. Oft wird für Mama und Papa dann gleich mitgemixt“, berichtet Natalia, „Fruchtie“ aus dem Team Münster.

Oft wird für Mama und Papa dann gleich mitgemixt.

Natalia, „Fruchtie“ aus dem Team Münster

Der ganze Monat Oktober steht bei „Fruchtalarm“ übrigens noch im Zeichen des Jubiläums, und im Rahmen dessen wird es neben zahlreichen Informationen Rückblicke aus den vergangenen Jahren und auch kleinere Events und Aktionen geben, die alle digital über die Social-Media-Kanäle verfolgt werden können.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7633860?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F
Nachrichten-Ticker