Münsteraner ist Präsident der Bundesingenieurkammer
Umweltschutz beim Bauen stärken

Münster -

Der münsterische Bauingenieur Dr. Heinrich Bökamp wurde in Mainz zum Präsidenten der Bundesingenieurkammer gewählt. Im Gespräch mit unserer Zeitung spricht er über die größten Herausforderungen.

Donnerstag, 15.10.2020, 21:00 Uhr
Dr. Heinrich Bökamp wurde in Mainz zum Präsidenten der Bundesingenieurkammer gewählt, Sprachrohr und Interessenvertretung für rund 45 000 Ingenieure in Deutschland.
Dr. Heinrich Bökamp wurde in Mainz zum Präsidenten der Bundesingenieurkammer gewählt, Sprachrohr und Interessenvertretung für rund 45 000 Ingenieure in Deutschland. Foto: hö

Die Wahl zum Präsidenten der Bundesingenieurkammer bedeutet Ehre und große Verantwortung zugleich. Der münsterische Bauingenieur Dr. Heinrich Bökamp wurde jetzt mit überwältigender Mehrheit in Mainz von der Delegiertenversammlung mit Vertretern der einzelnen Bundesländer für vier Jahre in dieses Amt gewählt.

In einer Zeit, in der „mehrere drängende Probleme für den Berufsstand der Ingenieure gelöst werden müssen“, so Bökamp. Dabei denkt er nicht nur an die von der EU monierte Honorarordnung für Ingenieure und Architekten und an bessere länderübergreifende Regelungen im Baurecht. Er sorgt sich zudem um ein Auftragsloch, wenn zum 1. Januar nächsten Jahres die neue Autobahngesellschaft an den Start geht.

Interessenvertreter von 45.000 Ingenieuren

Zu seinen Aufgaben als Interessenvertreter der rund 45 000 Ingenieure in Deutschland kann er Einfluss auf die Gesetzgebung des Bundes nehmen und Stellungnahmen zu Gesetzesentwürfen abgeben. Als Präsident der Ingenieurkammer NRW hat er in den vergangenen zehn Jahren Lobbyarbeit in Düsseldorf betrieben. Künftig, so Bökamp „werde ich wohl häufig nach Berlin fahren“.

Ein wichtiges Anliegen ist dem Diplom-Ingenieur, der in Roxel die „Ingenieurgesellschaft Thomas & Bökamp“ mitführt, auch das Thema Umweltschutz. Stichwort: ressourcenschonendes Bauen. „Es geht um Energieeinsparung beim gesamten Bauprozess“, betont Bökamp. So müsse die Wiederverwendung recycelter Baustoffe einen viel größeren Stellenwert bekommen.

Auch die bauliche Gestaltung der Wasserver- und entsorgung sei ein wichtiges Arbeitsgebiet von Ingenieuren. Diese werden nämlich nicht nur für Planungen und Berechnung von Gebäuden, Brücken und Straßen gebraucht, sondern auch für die Konzeption von leistungsstarken Kanalisations- und Wasseraufbereitungsanlagen.

„Riesiges Nachwuchsproblem“

Das facettenreiche Berufsbild des Ingenieurs ist dem münsterischen Prüfingenieur für Baustatik im Massiv- und Metallbau in der Öffentlichkeit nicht bekannt genug. Dies zu ändern, betrachtet Bökamp ebenfalls als wichtige Aufgabe als höchster Vertreter der Bundesingenieurkammer. „Denn wir haben ein riesiges Nachwuchsproblem“, beklagt der 63-Jährige. Trotz der lobenswerten MINT-Initiative, die die naturwissenschaftlichen Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik stärken soll.

Nur wenn schon im Kindesalter die Neugierde für naturwissenschaftlich-technische Fragestellungen geweckt wird, gehen junge Leute später beruflich in diesen Bereich.

Dr. Heinrich Bökamp

In den Schulen müsse dieser Bereich noch stärker gefördert werden, fordert Bökamp: „Nur wenn schon im Kindesalter die Neugierde für naturwissenschaftlich-technische Fragestellungen geweckt wird, gehen junge Leute später beruflich in diesen Bereich.“ Heute gebe es leider in allen Ingenieurdisziplinen einen Fachkräftemangel. Und viele Ingenieurbüros haben Probleme, sie an Nachfolger zu übergeben. Deshalb gebe es in der Geschäftsstelle der Ingenieurkammer NRW in Düsseldorf ein Beratungsangebot für junge Ingenieure, die den Schritt in die Selbstständigkeit wagen.

Deutlich mehr Gerichtsstreitigkeiten

Einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung erwartet Bökamp durch die Novellierung der Landesbauordnung NRW zum Ende dieses Jahres. Danach seien künftig höher qualifizierte Tragwerksplaner beziehungsweise Statiker bei Bauprojekten vorgeschrieben, „damit Bauherren kein Schaden entsteht“. Aus seiner Gutachtertätigkeit als Sachverständiger für Statik und Standsicherheit weiß er: „Die Gerichtsstreitigkeiten haben extrem zugenommen.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7633868?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F
Nachrichten-Ticker