Interview mit Thundermother
Donnerwetter!

Münster -

Das schwedische Rock-Quartett Thundermother hat es mit dem neuen Album „Heat Wave“ auf Platz sechs der Deutschen Charts geschafft. Jetzt spielen sie im Jovel. Wir haben mit Sängerin Guernica Mancini über Corona, Zeitreisen und AC/DC gesprochen.

Mittwoch, 21.10.2020, 10:00 Uhr aktualisiert: 21.10.2020, 14:10 Uhr
Filippa Nässil,
Filippa Nässil, Foto: Guido Karp

Klassische Hardrockmusik à la AC/DC oder Motörhead wird gerne als reine Männermusik missverstanden: breitbeinig, barsch und bollernd. Der Metalgruß als Zeichen von Maskulinität. Zum Glück aber gibt es Frauen, die dem entgegentreten. Thundermother ist ein schwedisches Rock-Quartett, das es mit dem neuen Album „Heat Wave“ auf Platz sechs der Deutschen Album Charts geschafft hat. Und nachdem Corona ihre Release-Tour jäh unterbrochen hatte, setzen sie dieselbe jetzt mit einem Konzert im Jovel fort. Wir haben mit Sängerin Guernica Mancini telefoniert, die gerade im Auto in Stockholm unterwegs war (aber nicht selbst am Steuer saß).

Gibt es zu wenige weibliche Rockbands?

Guernica Mancini: Absolut.

Glaubst du, ihr könnt andere aufrütteln, sodass es in der Zukunft mehreren Frauenrockbands gibt?

Mancini: Ohne übermütig zu klingen, aber ich hoffe, dass wir viele Mädchen inspirieren können, eigene Bands zu gründen. Es müssen aber keine reinen Mädchenbands sein: Ich würde trotzdem gerne mehr Musikerinnen sehen.

Aber eure Musik ist eher auf eine männliche Zielgruppe ausgelegt.

Mancini: Es ist initial ein zufällig von Männern dominiertes Genre, aber das heißt nicht, dass Frauen die Musik nicht auch mögen. Und wir haben jetzt damit angefangen, diese Domäne aufzubrechen.

Ihr habt bereits in Wacken gespielt. Wie war das?

Mancini: Überwältigend. Wir lieben Wacken. 2017 haben wir noch auf der „Biergarten-Stage“ gespielt. 2018 aber hat eine andere Band kurzfristig abgesagt und wir sind in deren Slot auf der „Faster-Stage“ gerutscht und haben vor 10.000 Leuten gespielt. Das war eine der besten Erfahrungen überhaupt. Wir haben viel gelernt und sind sicher in Zukunft auch besser darauf vorbereitet, vor so vielen Menschen zu spielen.

Was bedeutet der Name „Thundermother“? Ist das eine Anspielung an Thor und an die nordische Mythologie?

Mancini: Filippa (Nässil, Gründungsmitglied der Band) hat sich den Bandnamen damals mit einer Bandkollegin ausgedacht, weil der Name sofort verdeutlichen sollte, um welche Art von Musik es geht. Eine Art „Thunderstruck“ unter den Informationen (lacht).

Wenn ihr jetzt auf Tour geht, ist es coronabedingt vermutlich wie zu Gründungszeiten: Ihr spielt eher vor Hunderten als vor Tausenden. Seht ihr das mit gemischten Gefühlen? Einerseits fehlt die Stimmung andererseits könnt ihr wenigstens spielen?

Mancini: Wir sind super glücklich, dass wir wieder unterwegs sind. Für mich persönlich spielt es keine Rolle, ob zehn Leute da sind oder Tausende. Wir geben auf der Bühne immer unser Bestes, weil wir eine tolle Zeit haben wollen.

Kick-off eurer Tour ist Münster. Ihr ward schon mal hier, oder?

Mancini: Wir haben schon mehrmals in Münster gespielt. Vergangenes Jahr eine ausverkaufte Show in einem kleinen Laden namens „Rare Guitar“ und dann bereits dieses Jahr irgendwo draußen – mir fällt der Name der Location nicht ein – in einem eher industriellen Gebiet. Und neben dem November haben wir bereits einen weiteren Gig im kommenden Jahr in Münster.

Wie hat es euch gefallen und was erwartet ihr für die kommenden Auftritte?

Mancini: Ich hoffe, dass die Leute uns – trotz Corona – ähnlich begeistert empfangen, wie das bisher der Fall gewesen ist. Das waren sehr coole Abende.

In Bezug auf Corona wird immer der „schwedische Weg“ hervorgehoben. Ist das der richtige? Gibt es überhaupt einen richtigen?

Mancini: Das kann ich gar nicht beantworten. In Schweden ist es entspannter, aber ich denke, dass man erst in der Zukunft sehen wird, wer Recht hatte und wer nicht.

Was glaubst du, wie wird sich Corona auf die Musikwelt und auf künftige Konzerte auswirken?

Mancini: Wir wollen unseren Fans nahe sein und wir wollen, dass sie Spaß haben. Den haben sie zwar auch jetzt, wenn sie an Tischen stehen oder sitzen, aber ich hoffe doch, dass es irgendwann mehr oder weniger wieder normal sein wird.

Einer eurer neuen Songs lautet „Back in ‘76“. Wenn du eine Zeitmaschine hättest, in welches Jahr würdest du am liebsten zurückfahren?

Mancini: Ich würde wahrscheinlich 1969 wählen, weil ich gerne Woodstock miterleben würde. Diese ganze erstaunliche Hippie-Erfahrung. All-in (lacht).

Und Jimi Hendrix zu erleben. . .

Mancini: Oh, mein Gott, das wäre so episch.

Stell dir vor, AC/DC würden wieder auf Tour gehen, Axl Rose hätte gerade mit Gun ‘n Roses zu tun und Angus Young würde dich bitten, Sänger Brian Johnson zu ersetzen. Es gäbe aber einen Haken: Du müsstest Thundermother verlassen.

Mancini: Das ist schwer (lacht). Meine Bandkollegen würden vermutlich sagen: „Verlass‘ die Band! Geh!“ (lacht) – Ich mag AC/DC, aber ich würde es lieber erleben, dass Thundermother eines Tages so groß wie AC/DC werden. Ich bin eine Träumerin (lacht). Aus der Perspektive einer Businessfrau müsste ich sagen, ach zur Hölle, geh mit ihnen eine Weile auf Tour, sie sind ja auch schon wirklich sehr alt (lacht).

Was kommt als Nächstes?

Mancini: Wir spielen jetzt die Tour, dann gehen wir im Dezember ins Studio und nehmen weitere Songs auf, die dann kommendes Jahr in einer Special-Edition von „Heat Wave“ veröffentlicht werden sollen. Abgesehen davon, streben wir die Weltherrschaft an (lacht).

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