Kreativer Überlebenskampf in Corona-Krise
#kulturgesichter0251: neue Initiative der Kultur- und Eventbranche entstanden

Münster -

Mit einer neuen Initiative will die münsterische Kultur- und Eventbranche auf ihre Sorgen und Nöte in Zeiten von Corona aufmerksam machen. Denn seit März steht der Betrieb mehr oder weniger still.

Mittwoch, 21.10.2020, 20:00 Uhr aktualisiert: 21.10.2020, 20:23 Uhr
Kristof Beliczey
Kristof Beliczey Foto: 2. Heimat Tourservice

Seit Corona steckt die Kultur- und Eventbranche bundesweit in einer tiefen Krise – so auch in Münster. In der Hoffnung auf eine baldige Rückkehr zum Normalbetrieb haben sich viele Unternehmen noch in den Herbst gerettet, doch die finanziellen Rücklagen gehen langsam zur Neige. Mit der Initiative #kulturgesichter0251 wollen sie nun auf sich aufmerksam machen.

„Zur Zeit sind keine aktuellen Meldungen vorhanden“, steht auf der Website des Veranstaltungsplaners 2. Heimat Tourservice, der sonst Künstler wie Bosse, Tim Bendzko und Lena auf die Bühne bringen. Seit Ende März steht der Betrieb mehr oder weniger still.

Drohende Insolvenzwelle

Der Geschäftsführer Kristof Beliczey blickt auf über 20 Jahre Berufserfahrung zurück. Ein voller Terminkalender gehörte für ihn bisher zum Tagesgeschäft. „Jetzt arbeiten wir an Konzepten und legen sie in die Schublade“, klagt er. Die Planung unterliegt dabei einer allgegenwärtigen Unsicherheit, die sich auch bei den Kunden bemerkbar macht. „Keiner würde heute Tickets für 2021 kaufen“, ist sich Beliczey sicher.

Beliczey rechnet fest mit einer drohenden Insolvenzwelle. Die Flinte ins Korn werfen will er aber nicht. Mit der Initiative Kulturgesichter, die es bereits in vielen deutschen Städten gibt, möchte er auf die prekäre Lage der Branche in Münster aufmerksam machen. Frei nach dem Motto „Ohne uns ist‘s still.“

Dabei gehe es nicht darum, „paroleschreiend durch die Straßen zu laufen und mehr Geld zu fordern.“ Belicey will die Aufmerksamkeit darauf lenken, wie viele Arbeitsplätze an dieser heterogenen Branche hängen.

Große Umsatzeinbußen

Um einen möglichst repräsentativen Querschnitt aus der münsterischen Kultur- und Veranstaltungsszene porträtieren zu können, hat die Initiative ein Fotoshooting in der Sputnikhalle am Hawerkamp organisiert. So sollen möglichst viele Gesichter der hiesigen Veranstaltungsbranche auf das Dilemma aufmerksam machen.

Initiator Beliczey selbst hatte, nach eigenen Aussagen, noch Glück im Unglück. Einige Künstler, die sein Team betreut, haben sich dazu entschieden, an Corona-konformen Autokino- und Picknickkonzerten teilzunehmen. „Von dem wenigen, was stattgefunden hat, haben wir viel mitnehmen können“, sagt Beliczey. Dennoch sei der Umsatz seines Unternehmens im Vergleich zum Vorjahr um 85 bis 90 Prozent geschrumpft. Bis spätestens Anfang des Jahres könne er sich so noch halten. „Dann müssen wir eine Entscheidung treffen“, erklärt der 50-Jährige.

Von der Politik wünscht er sich, dass Rahmenbedingungen geschaffen werden, „die es uns ermöglichen, unsere Arbeit zu machen.“ Beispielsweise könnten alternative Veranstaltungskonzepte und damit einhergehend technische Anpassungen der jeweiligen Veranstaltungsstätten dabei helfen, die Besucherzahlen zu erhöhen. Eine Forderung nach Lockerungen der Coronaregeln weist er entschieden von sich: „Da distanziert sich unsere Branche komplett von: Wir haben keinen Platz für Aluhutträger.“

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