Zwei Jahre auf Bewährung
Drogen und Waffen unterm Bett gelagert

Münster -

Ein 31-Jähriger musste sich vor dem Landgericht für den Besitz von 420 Gramm Cannabis und mehreren Waffen verantworten. Das Urteil fiel überraschend milde aus – fand sogar der Verteidiger des Angeklagten.

Dienstag, 27.10.2020, 17:30 Uhr
Landgericht Münster
Landgericht Münster Foto: Friso Gentsch/dpa

Fast ein halbes Kilo Cannabis, daneben mehrere scharfe Gewehre und Pistolen: Was Zollbeamte im vergangenen Dezember unter dem Bett eines 31-Jährigen Münsteraners fanden, ließ auf den ersten Blick auf enge Verwicklungen ins Drogenmilieu schließen. Die Bewährungsstrafe von zwei Jahren überraschte am Ende des Prozesses sogar die Verteidigung.

Angeklagt war der 31-Jährige, weil Zollbeamte bei einer Hausdurchsuchung im vergangenen Dezember etwa 420 Gramm Cannabis und mehrere Waffen bei ihm sichergestellt hatten. Laut Schilderung des Angeklagten waren die Drogen für einen Freund bestimmt und nur unter seinem Bett zwischengelagert; die Waffen seien eben sein „Hobby“, eine Sammelleidenschaft. Aufgefallen war der Angeklagte den Ermittlern durch eine Telefonüberwachung, bei denen Gespräche zwischen dem 31-Jährigen und seinem Freund, für den das Cannabis bestimmt gewesen sei, abgehört wurden.

Die Schilderung des Angeklagten, wie er an die Drogen gekommen ist, stießen beim Vorsitzenden Richter und Oberstaatsanwalt Stefan Lechtape auf Skepsis.

Dass neben den Zweifeln an den Äußerungen des Angeklagten nicht noch der Waffenfund – darunter zwei schussbereit modifizierte Gewehre, mehrere ebenfalls modifizierte Schreckschusspistolen und etwa 700 Schuss Munition – eine größere Rolle spielte, kam dem 31-Jährigen letztlich zugute. Der Verstoß gegen des Waffengesetzes sei nicht Gegenstand der Anklage gewesen und bereits vorher von der Staatsanwaltschaft eingestellt worden, erklärte der vorsitzende Richter.

Die von der Staatsanwaltschaft vorgeschlagene Bewährungsstrafe über zwei Jahre überraschte dann sogar Verteidiger Dr. Cornelius Birr: „So einen Antrag mit Augenmaß hört man von der Staatsanwaltschaft selten.“ Für seinen Mandanten habe besonders sein umfangreiches Geständnis, bei dem er auch die Namen der Beteiligten nannte, gesprochen. Dies schlug sich auch im Urteil nieder: Zwei Jahre Freiheitsstrafe zur Bewährung, dazu eine Zahlung von 1500 Euro an eine wohltätige Einrichtung und 100 Sozialstunden.

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