Interview mit Schlagzeuger Wolfgang Haffner
Phil Collins als größter Einfluss

Münster -

Wolfgang Haffner ist einer der bekanntesten Jazz-Schlagzeuger – nicht nur in Deutschland. Er hat mit internationalen Musikgrößen wie Gregory Porter, Al Jarreau und Chaka Khan und auch mit Hildegard Knef, den Fantastischen Vier und Konstantin Wecker gespielt. Wir haben mit ihm gesprochen.

Mittwoch, 28.10.2020, 20:00 Uhr
Wolfgang Haffner ist auf über 400 Alben zu hören. Der bekannte Schlagzeuger spielt Anfang November mit Band im Jovel.
Wolfgang Haffner ist auf über 400 Alben zu hören. Der bekannte Schlagzeuger spielt Anfang November mit Band im Jovel. Foto: Antje Wiech

Vor zwei Jahren hat er den renommierten Musikpreis Echo in der Kategorie „Instrumentalist des Jahres national“ gewonnen. Sein letztjähriges Album war die bestverkaufte Jazzplatte des Jahres. Wolfgang Haffner ist nicht nur ein bekannter Schlagzeuger und Komponist, er hat auch bereits mit Künstlern wie Al Jarreau, Chaka Khan oder den Fantastischen Vier aufgenommen. Am 7. November hätte Haffner mit seiner Band im Jovel gespielt, aufgrund der aktuellen Beschlusslage wird dieses Konzert wohl nun ausfallen müssen. Unser Redakteur Carsten Vogel hat trotzdem mit Haffner, der im Dezember seinen 55. Geburtstag feiert, über die Zeit in der Musikbranche gesprochen.

Herr Haffner, Bruce Springsteen hat just ein neues Album veröffentlicht und es seiner ersten Band „The Castiles“ gewidmet. Erinnern Sie sich noch an Ihre erste Band?

Wolfgang Haffner: Ich habe mit zwölf Jahren in einer Schulband gespielt, in der wir Wolfgang Ambros, Watzmann und Deep Purple coverten. In meiner ersten Jazzband habe ich dann mit 14 Jahren gespielt.

Als Sänger oder Gitarrist steht man im Mittelpunkt. Ist es nicht schade, als Schlagzeuger eher im Hintergrund zu wirken?

Haffner: Das ist herrlich (lacht), ich liebe diesen Platz, von dem aus ich Strippen ziehen kann. Eine Band, die gut klingt, hat immer einen guten Schlagzeuger.

Sie waren Mitte 20, als Sie mit Klaus Doldinger zusammengespielt haben. War das eine Ehre, in so jungen Jahren mit so einer Musikgröße zu spielen?

Haffner: Das war ein Ritterschlag. Ich habe privat auch seine Musik gehört. Völlig begeistert war ich von „Cross-Collateral“, vor allem von Curt Cress am Schlagzeug. Bei Doldingers Passport war ich dann selbst von 1989 bis 2000. Eingestiegen bin ich da tatsächlich als 24-Jähriger. Danach war ich 15 Jahre lang in einer Band namens „Old Friends“ zusammen mit den ganzen alten Recken: Klaus Doldinger, Albert Mangelsdorff, Manfred Schoof, Wolfgang Dauner und Eberhard Weber. Wir sind durch Nord- und Südamerika getourt, durch Afrika, Europa rauf und runter: Das war eine sehr lehrreiche Zeit.

Und Sie haben mit Chaka Khan aufgenommen . . .

Haffner: Zwei Jahre lang. Dazu fällt mir eine schöne Geschichte ein. Wir haben zusammen in den 90ern beim Jazzfestival in Montreux gespielt. Und Backstage habe ich Phil Collins getroffen – als Schlagzeuger mein größter Einfluss übrigens –, der mich fragte, ob ich außer bei Chaka Khan noch woanders mitspielen würde. Als ich dann Passport erwähnte, war er total aus dem Häuschen und meinte, dass er mit seinen Kumpels früher immer Curt Cress auf dem Passport-Album „Cross-Collateral“ bewundert hätte (lacht).

Gibt es jemanden, mit dem Sie unbedingt mal zusammenspielen möchten?

Haffner: Nein. Ich werde oft gefragt, dass ich doch beispielsweise noch nie mit Herbie Hancock oder Chick Corea gespielt hätte. Na, und? Ich habe in 40 Jahren mehr erlebt, als andere in drei Leben (lacht). Jetzt bin ich 54 Jahre alt und habe letztens erst versucht, meine Diskographie auf den neuesten Stand zu bringen. Das mache ich ab und an für mich, nicht für die Öffentlichkeit. Und wenn man dann feststellt, dass man auf über 400 Alben gespielt hat, durch 100 Länder getourt ist, dann kann der eine oder andere vielleicht nachvollziehen, dass es auch mal Phasen gab, in denen ich müde war vom Touren oder Aufnehmen im Studio war. Seit ein paar Jahren, habe ich die richtige Balance gefunden und mache das, was mir Spaß macht:Das ist meistens meine eigene Band – die hat lange genug hintenanstehen müssen.

Und mit der kommen Sie jetzt nach Münster...

Haffner: Erstmal freue ich mich tierisch auf Münster, weil ich die Stadt mag. Ich bin selbst begeisterter Radfahrer (lacht). Ich habe alle Konzerte in sehr guter Erinnerung, weil das münsterische Publikum gut zuhören, aber auch gut abgehen kann. So komisch sich das auch anhört, aber Münster fühlt sich etwas so an, wie nach Hause zu kommen.

Was erwartet uns?

Haffner: Das neue Album heißt „Kind of Tango“ und ist der Abschluss einer Trilogie nach „Kind of Cool“ und „Kind of Spain“. Geplant war damit eine große Tour in Asien, Amerika, Afrika – aber aus bekannten Gründen sind jetzt nur ein paar Deutschland-Shows geblieben. Aufgrund der Absagen hatte ich jetzt viel Zeit, das Programm zu modifizieren. Einigen Fans sind neue Alben egal, die kommen, weil sie Lust haben, meine Band und mich zu hören. Wir werden also neu bearbeitete Versionen von Stücken der vergangenen 25 Jahre spielen: von Shapes, Round Silence, Heart of the Matter. Natürlich bleiben Songs vom aktuellen Album im Programm, aber das steht ja nicht stellvertretend für mein musikalisches Leben, sondern ist nur eine Momentaufnahme. So kommen eben alle auf ihre Kosten. Das wird ein kurzweiliger Abend.

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