Prozessauftakt nach Axt-Angriff
34-jähriger Münsteranerin droht lebenslange Haft

Münster -

Auftakt zum Prozess wegen versuchten Mordes: Laut Staatsanwaltschaft soll eine 34-jährige Münsteranerin versucht haben, ihren Vorgesetzten mit einer Axt zu ermorden. Die Angeklagte schwieg zum Prozessauftakt zu den Anschuldigungen, doch ihr Vorgesetzter sagte am Mittwoch am Landgericht Münster als Zeuge aus.

Mittwoch, 28.10.2020, 17:45 Uhr aktualisiert: 29.10.2020, 19:57 Uhr
Wegen versuchten Mordes an ihrem Chef muss sich die Münsteranerin (2.v.l.) vor Gericht verantworten.
Wegen versuchten Mordes an ihrem Chef muss sich die Münsteranerin (2.v.l.) vor Gericht verantworten. Foto: Pjer Biederstädt

Als die Angeklagte den Saal A 14 des Landgerichts betritt und Angaben zu ihrer Person macht, spricht sie leise und mit sanfter Stimme. Das Erscheinungsbild der 34-Jährigen steht am Mittwochmorgen im krassen Gegensatz zu der brutalen Tat, die ihr die Staatsanwaltschaft vorwirft: Die Münsteranerin soll am 3. Mai dieses Jahres mit einer Axt versucht haben, ihren Vorgesetzten zu ermorden, um einen Diebstahl und Urkundenfälschung zu vertuschen.

Angeklagte arbeitete im Lager eines Kaufhauses 

Die Vorgeschichte beginnt mit Baby-Söckchen und Spielzeug: Die Angeklagte arbeitete seit vielen Jahren neben ihrem Studium der Sozialen Arbeit als Werksstudentin im Lager eines Kinderkaufhauses. Von dort soll sie Waren gestohlen und über ihre Schwester im Internet bei Ebay verkauft haben.

Mögliches Motiv: Geldsorgen. Nicht gezahlte Versicherungsbeiträge türmten sich zu einem Schuldenberg. Im Herbst 2019 wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Hehlerei gegen die Beschuldigte und deren Schwester eingeleitet. Sie beteuert, dass ihr direkter Vorgesetzter, der Lagerleiter, ihr die Waren überlassen habe. Beweisen soll dies eine gemeinsam verfasste Stellungnahme samt Unterschrift ihres Vorgesetzten. „Die ist gefälscht, das Schreiben kommt nicht von mir“, widersprach der zum Prozessauftakt als Zeuge Geladene. Nach dem Bruch des über Jahre gewachsenen Vertrauensverhältnisses zwischen der „zuvor sehr sehr guten Mitarbeiterin“ (Zitat des Lagerleiters) wird die 34-Jährige freigestellt.

Chef unter Vorwand in ihre Wohnung gelotst

Für die Übergabe des Firmenschlüssels soll die gebürtige Sendenerin den Lagerleiter am Tattag Anfang Mai dieses Jahres in ihre Wohnung an der Teichstraße gelotst haben. Dort habe die Angeklagte ihn gebeten, sich den defekten Abfluss ihrer Spüle anzusehen, schilderte die Staatsanwältin. Und weiter: „Als er sich hinkniete, um den Abfluss zu überprüfen, ergriff die Angeklagte eine Axt, die sie zuvor in einem Rucksack in der Küche versteckt hatte, und schlug dem Mann mit der stumpfen Seite der Axt mehrmals kraftvoll auf den Hinterkopf, um diesen zu töten.“

Nach sechs Schlägen habe sich der Mann aufrichten können, dann habe sie ihn mit einem Messer angegriffen. Als die Polizei an der Wohnung ankam, sollen die ehemaligen Arbeitskollegen noch um das Messer gekämpft haben. Eine als Zeugin geladene Polizistin sagte, man habe den Mann blutüberströmt angetroffen. Der Version der Angeklagten zufolge soll ihr Chef sie zuerst mit dem Messer bedroht haben. Die Vorsitzende Richterin ermunterte die Beschuldigte mehrfach, ihre bisherigen Angaben zu korrigieren, doch ihre Verteidigerin ließ wissen, dass sich ihre Mandantin unter Druck gesetzt fühle und sich vorerst nicht einlassen werde.

Für den Prozess sind sechs Verhandlungstage angesetzt, fortgesetzt wird er am 4. November.

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