Prozess wegen versuchten Mordes an Vorgesetzem
Eine Tat, zwei Versionen: Angeklagte sagt aus

Münster -

Zweiter Verhandlungstag: Die 34-Jährige, die wegen versuchtem Mordes an ihrem Vorgesetzten vor Gericht steht, hat sich jetzt über ihre Verteidigerin zu den Vorwürfen geäußert. Außerdem brachten Zeugen Licht ins Dunkel.

Mittwoch, 04.11.2020, 18:00 Uhr aktualisiert: 04.11.2020, 19:01 Uhr
Beim Prozessauftakt sagte die 34 Jahre alte Frau aus Münster (2.v.l.) nichts zum Tathergang. Ihr wird vorgeworfen, versucht zu haben, ihren Vorgesetzten zu ermorden. Hintergrund dazu soll sein, dass die Angeklagte aus dem Warenlager eines Münsteraner Einzelhandelsgeschäftes Waren entwendet und diese unter Beteiligung ihrer Schwester über das Internet verkauft habe.
Beim Prozessauftakt sagte die 34 Jahre alte Frau aus Münster (2.v.l.) nichts zum Tathergang. Ihr wird vorgeworfen, versucht zu haben, ihren Vorgesetzten zu ermorden. Hintergrund dazu soll sein, dass die Angeklagte aus dem Warenlager eines Münsteraner Einzelhandelsgeschäftes Waren entwendet und diese unter Beteiligung ihrer Schwester über das Internet verkauft habe. Foto: Pjer Biederstädt

Wer hat angefangen? Auf diese Frage spitzte sich der Prozess zu, in dem eine 34-jährige Münsteranerin wegen versuchten Mordes angeklagt ist. Laut Staatsanwaltschaft soll sie am 3. Mai 2020 in ihrer Wohnung versucht haben, ihren Vorgesetzten mit einem Handbeil zu ermorden .

Die Angeklagte ließ am zweiten Verhandlungstag – zum Auftakt hatte sie noch zu den Vorwürfen geschwiegen – über ihre Verteidigerin mitteilen, dass in der Tatnacht zuerst ihr Vorgesetzter zum Messer gegriffen habe. Sie habe erst danach ein Handbeil zur Hilfe genommen, um sich zu verteidigen. Der Vorgesetzte hatte hingegen geschildert, dass die Angeklagte ihm mit der stumpfen Seite des Beils auf den Hinterkopf geschlagen habe, während er sich um ihre vermeintlich defekte Spüle gekümmert habe.

Angeklagte soll Waren gestohlen haben

Die Vorgeschichte: Die Angeklagte soll Waren aus dem Lager eines Spielzeug-Kaufhauses, in dem sie arbeitete, entwendet und über ihre Schwester im Internet verkauft haben. Die 34-Jährige behauptet jedoch, ihr Vorgesetzter habe ihr die Waren überlassen. Dies soll er in einem Brief bestätigt haben. Davon distanzierte er sich, seine Unterschrift unter dem Brief sei gefälscht. Gegen die Angeklagte und ihre Schwester wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Hehlerei eingeleitet. Die 34-Jährige wurde von der Arbeit freigestellt.

Zeuge hat Männerstimme gehört

Im Raum steht die Frage: Hat sie ihn mit einem Beil angegriffen, um einen Diebstahl zu vertuschen, oder hat er sie mit einem Messer bedroht, damit seine Chefs nicht mitbekommen, dass er unerlaubt Waren an Mitarbeiter abgibt? Ein Nachbar der Angeklagten bezeugte, er habe in der Tatnacht aus der Wohnung über sich eine laute Männerstimme gehört. „Messer“, „Hör auf damit“, „Lass mich raus“ soll der Mann unter anderem gesagt haben. Im Hausflur stehend habe er bemerkt, dass der Mann Hilfe benötigt und die Polizei gerufen.

Während der Vater der Angeklagten im Zeugenstand zu den Hintergründen aussagte, machte ihre Schwester von ihrem Recht Gebrauch, nicht aussagen zu müssen.

Der Prozess wird am 11. November fortgesetzt.

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