Gespräche und Aktionen
Vierteltreffs als offene Ohren in der Krise

Münster -

Nichts geht mehr in Corona-Zeiten? Nein, sagen die Mitarbeiter vieler Vierteltreffs in Münsters Stadtteilen. Gute Gespräche und viele andere Angebote bestehen weiterhin. Sie können gerade für Senioren, die sonst wenig Kontakte haben, eine große Hilfe sein.

Mittwoch, 25.11.2020, 10:00 Uhr aktualisiert: 25.11.2020, 10:10 Uhr
Ingrid Haase (l., „Kleines Ost“) und Simone Hannig (Quartiersentwicklung Aaseestadt und Pluggendorf der Caritas) tauschen sich über Angebote aus, die trotz Corona stattfinden können.
Ingrid Haase (l., „Kleines Ost“) und Simone Hannig (Quartiersentwicklung Aaseestadt und Pluggendorf der Caritas) tauschen sich über Angebote aus, die trotz Corona stattfinden können. Foto: Renée Trippler

„Wir sind da – auch in Corona-Zeiten“, sagt Ingrid Haase . Die Leiterin des Vierteltreffs „Kleines Ost“ und ihre Kolleginnen und Kollegen aus anderen Quartierstreffen wollen den Menschen in den Stadtteilen Mut geben. „Wir haben gemerkt, dass ganz viel darüber geredet wird, was alles nicht mehr geht, und wir möchten jetzt zeigen, was nach wie vor alles möglich ist“, sagt Simone Hannig von der Caritas-Quartiersentwicklung Aaseestadt und Pluggendorf.

Zu Gesprächszeiten geöffnet

Doch klar, auch die Angebote im „Kleinen Ost“ oder am Aaseemarkt sind durch Corona eingeschränkt. „Wir haben aber weiterhin zu den Gesprächszeiten geöffnet“, sagt Ingrid Haase. Wer Informationen braucht oder einfach mal einen Gesprächspartner, ist willkommen. Auch, wenn viele offene Angebote wie gemeinsames Spielen nicht mehr stattfinden können.

Wie wichtig die Gespräche gerade für ältere Menschen sind, haben die beiden Frauen in den vergangenen Wochen oft erlebt. Hannig: „Da war eine ältere Dame, die sonst immer zu den offenen Angeboten gekommen ist. Unser Gespräch stockte immer wieder, und da sagte sie, dass ihr die Worte nicht mehr so schnell einfallen, weil sie nie mit jemandem redet.“

Angebot mit Abstand

Die Quartiersentwickler möchten deshalb darauf hinweisen, dass der Kontakt auch mit Abstand möglich ist. Im Nachbarschaftstreff „Alte Apotheke“ mussten Veranstaltungen wie der neue Spielenachmittag leider ausgesetzt werden, wie Sebastian Philipper, Koordinator des Projekts, sagt. „Viele andere Angebote entsprechen aber nach wie vor den aktuellen Schutzverordnungen.“ So blieben zum Beispiel die Beratungs- und Sprechstundenangebote erhalten. „Besonders der Smartphone-Sprechstunde kommt in diesen Zeiten eine besondere Bedeutung zu. So lässt sich zumindest über digitale Hilfsmittel der Kontakt zu Familie und Freundeskreis gefahrlos wahren“, so Philipper.

Sprechen beim Spazierengehen

Im Emmerbachtreff in Hiltrup wird eine Spaziersprechstunde angeboten. „Auch bei uns können die Gespräche als Spaziergang gestaltet werden, wenn sich die Leute damit sicherer fühlen“, sagt Ingrid Haase. Etwas Besonderes hat sich auch Simone Hannig überlegt: „Ich möchte durch das geöffnete Fenster Adventsstimmung auf den Aaseemarkt bringen und den Menschen damit eine kleine Freude machen.“

„Schön an dieser ganzen Situation ist, dass die Nachbarschaft wieder mehr in den Fokus rückt, dass die Leute mehr darauf achten, wie es ihren Nachbarn geht“, freut sich Ingrid Haase. Die Solidarität sei groß, auch viele junge Leute wollten helfen. „Deshalb sind wir ausdrücklich nicht nur für Menschen eine Anlaufstelle, die Hilfe brauchen. Sondern auch für alle, die etwas anbieten wollen.“

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