Mordprozess gegen Roxeler
„Du hast mich aufgeschlitzt“

Münster -

Dritter Verhandlungstag: Im Mordprozess gegen den 62-jährigen Diplom-Physiker, der am 9. Mai in Roxel einen 33-jährigen Münsteraner wegen eines zu lauten Telefonats vor seiner Haustür mit einem Messer ermordet haben soll, sagte unter anderem der Mann aus, mit dem das Opfer zuletzt telefoniert hatte.

Mittwoch, 02.12.2020, 20:00 Uhr aktualisiert: 02.12.2020, 20:13 Uhr
Nach einem tödlichen Messerangriff muss sich ein 62-jähriger Geschäftsführer (2.v.l.) aus Münster-Roxel wegen Mordes vor Gericht verantworten. Ihm wird vorgeworfen, am späten Abend des 9. Mai 2020 einen 33-Jährigen erstochen zu haben. Motiv laut Anklage: Der Diplom-Physiker soll sich darüber geärgert haben, dass das spätere Opfer direkt vor seiner Haustür laut telefoniert hat.
Nach einem tödlichen Messerangriff muss sich ein 62-jähriger Geschäftsführer (2.v.l.) aus Münster-Roxel wegen Mordes vor Gericht verantworten. Ihm wird vorgeworfen, am späten Abend des 9. Mai 2020 einen 33-Jährigen erstochen zu haben. Motiv laut Anklage: Der Diplom-Physiker soll sich darüber geärgert haben, dass das spätere Opfer direkt vor seiner Haustür laut telefoniert hat. Foto: Pjer Biederstädt

Ein lustiges Telefonat, gute Laune, Scherze – dann wird er Ohrenzeuge, wie der Bruder seiner Lebensgefährtin tödlich verletzt wird – live am Handy.

Am dritten Verhandlungstag im Prozess gegen den 62-jährigen Diplom-Physiker, der am 9. Mai in Roxel einen 33-jährigen Münsteraner wegen eines zu lauten Telefonats vor seiner Haustür mit einem Messer ermordet haben soll, sagte unter anderem der Mann aus, mit dem das Opfer zuletzt telefoniert hatte.

Ein Schlag – und der Bildschirm war schwarz

Der ebenfalls 33-jährige Zeuge schilderte, dass erst seine Freundin mit ihrem Bruder videotelefonierte, ehe er das Telefon übernahm. „Er war lustig drauf“, erinnerte sich der Zeuge am Mittwoch vor Gericht. Das spätere Opfer habe Alkohol getrunken, sei aber keineswegs betrunken gewesen. Er habe hören können, wie die Frau des Angeklagten „es reicht jetzt, sonst rufe ich die Polizei“ gesagt habe, gesehen habe er sie trotz Videotelefonie nicht. Sinngemäß soll das spätere Opfer erwidert haben, dass sie sich nicht so aufregen solle. „Nicht aggressiv, ohne Beleidigung“, wie der Zeuge sagte.

Dann habe er einen Schlag gehört, Sekunden später war der Bildschirm schwarz, mutmaßlich sei das Handy des späteren Opfers zu Boden gefallen. Die nächsten Sätze, die der Zeuge gehört haben will: „Was hast Du gemacht? Du hast mich aufgeschlitzt“, von seinem Gesprächspartner und „jetzt hast Du einen Grund zur Polizei zu gehen“, vom Angeklagten.

„Ich wollte ihn nie verletzen“

Letzteres kam in der Aussage des Angeklagten vom zweiten Verhandlungstag nicht vor. Nachdem das Schwurgericht, der Vertreter der Nebenklage, der Staatsanwalt und die Verteidiger die Befragung des Angeklagten fortgesetzt und Details seiner Aussagen in äußerster Gründlichkeit abgeklopft hatten, betonte der 62-Jährige erneut, dass er Teile des Tathergangs nicht erinnere. „Sicher weiß ich, dass ich ihn nie verletzen wollte.“

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