Junges Theater Cactus in der Pandemie
Künstlerisch überleben – und lernen

Münster -

Die jungen Künstler des Theaters Cactus sind vielfach ohnehin durch ihre Lebenswege Überlebenskünstler. In der Corona-Zeit, ist auch die Bühne für sie versperrt. Aber es gibt Alternativen, mit denen sie überdies jungen Theatermachern in Ghana bei der Schul- und Berufsausbildung helfen.

Mittwoch, 06.01.2021, 11:00 Uhr
Gifty Wiafe vom Theater Cactus mit ihrem Solo „Das liegt Im Blut?!“
Gifty Wiafe vom Theater Cactus mit ihrem Solo „Das liegt Im Blut?!“ Foto: Emmerich/privat

Theatermenschen leben in schweren Zeiten wie so viele jetzt – überall auf der Welt. Die jungen Leute vom Theater Cactus mit ihrer künstlerischen Leiterin Barbara Kemmler haben im Corona-Jahr 2020 eine Brücke nach Afrika geschlagen. Diesmal mit einem Dokumentarfilm, für den Gifty Wiafe , aus Ghana stammende und seit zehn Jahren in Münster lebende Cactus-Künstlerin, mit verantwortlich zeichnet. Der Film porträtiert junge Darsteller des Theaters, die in einem Armenviertel in Accra zu Hause sind. Alle waren vor zwei Jahren Gäste in Münster, traten unter anderem im Pumpenhaus auf.

Um zu zeigen, wie es den Jugendlichen in Ghana unter den Bedingungen von Corona geht – aber auch, um ihre Perspektiven zu zeigen. Denn Alice, Emmanuel, Shaiubu und Daimatu aus Ghana verfolgen alle ein berufliches Ziel, schlagen sich gerade in Schule und Uni mit Home-Learning in Ein-Zimmer-Behausungen für die ganze Familie herum, wie Emmanuel, Daimatu oder Studentin Alice.

Ausbildung als Grundlage für das Leben

Der junge Shaibu etwa will Modedesigner werden, absolviert eine Ausbildung zum Schneider. Das Theater Cactus hilft dabei durch Spenden-Crowding dabei: Shaibu hat so schon einmal eine Nähmaschine bekommen, um seinem Ziel näherzukommen.

„Wir senden das Signal: Eine gute Schul- und Berufsausbildung ist die Grundlage im Leben – auch und gerade für Menschen mit starken künstlerischen Ambitionen“, sagt Barbara Kemmler. 13 000 Euro sind schon durch die Initiative von Cactus an die Jugendlichen vom Theater „Tete Adeheyemma“ geflossen.

Gifty Wiafe weiß das selbst sehr genau: Als sie 2010 als 15-Jährige, gerade aus Ghana eingewandert, an der damaligen Geistschule anfing, konnte sie vielleicht „drei Sätze Deutsch“, erzählt Gifty Wiafe, die gerade nach dem erfolgreichen Bachelor-Abschluss ein englischsprachiges Masterstudium in „Sustainable Development Management“ begonnen hat.

Nach der zehnten Klasse wechselte Gifty Wiafe an das Geschwister-Scholl-Gymnasium, machte Abitur, ein freiwilliges Jahr in ihrem Heimatland, begann ihr Studium. Antrieb, Kraftquelle und Impulsgeber war Gifty Wiade immer das Theater Cactus: In ihrem ersten Stück „Third Class Titanic“ ging es um Flüchtlingsschcksale. Mit ihrem 80-Minuten Solo „Das liegt im ­Blut?!“­ stand Gifty Wiafe mit einer englischsprachigen Version in Ghana, aber auch bei Gastspielen in Irland, Namibia und Zypern auf der Bühne.

Zwang zur Improvisation

Im Juni ist sie damit zu den Ruhrfestspielen eingeladen. „Zweiter Versuch“, sagt Barbara Kemmler, denn das Festival 2020 fiel wegen Corona aus.

Die Pandemie zwingt das Theater Cactus, wie alle Künstler, zum Durchhalten, Improvisieren. Im Film „Corona – what’s up?“ kommen auch münsterische Cactus-Akteure zu Wort. Junge Migranten wie Valon, Ele oder Mustafa. Gemeinsamkeit mit den jungen Ghanaern: Auch sie alle arbeiten an Schulabschluss, im Studium und in der Berufsausbildung.

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