Vorschläge für die Altstadt
Überdachte Markthalle statt Parkplatz auf dem Domplatz

Münster -

Weniger Autoverkehr, mehr kulturelle Nutzungen: Der Bezirksbürgermeister für den Stadtbezirk Mitte macht sich Gedanken über die Zukunft der Altstadt. Und die haben es in sich.

Mittwoch, 06.01.2021, 08:00 Uhr aktualisiert: 06.01.2021, 08:55 Uhr
der neue Bezirksbürgermeister für Münster-Mitte, Dr. Stephan Nonhoff (Grüne), regt an, einen der Parkplätze auf dem Domplatz für eine Markthalle zur Verfügung zu stellen.
der neue Bezirksbürgermeister für Münster-Mitte, Dr. Stephan Nonhoff (Grüne), regt an, einen der Parkplätze auf dem Domplatz für eine Markthalle zur Verfügung zu stellen. Foto: Karin Völker (Archivbild)

Münsters Innenstadt steht vor einem tiefgreifenden Wandel und der neue Bezirksbürgermeister für Münster-Mitte, Dr. Stephan Nonhoff ( Grüne ), ist fest entschlossen, diesen Wandel mitzugestalten. In einem Positionspapier benennt er schon mal wichtige Eckpunkte: Zurückdrängung des Autoverkehrs, Ausbau des Marktes und überdies eine „Dienstleistungskultur“, die er bislang noch bei vielen Handelsunternehmen vermisse: „Es reicht eben nicht, etwas zu verkaufen.“

Parkplatz könnte Markthalle weichen

Konkret kommt von ihm die Anregung, einen der beiden Parkplätze am Domplatz aufzugeben und dort eine überdachte Markthalle zu errichten. Auch in Zeiten der Corona-Pandemie sei der münsterische Wochenmarkt auf dem Domplatz ein „echtes Zugpferd“. Hier gelte es anzusetzen und die Attraktivität weiter zu steigern.

Für überdimensioniert hält der Bezirksbürgermeister mit grünem Parteibuch das Parkplatzangebot in der Altstadt. Zumindest für Teile der Parkhäuser, die er als „Anziehungspunkte für den Individualverkehr“ bezeichnet, müsse man über Alternativen nachdenken: „Bewohnerparkplätze, Lagerflächen, Fahrradparkhäuser, Clubs – all diese Varianten dürfen kein Tabu mehr sein.“

Altstadtkaufleute müssen neue Wege gehen

Vor dem Hintergrund von Corona und boomender Onlinedienste müssen die Altstadtkaufleute nach seiner Meinung neue Wege gehen: „Bislang hatten wir in Münster immer geglaubt, dass unsere attraktive Altstadt von den desaströsen Entwicklungen insbesondere im stationären Einzelhandel weitgehend oder noch lange verschont bleiben würde.“

Jetzt aber müsse man auch in Münster darüber nachdenken, wie man auf Leerstände reagiere. Nonhoff regt an, bei wegfallenden Flächen über eine kulturelle Nachnutzung nachzudenken. Er nennt auch gleich Stichworte, die allesamt für Diskussionen sorgen dürften: „Musikhalle, Volkshochschule, Münster-Modell, Musikschule – sie alle sind seit langem auf der Suche nach einem geeigneten Standort.“

Zwingt die Pandemie zum Umdenken?

Generell wirft der Bezirksbürgermeister die Frage auf, ob die aktuelle Pandemie die Gesellschaft nicht geradezu zwinge, eine andere Sicht der Dinge einzunehmen: „Seit den neunziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts waren Globalisierung, Privatisierung und Entbürokratisierung unumstößliche Lehren der Wirtschaft. Ständig wurde von Politikern und Wirtschaftswissenschaftlern erklärt, warum die Privatwirtschaft alle Probleme der Welt besser lösen könne als der Staat.“

Nonhoff weiter: „Dieses Credo galt bis zum Frühjahr 2020 uneingeschränkt. Seither wird wieder das Hohelied der öffentlichen Verwaltung angestimmt.“ Hier liegt nach Ansicht des Grünen eine große Chance.

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