Corona-Pandemie
Stadt Münster spricht sich gegen FFP2-Maskenpflicht aus

Münster -

Bayern hat die Pflicht zum Tragen einer FFP2-Maske im Nahverkehr und beim Einkaufen beschlossen. Seitdem ist eine Diskussion um Sinn und Unsinn dieser Pflicht entbrannt. Der Krisenstab in Münster hat eine klare Meinung.

Donnerstag, 14.01.2021, 15:50 Uhr aktualisiert: 14.01.2021, 17:13 Uhr
Corona-Pandemie: Stadt Münster spricht sich gegen FFP2-Maskenpflicht aus
Der Corona-Krisenstab in Münster spricht sich gegen eine FFP2-Maskenpflicht aus. Foto: dpa (Symbolbild)

Der Krisenstab der Stadt Münster wendet sich gegen eine umfassende Verteilung oder gar Tragepflicht von sogenannten FFP2-Masken in der Bevölkerung und sieht einen klaren Vorrang für das medizinische Personal. Das hat die Stadt jetzt in einer Pressemitteilung bekanntgegeben.

FFP-Masken seien als partikelfiltrierende Halbmasken Gegenstände der persönlichen Schutzausrüstung im Rahmen des Arbeitsschutzes und hätten die Zweckbestimmung, ihre Träger vor Partikeln, Tröpfchen und Aerosolen zu schützen. "Zum gleichzeitigen Schutz von Patientinnen und Patienten sowie Mitarbeitenden müssen dabei Masken ohne Ausatemventil verwendet werden", schreibt die Stadt. Als dicht sitzende Masken ohne Ventil filtern sie sowohl die eingeatmete Luft als auch die Ausatemluft und bieten daher sowohl einen Eigenschutz als auch einen Fremdschutz.  

Abstands- und Hygieneregeln statt FFP2-Maske

Krisenstabsleiter Wolfgang Heuer : "Die FFP2-Maske ist ein wichtiger Bestandteil der persönlichen Schutzausrüstung vor allem bei der Pflege und Behandlung Covid-19-erkrankter Personen. Hier ist die professionelle Handhabung geschult und hier müssen sie permanent in ausreichender Zahl verfügbar sein. Massenhafte Verteilungen etwa im Öffentlichen Nahverkehr oder im Einzelhandel passen nicht dazu und können im Einzelfall sogar kontraproduktiv sein."

Was man über FFP2-Masken wissen sollte

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  • FFP2-Masken versprechen einen besseren Schutz vor dem Coronavirus. Bayern macht das Tragen dieser Schutzbedeckungen in Geschäften sowie Bus und Bahn sogar zur Pflicht. Die wichtigsten Infos über FFP2-Masken im Überblick. 

    Foto: Sven Hoppe/dpa
  • Was sind überhaupt FFP2-Masken?

    Dabei handelt es sich um partikelfiltrierende Halbmasken. Die Bezeichnung FFP stammt aus dem Englischen (Filtering Face Piece). Ursprünglich sind sie insbesondere aus dem Handwerk bekannt. Die Arbeiter schützen sich damit dagegen, Staub oder andere giftige Stoffe einzuatmen.

    FFP-Masken werden in drei Kategorien eingeteilt - 1 bis 3. Die unterschiedliche Bezeichnung geht darauf zurück, wie viele Aerosole die Masken filtern können. „FFP2-Masken müssen mindestens 94 Prozent und FFP3-Masken mindestens 99 Prozent der Testaerosole filtern“, so das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM).

    Foto: Hendrik Schmidt/dpa
  • Warum sind FFP2-Masken besser als Alltagsmasken?

    Der Unterschied liegt insbesondere darin, ob die Masken eher andere Menschen oder auch die Maskenträger schützen. Bei korrekt sitzenden FFP2-Masken würden beide Seiten vor Partikeln, Tröpfchen und Aerosolen geschützt, erklärt das BfArM.

    Wie die Gesellschaft für Aerosolforschung erläutert, halten einfache Mund-Nasen-Bedeckungen kleinere Partikel nicht so gut ab. Daher seien sie für den Selbstschutz nicht geeignet.

    Für die einfachen Mund-Nasen-Bedeckung - im Sprachgebrauch meist Alltagsmaske genannt - gibt keine Norm und keine wissenschaftlich nachgewiesene Schutzfunktion. Dennoch gehen Experten davon aus, dass auch diese Masken einen Beitrag zur Eindämmung der Pandemie leisten.

    Foto: Rolf Vennenbernd/dpa
  • Wo bekommt man FFP2-Masken her?

    Sie werden in Drogerien, Apotheken oder online verkauft. Menschen über 60 Jahren, Risikoschwangere oder chronisch Kranke erhalten derzeit eine bestimmte Anzahl FFP2-Masken günstiger in der Apotheke. Die gesetzlichen Krankenkassen verschicken dafür Gutscheine : Für einen Sechserpack muss man dann nur zwei Euro zuzahlen.

    Experten raten, zunächst einmal nur eine Packung FFP2-Masken auszuprobieren. Im Unterschied zu einfachen Stoffmasken liegen diese wesentlich fester an. Manchmal werden sie als unangenehm empfunden. Beim Kauf sollte man auf das CE-Kennzeichen und eine vierstellige Nummer achten, die Rückschlüsse auf das Prüf-Institut zulässt.

    Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa
  • Worauf sollte ich beim Kauf von FFP2-Masken sonst noch achten?

    Partikelfiltrierende Halbmasken (FFP2/FFP3/KN95) sind für den Einsatz im Gesundheitsbereich zertifiziert und müssen mindestens 95 Prozent der Aerosole abfangen. Wer entsprechende Masken kaufen will, sollte auf der Verpackung auf die Kombination aus CE-Zeichen und vier Zahlen achten, rät der Tüv Nord.

    Erfüllen die Masken die Kriterien der entsprechenden Prüfnorm, bekommt die Verpackung ein CE-Kennzeichen sowie eine vierstellige Nummer. Dies lässt Rückschlüsse auf das Prüf-Institut zu.

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  • FFP2, N95 oder KN95?

    Wenig Unterschied macht es dem Präsidenten der Gesellschaft für Aerosolforschung, Christof Asbach, zufolge, ob die Atemschutzmasken aus den Klassen FFP2, N95 oder KN95 sind. «Das ist ein ähnlicher Standard.» Entscheidend sei die Qualität der Masken. Immer noch gebe es nicht ausreichend geprüfte Masken auf dem Markt, die jedoch - fälschlicherweise - als solche ausgezeichnet seien.

    «Man sollte nicht so sehr auf den Preis achten, sondern auf eine vertrauenswürdige Quelle», riet der Experte. Anders als im Frühjahr gibt es nach seiner Einschätzung aber keinen derartigen Engpass mehr an FFP2-Masken.

    Foto: Sven Hoppe/dpa
  • Besser mit oder ohne Ventil?

    FFP2-Masken gibt es mit und ohne Ventil. Haben sie ein Ventil, wird die ausgeatmete Luft nicht so gut gefiltert. Somit ist der Schutz für andere Menschen gering - entsprechend erfüllen die Masken dann nicht wirklich ihren Zweck, der ja auch daran liegt, andere Menschen vor einer möglichen Ansteckung zu schützen.

    Foto: Christin Klose/dpa
  • Wie lange dürfen FFP2-Masken getragen werden?

    Während die Mund-Nasen-Bedeckungen aus Stoff gewaschen und wiederverwendet werden können, sind FFP2-Masken laut dem BfArM vom Hersteller als Einmalprodukte vorgesehen.

    Doch das kann ins Geld gehen, sofern man täglich auf diese Masken angewiesen ist - besonders Haushalte mit wenig Einkommen stellt das womöglich vor Probleme. Das wirft die nächste Frage auf.

    Foto: Christin Klose/dpa-tmn
  • Lassen sich die FFP2-Masken nicht doch aufbereiten?

    Forscher der Fachhochschule (FH) Münster und der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster schreiben indes, dass sich FFP2-Masken bis zu fünf Mal aufbereiten lassen : Je nach Beschaffenheit der Maske bei 80 Grad Ober- und Unterhitze für eine Stunde im Ofen, oder indem man sie eine Woche lang an einem Haken im Raum trocknen lässt. Aus verschiedenen Gründen nicht geeignet zur Wiederaufbereitung seien Kochtopf, Mikrowelle, Waschmaschine, Spülmaschine und UV-Lampe. Hier finden Sie eine Infobroschüre zu dem Thema

    Foto: Till Simon Nagel/dpa-tmn
  • Worauf muss ich beim Tragen einer FFP2-Maske achten?

    Wie der Präsident der Gesellschaft für Aerosolforschung, Christof Asbach, erläutert, biete eine FFP2-Maske nur dann den versprochenen Schutz, wenn sie eng anliege. Je nach Gesichtsform treffe das nicht bei jedem Modell zu. Luft - und damit auch eventuell Viren - ströme dann an den Seiten der Maske vorbei, erklärte Asbach.

    «Wenn die nicht sauber abschließt, ist sie nicht wirksamer als eine einfache Maske.» Ein besonderes Problem hätten zudem Bartträger. Es gebe in der Industrie sehr teure Alternativen mit Rundum-Visieren, sichereren Hepafiltern und Luftpumpen. Das sei aber nicht für den Alltagsgebrauch gedacht. «Im Grunde bleibt eigentlich nur die Möglichkeit, sich zu rasieren.»

    Foto: Sven Hoppe/dpa
  • Bin ich mit einer FFP2-Maske sicher?

    Experten warnen vor falschen Vorstellungen bezüglich der Sicherheit von FFP2-Masken . Diese böten selbst dann keinen hundertprozentigen Schutz, wenn sie perfekt getragen würden.

    Die Masken müssten den Anforderungen zufolge 94 Prozent der Partikel filtern - damit gingen immer noch 6 Prozent durch. 

    Foto: Sven Hoppe/dpa
  • Wo bekomme ich weitere Infos?

    Aktuelle Infos rund um das Thema Coronavirus finden Sie in unserem Special und unserem regionalen Coronavirus-Newsticker. 

    Foto: Jasper Jacobs/BELGA/dpa

Für die Normalbevölkerung sei vor allem die Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln und das Tragen der Alltagsmaske geboten. "Auf diese Weise ist eine erhöhte Aerosolbelastung weitgehend ausgeschlossen", so Heuer. Der städtische Krisenstab schließt sich damit der Position der Uniklinik Münster, verschiedener medizinischer Fachgesellschaften und des Robert-Koch-Instituts an.

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