Mordprozess
Hat die Freundin des Opfers falsch ausgesagt?

Münster -

Hat die Lebensgefährtin des Getöteten 33-Jährigen im Zeugenstand falsch ausgesagt? Das will die Verteidigung des 62-Jährigen, der den Mann aus Roxel im Mai vergangenen Jahres wegen eines zu lauten Telefonats erstochen haben soll, mit einer erneuten Vernehmung durch das Gericht klären lassen.

Mittwoch, 20.01.2021, 18:00 Uhr aktualisiert: 20.01.2021, 18:54 Uhr
Nach einem tödlichen Messerangriff muss sich ein 62-jähriger Mann aus Roxel (2.v.l., hier beim Prozessauftakt am 30. Oktober 2020) wegen Mordes vor Gericht verantworten. Ihm wird vorgeworfen, am späten Abend des 9. Mai 2020 einen 33-Jährigen erstochen zu haben. Motiv laut Anklage: Der 62-jährige Diplom-Physiker und Geschäftsführer soll sich darüber geärgert haben, dass das spätere Opfer direkt vor seiner Haustür laut telefoniert hat.
Nach einem tödlichen Messerangriff muss sich ein 62-jähriger Mann aus Roxel (2.v.l., hier beim Prozessauftakt am 30. Oktober 2020) wegen Mordes vor Gericht verantworten. Ihm wird vorgeworfen, am späten Abend des 9. Mai 2020 einen 33-Jährigen erstochen zu haben. Motiv laut Anklage: Der 62-jährige Diplom-Physiker und Geschäftsführer soll sich darüber geärgert haben, dass das spätere Opfer direkt vor seiner Haustür laut telefoniert hat. Foto: Pjer Biederstädt

Sprachmitteilungen, Textnachrichten, Fotos – zweieinhalb Stunden lang hat das Schwurgericht am Mittwoch Auszüge aus Chats vom Handy des getöteten 33-jährigen Roxelers unter die Lupe genommen. Beantragt hatte die Beweisaufnahme die Verteidigung des 62-jährigen Diplom-Physikers, der laut der Anklage den 33-Jährigen im Mai vergangenen Jahres wegen eines zu lauten Telefonats erstochen haben soll.

Immer wieder spricht der Getötete in den Chats von Schlägereien, Drogen und Bodybuilding. Für die Verteidigung ein Beleg für das Aggressionspotenzial des Getöteten. Das könnte im Prozess relevant sein, weil der Angeklagte ausgesagt hatte, der Getötete sei in der Tatnacht zuerst auf ihn losgegangen.

Chats sollen Streit belegen

Außerdem sehen die Verteidiger in den Chats den Nachweis für einen Streit zwischen dem Getöteten und dessen Lebensgefährtin am Tag vor der Tat. Sie hatte in der Zeugenvernehmung jedoch gesagt, dass es diesen Streit nicht gegeben habe. Aus Sicht der Verteidiger ist dies eine von mehreren Falschaussagen, die die Lebensgefährtin im Zeugenstand gemacht haben soll. Deshalb beantragten die Anwälte des Angeklagten nun eine erneute Vernehmung. Am Nachmittag bestätigte ein Gerichtssprecher, dass sie für den nächsten Verhandlungstag am Freitag als Zeugin geladen worden sei.

Drei weitere Verteidiger-Anträge hat die Kammer unterdessen abgelehnt. Darin hatten die Anwälte ein neues rechtsmedizinisches Gutachten, ein aussagepsychologisches Gutachten zu möglichen Erinnerungsdefiziten von Zeugen und ein toxikologisches Gutachten gefordert.

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