Süßholzwurzel gegen Corona?
Forscher untersuchen antivirale Wirkung von Lakritz

Münster -

Lakritzschnecken könnten eine Wirkung gegen das Coronavirus haben. Das haben Forscher der Universität Duisburg-Essen herausgefunden. Inwieweit der antivirale Inhaltsstoff tatsächlich gegen das Virus eingesetzt werden kann, wird noch untersucht - denn er birgt auch gesundheitliche Risiken.

Sonntag, 24.01.2021, 15:00 Uhr aktualisiert: 24.01.2021, 20:23 Uhr
Süßholzwurzel gegen Corona?: Forscher untersuchen antivirale Wirkung von Lakritz
Lakritz gegen das Coronavirus? Forscher untersuchen gerade die antivirale Wirkung eines Inhaltsstoffs. Foto: dpa

Ein Süßholzwurzel-Tee hatte das Forscherteam um Priv. Doz. Dr. Adalbert Krawczyk von der Klinik für Infektiologie der Universität Duisburg-Essen den auf den Inhaltsstoff Glycyrrhizin aufmerksam gemacht. Seit vergangenem Frühjahr, also seit sie das Coronavirus im Labor haben, untersuchen sie mögliche Gegenmittel, erklärt Dr. Krawczyk: "Wir haben uns angeschaut, welche in der Natur vorkommenden Substanzen eine antivirale Wirkung gegen das neue Coronavirus haben, und dabei ist uns das Glycyrrhizin aufgefallen."

Denn der Süßstoff der Süßholzwurzel, der vor allem in Lakritz enthalten ist, habe in Zellkultur (im Reagenzglas) besonders gut gegen das Virus gewirkt, erklärt der Virologe. "Dann haben wir uns genauer angeschaut, wie das Glycyrrhizin das Virus inaktiviert." Und zwar, indem es ein für das Coronavirus sehr wichtiges Enzym hemmt. 

Inhaltsstoff könnte Virenbelastung im Rachen verringern

Das achtköpfige Team will jetzt untersuchen, ob und unter welchen Voraussetzungen der Konsum von glycyrrhizinhaltigen Produkten wie Lakritz oder Süßholzwurzel-Tee Corona-Patienten helfen beziehungsweise das Ansteckungsrisiko reduzieren kann.

"Denkbar ist, dass Menschen, wenn sie etwa Tee mit diesem Inhaltsstoff trinken oder Lakritz essen, eine geringere Virenbelastung im Rachen haben", so Prof. Dr. Oliver Witzke, Direktor der Klinik für Infektiologie. So könnte es sein, dass zumindest ein Teil der Viren eliminiert und damit auch die Ansteckungsgefahr reduziert werden könne.

Wir sind beim weiteren Vorgehen noch in der Planungsphase.

Dr. Adalbert Krawczyk

Bei dem weiteren Vorgehen müsse man aber beachten, dass die vom Bundesministerium für Risikobewertung vorgegebene, unbedenkliche Menge für den Glycyrrhizin-Konsum nicht überschritten werde, betont Krawczyk. 

Glycyrrhizin kann Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursachen

Denn der Süßstoff ist nicht ganz ungefährlich, sagt Ernährungswissenschaftler Prof. Dr. Guido Ritter von der Fachhochschule (FH) Münster, "weil er den Mineralhaushalt in unserem Körper verändert". Bei bestimmten Menschen könne der Inhaltsstoff zu Wassereinlagerungen oder Bluthochdruck führen.

Bei Tees oder generell in Getränken, in denen Glycyrrhizin als Süßungsmittel verwendet werde, sei der Konsum nicht bedenklich, erläutert Ritter, denn er süße schon in sehr geringen Mengen. Bei Lakritz-Süßigkeiten gelte auch: normaler Konsum ist in Ordnung. "Wenn man aber eine ganze Tüte isst und das täglich, dann kann das problematisch werden." Menschen allerdings, die zu Bluthochdruck neigen, sollten aber wegen des Risikos einer Herz-Kreislauf-Erkrankung etwas mehr Acht geben.  

Lebensmittel sind keine Arzneimittel.

Prof. Dr. Guido Ritter

Zwar könne es aus seiner Sicht durchaus sein, dass Glycyrrhizin eine unterstützende Wirkung gegen Viren habe, sagt Ritter. "Pharmakologisch muss man dann aber ganz genau auf die Dosierung schauen und bedenken, dass es auch Nebenwirkungen geben kann". Und genau das dürfe bei Lebensmitteln eben nicht der Fall sein: "Lebensmittel sind keine Arzneimittel."

Wünschenswert wäre es laut Dr. Adalbert Krawcyk, wenn aus den durch die Untersuchung der Lebensmittel ein Medikament resultieren würde, oder der Konsum bestimmter Produkte empfohlen werden könne. Es ist eine klinische Studie geplant. Aber die steht noch am Anfang: "Es gibt verschiedene mögliche Ansätze. Wir sind in Gesprächen aber es ist alles noch in der Planungsphase." 

Bis auf weiteres lautet das Fazit von Prof. Dr. Ritter zum Lakritz-Konsum: "Wer gerne Lakritz isst, darf das in Maßen auch weiterhin tun, wer es bisher nicht mochte, muss jetzt aber nicht damit anfangen."

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