Missbrauchsprozess gegen Adrian V.
Weitere Chats und Videos ausgewertet

Münster -

Erneut verstörende Bilder und entlarvende Chats: Am 22. Verhandlungstag gegen den Hauptbeschuldigten im Missbrauchskomplex Münster sagten fünf Polizeibeamte aus, die an der Auswertung des Materials beteiligt waren.

Dienstag, 16.02.2021, 21:30 Uhr aktualisiert: 16.02.2021, 21:51 Uhr
Auf dieser Leinwand im größten Verhandlungssaal des Landgerichts müssen sich die Prozessbeteiligten immer wieder teils schlimme Bilder und Videos ansehen, die auf den Datenträgern der Angeklagten entschlüsselt werden konnten.
Auf dieser Leinwand im größten Verhandlungssaal des Landgerichts müssen sich die Prozessbeteiligten immer wieder teils schlimme Bilder und Videos ansehen, die auf den Datenträgern der Angeklagten entschlüsselt werden konnten. Foto: Dirk Anger

Beweismaterial ohne Ende: Mit Chats und Videos, die den schweren sexuellen Missbrauch von Kindern durch den Münsteraner Adrian V. und vier weitere Männer belegen sollen, hat sich die 1. Strafkammer des Landgerichts Münster am Dienstag beschäftigt. Fünf Polizeibeamtinnen und -beamte, die sich mit der Auswertung befasst hatten, wurden nach Gerichtsangaben dazu als Zeugen befragt. Wegen der intimen Details geschah dies unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

In den Prozess wurden am 22. Verhandlungstag auch Teile des sogenannten Lego-Chats eingeführt, in dem sich der Kinderschänder-Kreis um Adrian V. unter anderem ausgetauscht hat. Ein Mitglied dieses Netzwerks war am vergangenen Freitag zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren und neun Monaten verurteilt worden.

Die Angeklagten im Hauptprozess
  • Adrian V. steht im Mittelpunkt des Verfahrens. Er soll über lange Zeit wiederholt Kinder, vornehmlich den Sohn seiner Lebensgefährtin, sexuell missbraucht haben. Zudem bot er den Jungen anderen Männern zum Missbrauch an. Aufnahmen davon verbreitete er.
  • Carina V. war Eigentümerin der Gartenlaube in Münster-Kinderhaus, die regelmäßig Tatort der Missbrauchstaten war. Sie soll die Laube ihrem Sohn und den Mitangeschuldigten in dem Wissen überlassen haben, dass dort Jungen sexuell missbraucht werden sollten.
  • Enrico L. aus Schorfheide soll beim Treffen im April in Münster dabei gewesen sein. Zudem wird ihm vorgeworfen, im August 2018 einen damals neunjährigen entfernten Verwandten und 2020 unter anderem seinen eigenen Sohn (7) missbraucht zu haben.
  • Tobias S. aus Staufenberg soll seinen Sohn (5) mehrfach missbraucht und zum Treffen im April in Münster mitgebracht haben. Zudem missbrauchte er ein Mädchen – die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass es sich dabei um seine Tochter (5) gehandelt hat.
  • Marco S. aus Hannover soll an schwerem sexuellem Missbrauch beteiligt gewesen sein. Der 35-Jährige soll unter anderem vom 24. bis zum 26. April 2020 beim Treffen mit den anderen Angeklagten in der Gartenlaube in Münster-Kinderhaus dabei gewesen sein.
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