25 Jahre Peperoni an der Wolbecker Straße
Kleiner König an quirliger Ecke

Münster -

Djahan Bahrainian kennt auf der Wolbecker Straße eigentlich jeder. Und wer ihn und sein Peperoni nicht kennt, hat definitiv etwas verpasst. Den Laden gibt es mittlerweile seit 25 Jahren, doch Bahrainian hat noch weit mehr zu erzählen.

Dienstag, 23.02.2021, 08:30 Uhr
Seit 25 Jahren gibt es das Peperoni, seit über 20 Jahren bereitet Djahan Bahrainian seine Gemüsepfanne zu,
Seit 25 Jahren gibt es das Peperoni, seit über 20 Jahren bereitet Djahan Bahrainian seine Gemüsepfanne zu. Foto: Björn Meyer

Als der heute 56-jährige Djahan Bahrainian , Sohn eines Juden und einer Muslima, noch ein Kind ist, ist sein Vater Oberbürgermeister in Abadan, einer Stadt im Südwesten des Iran. Im Zuge der iranischen Revolution landet der Vater im Gefängnis (1979). Der junge Djahan gaukelt dem Gefängnispersonal vor, er müsse seinem Vater Essen bringen, da dieser Diabetiker sei.

Doch der Heranwachsende bringt fortan stets Essen für alle Wärter mit. Nach drei Tagen ruft der Gefängnischef den Jugendlichen zu sich und gewährt ihm, seinen Vater zu sehen. Bahrainian lacht, als er die Anekdote erzählt. Und doch sind es noch Jahre später die politischen Umstände, die Bahrainian zur Flucht aus seinem Land treiben. Zu diesem Zeitpunkt ist er eigenen Angaben zufolge erfolgreicher Unternehmer. Er verkauft „sexy Kleidung für Frauen“, die Iranerinnen nur zu Hause tragen dürfen.

Nur mit Bargeld nach Deutschland

Mit einer Tasche voll Bargeld macht Bahrainian sich 1990 auf die Reise nach Deutschland. Angetrieben von den schillernden Berichten eines asylsuchenden Bekannten, der davon schreibt, wie er in Münster im Hotel lebe und wie gut es ihm gehe.

Mit Anzug und Krawatte, so erzählt es Bahrainian, fährt er im Taxi an der Adresse seines Bekannten vor. Nur ist das kein Hotel, sondern eine Asylunterkunft am York-Ring. Bahrainian will trotzdem so schnell es geht Deutsch lernen. Er besucht eine Abendschule, doch weil sein Asylstatus noch nicht anerkannt ist, schickt man ihn fort.

"Peperoni" wird 1996 eröffnet

Er weint. Als er in seine Unterkunft kommt, haben zwei Menschen bei ihm angerufen. Der Inhaber der Pizzeria Peperoni und die Anwältin Mechtild Düsing, die er zuvor in einer Diskothek kennengelernt hat. Der eine wird Anfang der 90er-Jahre sein Geschäftspartner, die andere später seine Frau.

Im Februar 1996 eröffnet Bahrainian auf der Wolbecker Straße den Obst- und Gemüseladen „Peperoni“. Doch die Geschäfte laufen schlecht. Erst als er sich eine übergroße Pfanne kauft und täglich ein veganes Gericht anbietet, ändert sich das.

15 Minuten Musik für eine kostenlose Mahlzeit

Doch Essen zubereiten, das reicht Djahan, wie ihn eigentlich jeder Kunde nennen darf, nicht. Er organisiert Musik, Theater oder Aktmalerei in seinem Laden. Noch heute, im 25. Jahr des Bestehens, bekommt im Peperoni jeder, der 15 Minuten lang musiziert, sein Essen umsonst.

Doch auch wer bezahlt, erlebt eigentlich immer etwas im Peperoni. Und sei es nur, dass Bahrainian seine Gäste miteinander bekannt macht – denn das macht er mit großer Vorliebe. Aber warum verteilt man seine Geschäftsgrundlage kostenlos gegen Musik? „Du hast, was du gibst“, sagt Djahan Bahrainian.

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