Mann rastet nach Brief von der Stadt aus
Angeklagter bestreitet eigene Schusswunde

Münster -

Er wurde durch den Schuss eines Polizisten verletzt, will aber von dem Schuss nur einen Knall mitbekommen haben. Einem psychisch kranken Mann wird derzeit vor dem Landgericht der Prozess gemacht.

Dienstag, 02.03.2021, 08:00 Uhr aktualisiert: 02.03.2021, 08:19 Uhr
Mann rastet nach Brief von der Stadt aus: Angeklagter bestreitet eigene Schusswunde
Prozess vor dem Landgericht Münster. Foto: colourbox.com (Symbolbild)

Das ist schon eher unüblich: Ein Mann wird von einem Polizisten durch einen Schuss am Oberschenkel verletzt, vor Gericht will er aber von dem Schuss gar nichts mitbekommen haben.

So kurios das klingen mag, so ernst ist der Hintergrund. Am Montag wurde vor dem Landgericht Münster der Prozess gegen einen psychisch kranken 59-Jährigen eröffnet, der an einem Julitag im vergangenen Jahr gleich mehrere Straftaten begangen haben soll.

Nachdem er einen Brief des Sozialpsychiatrischen Dienstes der Stadt Münster erhalten hatte, soll der Mann laut Anklageschrift auf seinen Mitbewohner losgegangen sein. Dieser sagte am Montag auch als Zeuge aus, sprach davon, gewürgt worden zu sein, und dass er sich nicht mehr anders habe zu helfen gewusst, als die Polizei anrufen.

Polizist machte von Schusswaffe Gebrauch

Die Beamten trafen auch an der Wohnung der beiden Männer ein. Laut den Aussagen eines Beamten, der ebenfalls als Zeuge geladen war, sei schnell ersichtlich gewesen, dass es sich bei dem Angeklagten um einen psychisch gestörten Menschen habe handeln können. Der Angeklagte sei mit einem Messer auf die Polizisten zugelaufen und habe sich auch durch Reizgasspray nicht von seiner Route abbringen lassen. Der Polizist machte von seiner Schusswaffe Gebrauch und verletzte den Angeklagten am Oberschenkel. Offenbar gibt es von Teilen des Polizeieinsatzes Videoaufnahmen, wie Gerichtssprecher Dr. Steffen Vahlhaus unserer Zeitung schilderte.

Eine ebenfalls am Montag geladene Gutachterin sprach davon, ihrer Einschätzung nach sei es nicht ausgeschlossen, dass der Angeklagte weitere Straftaten begehe. Das Gericht wird daher bezüglich einer möglichen Sicherungsverwahrung darüber entscheiden müssen, wie schwerwiegend diese mögliche Taten sein könnten.

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