Vorerkrankte in der Corona-Pandemie
Herzpatienten sollten Warnsignale ernst nehmen

Münster -

Eine Corona-Infektion kann für Menschen mit Vorerkankungen besonders gefährlich werden. Doch viele Patienten vermeiden in der Pandemie offenbar den Gang zum Arzt - aus Angst vor einer Infektion. Das kann fatale Folgen haben. 

Dienstag, 02.03.2021, 14:00 Uhr aktualisiert: 02.03.2021, 14:13 Uhr
Vorerkrankte in der Corona-Pandemie: Herzpatienten sollten Warnsignale ernst nehmen
Prof. Holger Reinecke mahnt, auch in der Pandemie Symptome einer Herzerkrankung unbedingt abklären zu lassen. Foto: UKM

Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie hat in Richtung Bundesregierung kürzlich eine höhere Priorisierung der Patienten mit koronaren Herzerkrankungen bei der Impfung gegen SARS-CoV-2 angemahnt. Ansonsten drohe eine Übersterblichkeit bei diesen Patienten durch verzögerte oder verschobene Behandlungen. Auch der Direktor der Klinik für Kardiologie I am Universitätsklinikum Münster (UKM), Prof. Holger Reinecke , warnt in einer Pressemitteilung: Herzpatienten sollten ihre Vorsorgetermine trotz der Pandemie wahrnehmen und Warnsignale unbedingt ernst nehmen.

Aus Sorge vor Ansteckung mit dem Coronavirus vermeiden offenbar Patienten mit vorhandenen Symptomen einer akuten Herzerkrankung derzeit häufiger den Gang zum Arzt oder ins Krankenhaus. Je länger die Pandemie anhalte, desto bedenklicher sei diese Entwicklung so Reinecke. “Wir haben von Seiten der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie große Sorge, dass es bei unseren Patienten in der Folge ihrer Erkrankung zu einer Übersterblichkeit mit Herzinfarkten oder anderen Herztodesfällen kommen könnte“, sagt er.

Weniger stationäre Aufenthalte - mehr Todesfälle

Aktuelle Daten einer Analyse des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung im Auftrag der Bundesregierung legen laut der Pressemitteilung des UKM nahe, dass die Zahl der Patienten, die sich bis Oktober 2020 einer stationären Behandlung unterzogen haben, im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit deutlich gesunken ist. So ging zum Beispiel 2020 ging die Zahl der Behandlungen bei Herzinsuffizienz gegenüber 2019 um 13 Prozent zurück. Gleichzeitig stieg der Anteil der Todesfälle wegen Herzinsuffizienz von 7,8 auf 8,1 Prozent.

Bedrohlich ist diese Entwicklung nach Aussage Reineckes vor allem für zwei Patientengruppen: „Das sind zum einen die Patienten mit einer Arterienverkalkung an den Herzkranzgefäßen, die ein hohes Risiko für einen Herzinfarkts haben.“ Warnsignale könnten zum Beispiel Brustschmerzen oder auch ein Brennen hinter dem Brustbein sein. Auch eine Ausstrahlung in den Arm oder Kiefer sei bedenklich. Doch auch die große Gruppe der Patienten mit einer Herzschwäche sei gefährdet. „Diese Patienten klagen über Luftnot oft in Kombination mit geschwollenen Beinen und können Alltagstätigkeiten wie Treppensteigen auf einmal nicht mehr ausführen“ ergänzt Reinecke.

Herzpatienten sind anfälliger für Infektionen

Patienten mit den beschriebenen Symptomen sollten diese unbedingt zeitnah abklären lassen. „Herzpatienten haben einen ohnehin schon geschädigten Kreislauf“, begründet der Kardiologe. „Das macht sie unter anderem anfälliger für Infektionen mit dem Coronvirus.“ Und auch die Neigung zu Blutgerinnseln sei ein bekanntes Problem: Herzpatienten entwickeln oft Verstopfungen in den Schlagadern. Das Coronavirus begünstige das.

Reinecke appelliert an Herzpatienten, aber auch deren Angehörige, darauf zu achten, dass Vorsorgetermine oder Behandlungen wahrgenommen werden. „Vorherige Telefon-Abfragen durch unser Personal, eine Zugangsregelung nur mit negativem Corona-Test, große Abstände in den Wartebereichen und das Tragen von Masken machen den Besuch in unseren Ambulanzen sehr sicher.“

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