Stadt Münster testet Wollbänder
Ökologisch gegen den Eichenprozessionsspinner

Münster -

Der Erfinder Andreas Hill verspricht eine wirksame und ökologische Methode, um den Eichenprozessionsspinner von Eichen fernzuhalten. Seine Wollbänder will auch die Stadt Münster testen.

Montag, 15.03.2021, 17:30 Uhr aktualisiert: 15.03.2021, 17:35 Uhr
Wollbänder und Auffangsystem: Dem Eichenprozessionsspinner soll es ökologisch an den Kragen gehen.
Wollbänder und Auffangsystem: Dem Eichenprozessionsspinner soll es ökologisch an den Kragen gehen. Foto: Stefan Flockert

Ein Telgter entdeckt, dass die Raupen des Eichenprozessionsspinners lieber verhungern, als Schafswolle zu überqueren . Die Entdeckung soll nun zur Eindämmung einer neuerlichen Plage in den Frühlings- und Sommermonaten helfen – auch in Münster, wenngleich die Stadt noch zurückhaltend ist.

Zunächst einmal wolle man die Wollbänder, die am Stamm befestigt werden, testen, sagt Stadtförster Hans-Ulrich Menke . Zwar sei das, was er bisher gesehen habe, überzeugend, dennoch sei eine größere Anschaffung der Wollbänder zunächst nicht geplant. An ausgewählten Standorten, etwa Schulen, Kitas und Spielplätzen, wolle man die Wirksamkeit zunächst beobachten.

Schafswolle als Ergänzung

Und zwar an Bäumen, an denen zuvor bereits Eichenprozessionsspinner abgesaugt wurden. Denn dort komme es vor, dass nicht alle Raupen erwischt würden, sagt Menke. Ein Schafswollring sei also aus städtischer Sicht als Ergänzung zu den Abwehrverfahren zu sehen, die die Stadt bereits praktiziere. Da sei zunächst einmal der Einsatz von Bioziden an rund 8000 bis 10.000 der rund 36.000 städtischen Eichen. Ein Verfahren, das allerdings kaum nur den Eichenprozessionsspinner treffen dürfte.

Wo man zu nahe an Wohnbebauung komme, soll spätestens im vierten Stadium der Raupe das Absaugen praktiziert werden, denn zu diesem Zeitpunkt sind die Härchen des Eichenprozessionsspinners noch nicht so gefährlich. Dafür sollen in diesem Sommer neben Boden-Teams insgesamt acht Steigerwagen zum Einsatz kommen.

Absaugen der Raupen ist günstiger

Warum man diese Verfahren derzeit den Wollbändern, die von ihrem Erfinder auch mit Auffangvorrichtungen für die Raupen angeboten werden, vorzieht? Das Absaugen sei zunächst einmal günstiger, so Menke. Auch müssten die Ringe nach dem Aufhängen regelmäßig kontrolliert werden, das sei bei so vielen Bäumen nicht zu machen.

Andreas Hill , der Telgter Entdecker der Methode, bietet die Wollbänder für 15 Euro pro laufendem Meter an. Weitere neun Euro kostet ein Auffangsystem für die Raupen. Das Absaugen taxiert Stadtförster Menke auf acht bis zehn Euro pro Baum. Hill jedoch ist der Ansicht, sein Ring könne nicht nur in einem Sommer verwendet werden, sondern eigne sich auch für die Jahre darauf.

Mehr Infos zu den Wollbändern bei Andreas Hill unter info@woll-ex.de.

Was man über den Eichenprozessionsspinner wissen sollte

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  • Im Münsterland breitet sich der Eichenprozessionsspinner auch 2020 wieder breit aus. Der Körper der bis zu fünf Zentimeter langen Raupe ist mit gefährlichen Brennhaaren übersät. Die Raupe ist an einem schwarz-braunen Streifen auf dem Rücken zu erkennen.

    Foto: Patrick Pleul (dpa)
  • Hauptsächlich an Eichen, manchmal aber auch an Hainbuchen spinnen die Raupen ihre Nester.

    Foto: Michael Schwakenberg
  • Aus Gelegen von 100 bis 200 Eiern schlüpfen Anfang Mai kleine Larven, die bis zur Verpuppung fünf bis sechs Stadien durchlaufen. Nach der Verpuppung ist das Tier ein brauner, unscheinbarer Nachtfalter.

    Foto: Bodo Marks (dpa)
  • Im „Gänsemarsch“ gehen die Raupen auf die Suche nach Nahrung – bevorzugt Eichenblätter. Durch diese „Prozession“ sind die Tiere zu ihrem Namen gekommen.

    Foto: Peter Roggenthin (dpa)
  • Ab dem dritten Stadium entwickeln sich bei den Larven Brennhaare mit Widerhaken, die ein Nesselgift (Thaumetopoein) enthalten. Bei unmittelbarem Kontakt kann das zu Hautentzündungen führen, bei empfindlichen Menschen auch zu allergischen Reaktionen. Typische Symptome sind Juckreiz, Hautrötung und Bläschen. Die Beschwerden klingen meist nach wenigen Tagen ab.

    Foto: Bernd Schäfer
  • Wer ein Nest entdeckt, sollte es deshalb nicht anfassen, sondern eine Fachfirma mit der Entfernung beauftragen, raten Behörden.

    Foto: hbm
  • So sieht ein entferntes Nest aus. Hohe Temperaturen und wenig Regen im Mai und Juni begünstigen die Verbreitung der Raupen.

    Foto: Paul Meyer zu Brickwedde
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