Kunstwerke für Diakonie-Seniorenzentren
Baumgärtels Bananenbild wirbt für Corona-Impfung

Münster -

Wie politisch kann eine Banane sein? Sehr – wenn es eine aufgesprayte Banane des international bekannten Künstlers Thomas Baumgärtel ist. Mit seiner aktuellen Bananen-Kreation macht Baumgärtel klar, wie viel er von Corona-Impfungen hält . . . [mit Video]

Dienstag, 23.03.2021, 20:30 Uhr
Noch ein bisschen pusten, damit die Farbe nicht zerläuft: Thomas Baumgärtel sprüht seine „Impfbanane“ auf eine Metalltafel vor der Tür von Haus Simeon.
Noch ein bisschen pusten, damit die Farbe nicht zerläuft: Thomas Baumgärtel sprüht seine „Impfbanane“ auf eine Metalltafel vor der Tür von Haus Simeon. Foto: Oliver Werner

Wenn es ums Impfen geht, versteht Thomas Baumgärtel keinen Spaß. „Das ist der einzige Weg, zur Freiheit zurückzukommen“, sagt der Kölner Künstler entschieden. Und da Freiheit sein großes Thema ist, hat er der Corona-Impfkampagne ein eigenes Kunstwerk gewidmet: die Impfbanane. Am Dienstagmittag wurde sie zum ersten Mal in Münster aufgesprüht – vor die Tür des Seniorenzentrums Haus Simeon am Berg Fidel. Als Ausdruck der Anerkennung.

Die Banane ist seit 35 Jahren Thomas Baumgärtels Markenzeichen . Ihr Siegeszug begann Ende der 80er- Jahre als Street-Art, die in Nacht und Nebel an die Wände von Museen und Galerien gesprüht wurde. Auch das Landesmuseum soll damals von ihm heimgesucht worden sein. Mittlerweile ist Baumgärtel eine internationale Bananen-Berühmtheit: Als er 2018 den Westfälischen Kunstverein mit einer Banane bedachte, galt es schon als große Ehre.

Drei Impfbananen für die Diakonie

Die Ehre gebührt nun der Diakonie Münster und ihren drei Einrichtungen Haus Simeon, Martin-Luther-Haus und Handorfer Hof, die jeweils eine eigene Impfbanane bekommen haben – denn dort sind alle Bewohnerinnen und Bewohner sowie fast alle Beschäftigten geimpft. Richtig so, meint Thomas Baumgärtel: Auf seinen Bildern verdrängt der bananengelbe Impfstoff die rote Entzündung samt schlammgrüner ­Pro­tein-Pustel. Das Motiv sei entstanden, als der erste Impfstoff zugelassen wurde; seitdem ziert es Impfzentren und soziale Einrichtungen im ganzen Land. Roland Weigel, Koordinator des Projekts „Starke Pflege in Münster“, hatte die Baumgärtel-Ausstellung „Kunst heilt“ in Hilden gesehen und den Kontakt vermittelt.

Erinnerung an den Impftag

Für Diakonie-Geschäftsführer Ulrich Watermeyer und Einrichtungsleiter Klaus Wienker ist die kleine Sprüh-Aktion eine Erinnerung an den Befreiungsschlag am 31. Dezember, als im Haus Simeon 300 Impfungen auf einen Streich verabreicht wurden. Seitdem sei die Situation im Seniorenzentrum für alle Beteiligten deutlich entspannter, auch weil die Maskenpflicht für die Bewohner aufgehoben werden konnte. Für den berühmten Künstler wurde eigens eine repräsentative Metalltafel vor die Tür geschraubt – dabei hätte der seine Impfbanane auch direkt auf Stein und Fuge gesprüht . . .

Für die Impfbanane kamen drei Schablonen zum Einsatz.

Für die Impfbanane kamen drei Schablonen zum Einsatz. Foto: Oliver Werner

Thomas Baumgärtel versteht sich als politischer Künstler, der mit seiner freiheitsliebenden klassisch-schwarzgelben Banane auch die Mächtigen der Welt verspottet – und dafür schon einigem Druck standhalten musste. Die Impfbanane habe ihm bislang noch keinen Gegenwind beschert, auch wenn er damit Stellung gegen verbreitete Impf­skepsis bezieht: „Man glaubt gar nicht, was da alles im Umlauf ist“, meint er. „Wenn die Medizin etwas Tolles hervorgebracht hat, dann das Impfen!“

Bananen-Kunst von Thomas Baumgärtel

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  • Seine Bananen machten den Kölner Künstler Thomas Baumgärtel weltbekannt.

    Foto: Franz Peter Tschauner/dpa
  • 1998 sorgte das rund zwölf Meter lange und vier Meter hohe Abbild einer halben Banane vor dem Kölner Dom für Aufsehen. Der Künstler sah die Skulptur als Aufforderung zum Dialog an die Kirche. Diese schloss aber erst einmal das Hauptportal.

    Foto: Roland Scheidemann/dpa
  • 2006 gab es die Ausstellung "Krumme Dinger" im Kölner Oberlandesgericht zu sehen. Ein Hinweis auf Baumgärtels Vergangenheit. Denn wegen seiner Graffiti geriet Baumgärtel bisweilen auch mit dem Gesetz in Konflikt.

    Foto: Jörg Carstensen/dpa
  • Schließlich durfte Baumgärtel das Oberlandesgericht in Köln ganz offiziell mit einer Bananen versehen.

    Foto: Jörg Carstensen/dpa
  • An Tausenden Gebäuden hat der Künstler mittlerweile seine Bananen gesprüht - mittlerweile gilt das als Auszeichnung. Seine Werke, hier die "Bananenenzyklopädie" werden in Museen ausgestellt.

    Foto: Roland Weihrauch/dpa
  • Mit seinen Bananen setzt Baumgärtel auch politische Zeichen: 2003 hisste er eine "Friedensbanane" nahe des Reichtagsgebäudes in Berlin, um gegen gegen den bevorstehenden Irak-Krieg zu protestieren. 

    Foto: Stephanie Pilick/dpa
  • 2017 schuf Baumgärtel das Werk «Türkischer Diktator».

    Foto: Uli Deck/dpa
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