Coronavirus in Münster
Deutlicher Anstieg bei stationären Covid-Behandlungen

461 Münsteranerinnen und Münsteraner sind Stand Donnerstag nachweislich mit dem Coronavirus infiziert, die 7-Tage-Inzidenz ist entgegen dem NRW-Trend gestiegen. Die Krankenhäuser in Münster beobachten die Entwicklung der Belegungszahlen mit Sorge. 

Donnerstag, 08.04.2021, 13:09 Uhr aktualisiert: 08.04.2021, 15:08 Uhr
Coronavirus in Münster: Deutlicher Anstieg bei stationären Covid-Behandlungen
„Wir können in Münster zwar genügend Betten vorhalten, doch nicht genug Pflegekräfte“, sagte der Ärztliche Direktor des UKM kürzlich im WN-Interview. Laut ihm sind aber nur wenige der Corona-Patienten auf den Intensivstationen der hiesigen Krankenhäuser aus Münster. Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Waltraud Grubitzsch (Symbolbild)

Während die Inzidenz in Nordrhein-Westfalen einen leichten Rückgang verzeichnet, melden die münsterschen Krankenhäuser am Donnerstag (8. April) einen deutlichen Anstieg bei den Covid-bedingten Belegungszahlen. Aus einer Mitteilung der Stadt geht hervor, dass aktuell 45 Personen stationär behandelt werden. Davon befinden sich 18 Personen auf Intensivstationen, 12 müssen beatmet werden. Nach den Ostertagen und zum Beginn der Woche waren es noch 38 Personen, von denen zehn beatmet werden mussten, drei sind seitdem verstorben. Zuletzt hatte der Ärztliche Direktor des Universitätsklinikums Münster ( UKM ) gegenüber unserer Zeitung von erheblich steigenden Patientenzahlen in den Krankenhäusern berichtet . Dieser Trend sei an allen Unikliniken festzustellen.

49 Neuinfektionen, 46 Gesundmeldungen

Derweil ist auch die Anzahl aktuell infizierter Menschen in Münster weiter gestiegen. Mit 49 gemeldeten Neuinfektionen sind 461 Münsteranerinnen und Münsteraner mit dem Coronavirus infiziert.

Am Donnerstag gibt es aber auch 46 Gesundmeldungen, die Zahl der Todesfälle blieb seit Mittwoch (7. April) unverändert bei 106. Die 7-Tage-Inzidenz steigt entgegen dem NRW-Trend an: Laut dem Landeszentrum Gesundheit (LZG) liegt sie bei 54,9.

RKI warnt vor vorschnellen Schlüssen

Seit Beginn der Pandemie haben sich 6.588 Personen in Münster mit dem Virus infiziert, 6.021 sind wieder gesundet. Das Robert-Koch-Institut warnt derweil davor, die aktuellen Fallzahlen vorschnell zu bewerten. Man müsse davon ausgehen, dass sich rund um die Osterfeiertage weniger Menschen testen ließen, was zu einer geringeren Meldezahl an die Gesundheitsämter führe.

Mehr Freiheiten für Geimpfte - überfällig oder unfair?

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  • Unkomplizierteres Einkaufen, leichteres Reisen - die Debatte über mehr Freiheiten für Menschen, die vollständig gegen Corona geimpft sind, nimmt seit Ostern Fahrt auf. Noch ist unklar, inwieweit sich Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) mit seinem Vorstoß auch durchsetzen wird. Bisher gibt es nur Empfehlungen, mit denen sich die Ministerpräsidentenkonferenz in der kommenden Woche befassen soll. Rechtsexperten sind sich allerdings schon länger darin einig, dass an einer schrittweisen Lockerung der Grundrechtsbeschränkungen für Geimpfte kein Weg vorbeiführt.

    Foto: Bodo Schackow / dpa
  • Was ist aktuell im Gespräch und warum?

    Beim Impfen gab es bisher eine große Unbekannte: Profitieren davon auch die Mitmenschen? Oder können Geimpfte immer noch Überträger sein, also andere mit dem Virus anstecken?

    Jetzt geht das Robert Koch-Institut (RKI) in einem Bericht an Spahns Ministerium davon aus, "dass Geimpfte bei der Epidemiologie der Erkrankung wahrscheinlich keine wesentliche Rolle mehr spielen". Die Einschätzung bezieht sich auf das Übertragungsrisiko "spätestens zum Zeitpunkt ab dem 15. Tag nach Gabe der zweiten Impfdosis".

    Von wenigen Ausnahmen abgesehen will das RKI diese Menschen nicht mehr in Quarantäne schicken, wenn sie symptomfrei sind. Spahn will sie so behandeln, als ob sie frisch negativ getestet wären. 

    Foto: Michael Kappeler / dpa
  • Wieso könnte das ein wichtiger Wendepunkt sein?

    Der Staat darf prinzipiell niemals einfach so in Grundrechte eingreifen. Es bedarf immer einer Rechtfertigung. Und die Maßnahmen müssen verhältnismäßig sein. Von "Sonderrechten" oder "Privilegien" für Geimpfte zu sprechen, wie manche es tun, ist deshalb nicht unproblematisch.

    Tatsächlich muss sich die Politik ständig fragen: Ist es verfassungsrechtlich noch zulässig, diese oder jene Maßnahme aufrechtzuerhalten? Bisher wurde das auch für die Geimpften pauschal mitbeantwortet - weil niemand wusste, wie ansteckend sie sind. Neue Erkenntnisse dürften es nötig machen, genauer zu differenzieren.

    Foto: Bodo Schackow /dpa
  • Ist das nicht ungerecht den Ungeimpften gegenüber?

    In der Tat hatte bisher nur ein kleiner Teil der Bevölkerung eine Chance, sich impfen zu lassen.

    Der Deutsche Ethikrat sieht daher in einer Ad-hoc-Empfehlung von Anfang Februar die Gefahr, dass bei Lockerungen für Geimpfte die Solidarität bröckeln könnte - mit negativen Folgen für die Pandemiebekämpfung. Aber auch hier findet sich bereits der Hinweis, dass bei geklärtem Ansteckungsrisiko "individuelle Rücknahmen von Freiheitsbeschränkungen für geimpfte Personen vorstellbar und gegebenenfalls geboten" seien.

    Das Foto zeigt einen israelischen Mann mit dem sogenannten "Grünen Pass". In einem Versuch, aus den Corona-Maßnahmen zur Normalität zurückzukehren, hat die israelische Regierung damit begonnen, Zertifikate an Menschen auszugeben, die vollständig geimpft sind. 

    Foto: Ilia Yefimovich / dpa
  • Wie könnte sich Unruhe vermeiden lassen?

    Der Ethikrat schlägt vor, weniger einschneidende Maßnahmen wie die Abstandsregeln oder die Maskenpflicht in bestimmten Situationen für alle in Kraft zu lassen. Das halten auch Rechtsexperten für eher unbedenklich, denn hier ist der Grundrechtseingriff vergleichsweise gering. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass bei Lockerungen für Einzelne Chaos entsteht und Kontrolleure jeden Überblick verlieren. Auch Spahn will daran und an den Hygiene-Regeln festhalten.

    Denn das RKI geht zwar davon aus, dass sich Geimpfte viel seltener anstecken und wenn doch, dann selbst weniger ansteckend sind - dennoch müsse davon ausgegangen werden, dass einige von ihnen infektiöse Viren ausscheiden. Schutzmaßnahmen müssen also sein. Aber, so Spahn: "Wer vollständig geimpft wurde, kann beim Reisen oder beim Einkaufen wie jemand behandelt werden, der ein negatives Testergebnis hat."

    Foto: Marcus Brandt / dpa
  • Wie sind diese Pläne rechtlich zu bewerten?

    Viele Juristen halten diese und andere Erleichterungen sogar für zwingend. Schwere Grundrechtseingriffe wie zum Beispiel die zeitweise Schließung eines Friseursalons seien bei Personen, von denen keine Gefahr mehr ausgehe, "nicht mehr zu rechtfertigen", heißt es in einem Papier des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags von Ende Januar.

    Auch Ausgangssperren, Kontaktverbote oder Quarantäne-Auflagen für Geimpfte sind für Experten tabu. Der Gießener Jura-Professor Steffen Augsberg fordert die Landesregierungen auf, in ihren Verordnungen so schnell wie möglich Ausnahmen vorzusehen. "Und wenn sie das nicht tun, müssen die Gerichte einschreiten", sagte er dem Fachportal "Legal Tribune Online". Er rechnet Geimpften auch gute Chancen aus, etwa die Möglichkeit zum Theaterbesuch einzuklagen.

    Foto: GaToR/Fotolia
  • Gibt es schon solche Gerichtsentscheidungen?

    Bisher waren die Gerichte in dem Punkt sehr vorsichtig, aber möglicherweise setzt gerade ein Umdenken ein:

    Aktuell kämpft ein Seniorenzentrum in Südbaden darum, seine Cafeteria für geimpfte wie genesene Bewohner und Mitarbeiter wieder öffnen zu dürfen.

    Der Verwaltungsgerichtshof in Mannheim hatte das zunächst abgelehnt - um nun nachträglich doch einen Vergleichsvorschlag zu unterbreiten, wegen der neuen RKI-Einschätzung. Noch ist unklar, ob Heim und Landratsamt darauf eingehen. Sonst wird das Bundesverfassungsgericht demnächst entscheiden. Dort ist der Fall bereits anhängig.

    Foto: dpa

Impfungen schreiten voran 

Gute Nachrichten liefert hingegen das Impfzentrum in Münster. Aktuell sind knapp 59.000 Menschen (davon circa 2.000 in ärztlichen Praxen) mindestens erstgeimpft. Über 20.000 Personen sind vollständig immunisiert. In der Politik werden derweil Freiheiten für vollständig Geimpfte diskutiert. 

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