Münster
29 Obdachlose mit Coronavirus infiziert

Münster -

29 Bewohner und zwei Mitarbeiter des Hauses der Wohnungslosenhilfe haben sich mit dem Corona-Virus infiziert. Münsters Inzidenz ist so hoch wie seit zwei Monaten nicht. 

Montag, 12.04.2021, 18:15 Uhr aktualisiert: 12.04.2021, 18:35 Uhr
Münster: 29 Obdachlose mit Coronavirus infiziert
Im Haus der Wohnungslosenhilfe (r.) sind am vergangenen Wochenende 31 Corona-Infektionen festgestellt worden. Foto: Martin Kalitschke

Ein Schnelltest am Samstag brachte die schnelle Gewissheit: 29 Obdachlose und zwei Mitarbeiter aus dem Haus der Wohnungslosenhilfe an der Bahnhofstraße haben sich mit dem Corona-Virus infiziert. Das bestätigte die Stadt am Montag.

Zwei Bewohner müssen im Krankenhaus behandelt werden. Die Infizierten, die überwiegend milde Verläufe hätten, seien in einem Teil der Unterkunft isoliert, sagte Thomas Mühlbauer vom Haus der Wohnungslosenhilfe. Die übrigen Bewohner befänden sich in einem anderen Bereich der Einrichtung der Bischof-Hermann-Stiftung in Quarantäne.

Deutlich weniger Bewohner wegen Corona

Das wegen der festgestellten 31 Infektionen geschlossene Haus der Wohnungslosenhilfe kann bis zu 80 Personen aufnehmen, wegen der Pandemie leben dort aktuell aber nur 48 Menschen. „Dieser plötzliche Corona-Ausbruch zeigt erneut, wie schnell sich das Pandemiegeschehen in der laufenden dritten Welle entwickelt. Die Einhaltung der Hygieneregeln bleibt unabdingbar“, sagte Krisenstabsleiter Wolfgang Heuer .

Münsters Inzidenz ging durch den entdeckten Corona-Hotspot in die Höhe. Der Wert betrug am Montag 90,4. Die Zahl der registrierten Neuinfektionen ist seit Freitag um 108 Fälle gestiegen. Am Montag galten 533 Münsteranerinnen und Münsteraner als infiziert. Dazu zählt eine Mitarbeiterin des Bürgerbüros Hiltrup, bei weiteren Mitgliedern des Teams besteht ein Verdacht der Infektion. Das Bürgerbüro Hiltrup bleibt deshalb vorerst geschlossen.

Britische Mutante breitet sich aus 

Immer mehr Münsteraner stecken sich in diesen Tagen mit der britischen Mutante des Corona-Virus an. „Das geschieht vornehmlich im privaten Bereich“, bestätigt Heuer. Neben dem Hotspot im Haus der Wohnungslosen gebe es ein diffuses Infektionsgeschehen in Münster.
Die Stadt beobachtet und beklagt eine Abnahme der Regeltreue bei den Münsteranern. So habe offenbar, wie größtenteils in ganz Deutschland, das Verständnis für die erforderlichen Maßnahmen und die Kooperationsbereitschaft nachgelassen. Bei der Kontaktdatenermittlung gebe es zum Beispiel widersprüchliche Aussagen, heißt es. Einige Personen müssten bereits mehrfach in Quarantäne.

Die Inzidenz steigt an . Die Stadt stellt sich mit Blick auf die vermehrten Kontakte an den Ostertagen auf noch höhere Werte ein. Dazu kommt, dass sich immer mehr Münsteraner auf Corona testen lassen. So tauchen symptomlose Verläufe auch in der Statistik auf, die sonst nicht entdeckt worden wären.
Trotz der gestiegenen Inzidenz hält Heuer am geplanten Modellversuch mit möglichen Lockerungen fest, wenn die Zahlen stimmen. „Es ist wichtig, Perspektiven für die Menschen zu erarbeiten und dafür auf unsere bisherigen Erfolge im Kampf gegen die Pandemie aufzubauen.“

Kommentar: Ein Hotspot reicht

Ja, es wird endlich mehr geimpft. Und ja, es wird endlich mehr getestet. Wer glaubt, dass wir durch diese ersten, so lange überfälligen Fortschritte die Corona-Pandemie bereits im Griff haben, der irrt sich gewaltig. Ein Hotspot, wie aktuell im Haus der Wohnungslosenhilfe, reicht, und die Inzidenz schießt in die Höhe.

Münsters Richtwert ist so hoch wie seit Januar nicht mehr. Dabei sind die Schulen noch geschlossen und die Auswirkungen der Ostertage in der Statistik noch nicht ablesbar. Dazu kommen immer mehr Patienten mit schweren Corona-Verläufen auf Intensivstationen. Die britische Mutation ist ansteckender und gefährlicher.

Was bedeutet der plötzliche Anstieg der Infektionszahlen für die ab 19. April vorgesehenen Öffnungen in der Modellstadt Münster? Nichts Gutes! Klettert die Inzidenz über 100, ist der Traum von Lockerungen geplatzt. Kultur- und Sportveranstaltungen mit Zuschauern wären ohnehin merkwürdig, solange Schulen geschlossen sind

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