Universitätsrektor Prof. Dr. Johannes Wessels zum „Musik- und Bürger-Campus“
„Wir haben eine einmalige Chance“

Im Interview äußert sich Prof. Dr. Johannes Wessels, Rektor der Westfälischen Wilhelms-Universität, über die Pläne für einen Musikcampus auf dem Universitätsgelände in Münster nahe dem Schloss.

Montag, 09.07.2018, 17:52 Uhr
Prof. Dr. Johannes Wessels
Prof. Dr. Johannes Wessels Foto: Aa Seerenade

Münster soll einen Musikcampus bekommen. Wie entstand die Idee?

Johannes Wessels : Die beengten Verhältnisse in unserer Musikhochschule und die unzureichenden Möglichkeiten für große Konferenzen und Tagungen an der WWU beschäftigen uns schon sehr lange. Wir wissen auch um die Raumnot der städtischen Musikschule und des Sinfonieorchesters. Da lag und liegt es nahe, darüber nachzudenken, ob es uns nicht gemeinsam gelingen kann, ein neues Angebot für alle münsterschen Musikakteure und gleichzeitig ein attraktives Konferenzzentrum nach internationalem Standard zu schaffen. Ich bin sicher: Wir haben damit die einmalige Chance, ein national bedeutendes Alleinstellungsmerkmal für den Wissenschafts- und Kulturstandort Münster zu verwirklichen.

Wie können die verschiedenen Musikinstitutionen voneinander profitieren?

Wessels: In Münster und Umgebung gibt es über alle Alters- und Professionalitätsstufen hinweg eine Vielzahl von Sängern, Chören, Ensembles, Big Bands, Akademien, Studierenden und Akteuren in der Freien Szene. Durch das Zusammenbringen von Musikhochschule, städtischer Musikschule und Sinfonieorchester eröffnen sich neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit; neue Ideen und Konzepte können entstehen. Alle Akteure sollen nach den jeweiligen Möglichkeiten von einem deutlich verbesserten Angebot profitieren: mehr und bessere Probe-Räume, eine bessere Akustik, bessere Kooperations- und Austauschmöglichkeiten, eine optimale Begabungsförderung. Natürlich sollen und würden auch die Zuhörer von diesem Potenzial profitieren, sodass wir gleichzeitig die Gelegenheit haben, den Musikcampus als einen Bürgercampus im besten Sinne zu realisieren.

Funktioniert eine Halle für Musik und für Kongresse akustisch oder immer nur „kompromisslerisch“ halb gut?

Wessels: Wir wissen von Beginn an um diese besondere Herausforderung. Das Gesamtkonzept sieht deshalb einen Konzertsaal vor, bei dessen Planung wir uns zu allererst an den musikalischen beziehungsweise akustischen Erfordernissen orientieren. Die Musik muss die erste Geige spielen – daran haben wir ein ureigenes Interesse. Dies hat somit auch für uns eindeutig Priorität – einen solchen Saal schließlich auch anderweitig, beispielsweise für Konferenzen, zu nutzen, ist unserer Überzeugung nach eine vergleichsweise leicht lösbare Aufgabe.

Ist der aktuell diskutierte Standort rund um das ehemalige WWU-Pharmaziegebäude an der Hittorfstraße eine nicht etwas tote Gegend?

Wessels: Ganz und gar nicht. Das Areal liegt nur wenige hundert Meter vom Schloss entfernt. Das nahe gelegene Coesfelder Kreuz ist mit zahlreichen Bussen optimal erreichbar, zudem gibt es das gleichnamige Parkhaus mit rund 1000 Plätzen. Zudem wächst Münster, wie wir alle wissen, und deshalb sollte man bei diesen Debatten nicht immer nur an das Gebiet innerhalb des Promenadenrings denken. Aber keine Frage: Die Stadt muss sich in diesem Zusammenhang überlegen, wie sie das Gebiet rund um das Coesfelder Kreuz in Bezug auf seine Aufenthaltsqualität, also beispielsweise mit Cafés und Restaurants, aufwertet.

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