Münsters „AaSeerenaden“ könnten zur Institution werden / Peter von Wienhardt erläutert das Konzept
„Crossover“ am malerischen See

Münster - Zum zweiten Mal gehen am letzten Wochenende vor den Sommerferien (15. bis 17. Juli 2011) die „AaSeerenaden“ über die Bühne. Verantwortlich für die programmatische Ausrichtung des dreitägigen Crossover-Kulturreigens mit Musik mehrerer Stilrichtungen ist der münsterische Musik-Professor Peter von Wienhardt (45). Mit ihm sprach unser Redaktionsmitglied Johannes Loy.

Mittwoch, 01.06.2011, 10:06 Uhr

Die Aaseerenaden gehen in die zweite Runde, also war die Premiere 2010 offenbar ein voller Erfolg ...

Peter von Wienhardt : Absolut. Akteure und Programm stimmten. Bis auf die Sahara-Temperaturen am zweiten Tag lief alles bestens. Wir hatten am ersten Tag 3800 und am zweiten, eher tropischen Tag etwa 2500 Besucher.

Könnten die Aaseerenaden also eine neue Kulturinstitution in Münster werden?

von Wienhardt: Das ist angedacht. Wir wollen uns aber auch nicht unter Druck setzen. Denn alle, die hier mitarbeiten, tun dies neben ihrem Hauptberuf. Wir werden es jeweils vom Erfolg der Konzerte abhängig machen, ob, in welchem Zeitabstand und mit welchem Programm es weitergeht.

Was ist die besondere Eigenart der Aaseerenaden?

von Wienhardt: Wir ge- hen zunächst einmal von der Grundfrage aus: Was will das Publikum hören? Ich bin an der Musikhochschule in Münster Professor für Kla- vier und Crossover . Im Be- reich Crossover, also der Ver- einigung verschiedener Mu- sikstile, werden in Deutschland - von subventionierten Theatern einmal abgesehen - anscheinend mehr Karten verkauft als bei der reinen Klassik.

Könnten Sie den Begriff Crossover noch näher eingrenzen?

von Wienhardt: Natürlich. Zunächst einmal kann man Musik nicht reduzieren auf bestimmte Musikrichtungen. Crossover ist auch nicht nur das, was Menschen mit Richard Clayderman , Rondo Veneziano oder neuerdings mit David Garrett verbinden. Es geht auch nicht einfach nur darum, dass jemand Klassik verjazzt. Crossover bedeutet im eigentlichen Sinne, dass zwei Dinge, die zunächst einmal nichts miteinander zu tun haben, außerhalb ihrer eigenen Bestimmung zusammengeführt werden und etwas Neues ergeben. Nehmen sie Zigeunermusik und die Zeit der Romantik. Das ergibt bei Brahms die Ungarischen Tänze. Oder wir nehmen ein Sinfonieorches- ter und lassen es nicht im Konzertsaal, sondern in der Parklandschaft am Ufer des Aasees auftreten, auch das ist im besten Sinne Cross- over, also die Verknüpfung verschiedener Dinge und Welten.

Wie sieht also das Programm dieses Jahres aus?

von Wienhardt: Erklingen werden unter anderem die „Carmen-Fantasie“ von Pab- lo de Sarasate, der „Schleier- tanz der Salome“ von Ri-chard Strauss und Maurice Ravels „Bolero“. Es gibt or- chestrale Tangos, von mir bearbeitet, der Solopianist Hans Martin Limberg wird seine Werke spielen. Es erklingt Beethovens famose „Neunte“ und Prof. Rolfes wird mit der Klaus Lage Band am Auftaktabend der Aaseerenaden für sommerliche Stimmung sorgen.

Damit sind wir schon bei den weiteren Akteuren...

von Wienhardt: Es gehört sozusagen zur Grundphilosophie dieses Kulturfestivals, dass wir heimische Akteure und Gäste, die sich entweder gerade in der Region befinden oder als gute münsterische Nachbarn bekannt sind, für die Aaseerenaden verpflichten. In diesem Jahr wird sozusagen die schon seit geraumer Zeit hervorragend praktizierte Partnerschaft zwischen Münster und Enschede fortgesetzt. Zum hiesigen Sinfonieorchester der Stadt Münster gesellen sich das Orkest van het Oosten aus Enschede und das Orchester der Musikhochschule Münster.

Bleiben da noch Wünsche offen?

von Wienhardt: Doch, doch: Wir wünschen uns erträgliches Wetter in jeder Beziehung. Sommerlich, aber nicht zu heiß und vor allem trocken von oben.

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