Unheimliche Brandserie in Münster
Angst vor dem Feuerteufel

Münster -

In den meisten Fällen kommt er deutlich nach Mitternacht. In der Nacht zu Freitag hat er zum 26. Mal zugeschlagen. Münster sucht den Feuerteufel – die Polizei hat kaum Spuren.

Freitag, 27.09.2013, 17:09 Uhr

Die Fallanalytiker des Landeskriminalamtes sehen bisher keinen roten Faden, gehen aber von einer Serie aus. „Sie bestätigen damit unsere Auffassung“, sagt der münsterische Polizeisprecher Roland Vorholt .

Begonnen hat alles am 28. März. 30 Autos, zwei Kleintransporter und zwei Motorräder standen seitdem auf der Liste des oder der Täter, jetzt müssen erneut zwei Autos addiert werden. Und seit dem 22. September haben die Taten, auch aus strafrechtlicher Sicht, eine neue Dimension – es brannte in zwei Mehrfamilienhäusern. Vorholt: „Es waren erstmals Menschen gefährdet.“

Münster: Feuerteufel treibt sein Unwesen

Ermittelt wird in alle Richtungen. Nur eine politische Straftat schließt die Polizei aus. Vorholt: „Das kann krankheitsbedingt oder sexuell motiviert sein. Es kann auch Gewalt sein, die sich gegen alles und jeden richtet.“ Die Schadenshöhe bei den Fahrzeugen liegt mittlerweile bei knapp 300 000 Euro, mit den beiden Bränden in den Mehrfamilienhäusern ist die Halbe-Million-Euro-Grenze längst überschritten. Ob Einzeltäter oder Gruppe, die Polizei weiß es nicht. Sie weiß, dass die Taten fast immer im Zentrum der Stadt und der Hafengegend verübt werden. Und dass der oder die Brandstifter weit nach Mitternacht kommen. „Das ist kein dummer Jungenstreich. Die kriminelle Energie ist enorm“, sagt Vorholt.

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Mit einfachen Mitteln werden die Autos in Flammen gesetzt, aber immer so, dass genug Zeit bleibt, um sich noch aus dem Staub zu machen. Bei den Ermittlungen kommt dem Täter die Hitze zur Hilfe. Bei Temperaturen über 1000 Grad Celsius verbrennt fast alles: „Da findet man keine Fingerspuren.“ Auch bei der zeitlichen Abfolge ist kein Muster zu erkennen. Der Feuerteufel macht Pausen zwischendurch. Und mit jedem weiteren Brand wächst die Angst der Polizei vor Trittbrettfahrern. „Wir sind nachts in Uniform und in Zivil auf der Straße. Durch die uniformierten Beamten hoffen wir, abschreckend zu wirken.“ Vorholt rät den Münsteranern, ihre Haustüren zu verschließen – auch die Keller. „Wir wollen die Fälle aufklären. Natürlich machen wir uns seit dem vergangenen Wochenende Sorgen. Ich glaube aber, dass er keine Menschenleben absichtlich gefährden will“, sagt der Hauptkommissar.

Und die Polizei greift bei ihren Ermittlungen auf alle Möglichkeiten zurück, die ihr zur Verfügung stehen. Das beginnt bei Aufrufen an die Bevölkerung und geht über Handyortungen bis hin zur Suche mit dem Hubschrauber und Infrarotkameras wie in der Nacht zu Freitag. Und mit jedem weiteren Brand wird die Gefahr, erwischt zu werden, für den Täter größer. Roland Vorholt: „Wir bitten alle, denen etwas auffällt, sich zu melden. Jemand, bei dem man denkt, er bindet sich einen Schuh zu, kann auch gerade ein Auto anzünden.“

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