Umbau von Münsters Hauptbahnhof
Sechs Bahnhöfe seit 1848

Münster -

Am Samstag wird die neue Eingangshalle des Hauptbahnhofs in Münster eröffnet. Es ist nicht das erste Mal, das das Gebäude ein neues Gesicht erhält. Die münsterische Bahnhofsgeschichte – sie ist zugleich eine kleine Architekturgeschichte.

Mittwoch, 21.06.2017, 13:06 Uhr

Vor knapp 170 Jahren wurde in Münster der erste Hauptbahnhof eröffnet. Die Einweihungsfeier war wirklich beeindruckend: Nach 50 ohrenbetäubenden Kanonenschüssen gab es für die Ehrengäste im Hotel „König von England“ ein 13-gängiges Festmenü.

Weitere Bahnhofsgebäude folgten in den Jahren 1855, 1890, 1930 und – nach schweren Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg – 1958. Das Empfangsgebäude, das am 24. Juni feierlich eröffnet wird, ist also der sechste münsterische Hauptbahnhof.

Während Münsters erster Hauptbahnhof, 1848 mit 50 Kanonenschüssen seiner Bestimmung übergeben, mit Türmchen und pittoresken Zinnen glänzte, besticht das neueste Gebäude mit einer lichtdurchlässigen Glasfassade.

Bilder aus dem neuen Bahnhof

1/24
  • Bilder vom Bahnhofsumbau.

    Foto: Oliver Werner
  • Bilder vom Bahnhofsumbau.

    Foto: Oliver Werner
  • Bilder vom Bahnhofsumbau.

    Foto: Oliver Werner
  • Bilder vom Bahnhofsumbau.

    Foto: Oliver Werner
  • Bilder vom Bahnhofsumbau.

    Foto: Oliver Werner
  • Bilder vom Bahnhofsumbau.

    Foto: Oliver Werner
  • Bilder vom Bahnhofsumbau.

    Foto: Oliver Werner
  • Bilder vom Bahnhofsumbau.

    Foto: Oliver Werner
  • Die Container hinter dem Bahnhof gehören bald der Vergangenheit an.

    Foto: Oliver Werner
  • Bilder vom Bahnhofsumbau.

    Foto: Oliver Werner
  • Bilder vom Bahnhofsumbau.

    Foto: Oliver Werner
  • Bilder vom Bahnhofsumbau.

    Foto: Oliver Werner
  • Bilder vom Bahnhofsumbau.

    Foto: Oliver Werner
  • Bilder vom Bahnhofsumbau.

    Foto: Oliver Werner
  • Bilder vom Bahnhofsumbau.

    Foto: Oliver Werner
  • Bilder vom Bahnhofsumbau.

    Foto: Oliver Werner
  • Bilder vom Bahnhofsumbau.

    Foto: Oliver Werner
  • Bilder vom Bahnhofsumbau.

    Foto: Oliver Werner
  • Bilder vom Bahnhofsumbau.

    Foto: Oliver Werner
  • Bilder vom Bahnhofsumbau.

    Foto: Oliver Werner
  • Bilder vom Bahnhofsumbau.

    Foto: Oliver Werner
  • Bilder vom Bahnhofsumbau.

    Foto: Oliver Werner
  • Bilder vom Bahnhofsumbau.

    Foto: Oliver Werner
  • Die Container hinter dem Bahnhof gehören bald der Vergangenheit an.

    Foto: Oliver Werner

Und dazwischen? Ein Bahnhof, der auch in der Toskana stehen könnte (1855), ein Bahnhof, der gut in den Orient passen würde (1890), der gleiche Bahnhof ohne Orient-Schnickschnack, dafür im Stil der Neuen Sachlichkeit (1930) – und schließlich der 1958 entstandene Nachkriegs-Neubau, unscheinbar, schlicht, so richtig schön nur auf Aufnahmen, die nachts gemacht wurden.

Der Anfang: Anschluss ans Eisenbahnnetz

Zurück zu den Anfängen: Bereits 1825 machte sich Friedrich Harkort dafür stark, eine Eisenbahn zwischen Rhein und Weser zu bauen. Der Unternehmer und Politiker erkannte damit früh den wirtschaftlichen und militärischen Nutzen dieses neuen Verkehrsmittels. Es folgten jahrelange Diskussionen über den Streckenverlauf zwischen Köln und Minden. Münster wollte natürlich angebunden werden, besonders der Verein der Kaufmannschaft machte sich dafür stark. Doch aus wirtschaftlichen Gründen fiel schließlich die Entscheidung, die Bahn über Hamm statt über Münster fahren zu lassen.

Das 1841 in Münster gegründete Eisenbahnkomitee konzentrierte sich nun darauf, dass die Stadt wenigstens über eine Stichbahn Anschluss an das Eisenbahnnetz erhält. Diese wurde schließlich 1846 vom preußischen König genehmigt. Am 25. Mai 1848 fand die Eröffnung statt.

Sieben Jahre nach Einweihung des ersten Bahnhof-Gebäudes wurde 1855 bereits das zweite seiner Bestimmung übergeben. Ein Jahr später führte die Westfälische Eisenbahn von Hamm über Münster bis nach Rheine. Die Strecke folgte in etwa dem Verlauf der heutigen Piusallee – durch Gärten und Felder.

Eröffnung des neuem Zentralbahnhofes

Von 1870 bis 1873 errichtete die Köln-Mindener Eisenbahngesellschaft eine Bahnstrecke von Wanne bis Osnabrück. Da sie nicht mit der Westfälischen Eisenbahn kooperierte, baute die Köln-Mindener eine neue, parallel zur bestehenden verlaufende Bahnstrecke. Auch ein zweiter Bahnhof wurde errichtet, der „Köln-Mindener Bahnhof“.

Nach wenigen Jahren verlor er seine Bedeutung jedoch rasch wieder. 1880 wurden die Eisenbahnen verstaatlicht, parallel verlaufende Gleise und doppelte Bahnhöfe wurden abgeschafft. 1890 wurde in Münster ein neuer Zentralbahnhof eröffnet. Damals entstanden auch die Unterführungen an Wolbecker und Warendorfer Straße. Vor dem Empfangsgebäude entstand ein großzügiger Vorplatz. Der ehemalige Köln-Mindener Bahnhof wurde überschüttet.

Der neue Hauptbahnhof 2017

Mit Aufnahme der Planungen für die Strecke Münster-Lünen mussten die Kapazitäten des Bahnhofs ausgebaut werden. In den Zwanziger Jahren fuhren Tag für Tag bereits mehr als 800 Züge durch Münsters Bahnhof, werktags stiegen hier 9000 Personen ein und aus, an Sonntagen sogar mehr als 15 000.

Das Gebäude wurde dann Ende der Zwanziger Jahre umgebaut und 1930 – passend zum Katholikentag, zu dem mehr als 100 000 Besucher mit dem Zug anreisen – mit neuem Gesicht seiner Bestimmung übergeben. Die Fassade war nun deutlich schlichter als vor dem Umbau, für Reisende gab es jetzt Waschräume, Toiletten und einen Friseursalon.

Ab 1948 Bahnverkehr reaktiviert

Erstmalig konnten Reisende den münsterischen Bahnhof nun auch in Richtung Ostviertel verlassen – zuvor gab es einen solchen Ostausgang nicht; die Reisenden gelangten bis dahin lediglich durch den 1913 eröffneten Hamburger Tunnel in die östlich gelegenen Stadtviertel.

Im Zweiten Weltkrieg verlor der Bahnhof seine Bedeutung als Reisedrehscheibe. Stattdessen fuhren hier Deportationszüge ab – und Züge mit Zwangsarbeitern trafen ein. Weit über 10 000 Zwangsarbeiter gelangten damals nach Münster.

Der Bahnhof befand sich zu jener Zeit nicht mehr an der Bahnhofstraße – sondern an der „Adolf-Hitler-Straße“. Als Münster am 2. April 1945 besetzt wurde, war der Bahnhof schwer beschädigt, die Bahnhofanlagen waren von Bombentrichtern übersät. Ab 1948 lief der Bahnverkehr jedoch wieder.

Die ersten Bilder aus dem Bahnhof Münster

1/8
  • Die ersten Bilder aus dem Inneren des münsterischen Bahnhofs.

    Foto: Oliver Werner
  • Die ersten Bilder aus dem Inneren des münsterischen Bahnhofs.

    Foto: Oliver Werner
  • Die ersten Bilder aus dem Inneren des münsterischen Bahnhofs.

    Foto: Oliver Werner
  • Die ersten Bilder aus dem Inneren des münsterischen Bahnhofs.

    Foto: Oliver Werner
  • Die ersten Bilder aus dem Inneren des münsterischen Bahnhofs.

    Foto: Oliver Werner
  • Die ersten Bilder aus dem Inneren des münsterischen Bahnhofs.

    Foto: Oliver Werner
  • Die ersten Bilder aus dem Inneren des münsterischen Bahnhofs.

    Foto: Oliver Werner
  • Die ersten Bilder aus dem Inneren des münsterischen Bahnhofs.

    Foto: Oliver Werner

Bereits 1947 gab es einen städtebaulichen Wettbewerb zur Umgestaltung des Bahnhofsviertels. Umgesetzt wurde am Ende ein Plan von Hans Ostermann. Er schlug vor, den Bahnhof und sein Umfeld auf dem Grundriss der Vorkriegszeit zu gestalten. 1958 wurde schließlich der neue Hauptbahnhof eingeweiht – ein schlichter, schmuckloser Bau im Stil der 50er-Jahre, der nun für einen neuen, den sechsten Bahnhof Platz macht.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4947460?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F2661593%2F
Nachrichten-Ticker