Kritik vom Asta der Uni Münster
Anwesenheitspflicht-Pläne für Studierende sorgen für Empörung

Münster -

Diese Meldung sorgte in den sozialen Netzwerken für Verärgerung: Das «starre Verbot » von Anwesenheitspflichten in Seminaren will NRW-Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen abschaffen.  Auch der Asta der Uni-Münster kritisierte die Pläne der schwarz-gelben Landesregierung.

Freitag, 29.09.2017, 19:09 Uhr

Kritik vom Asta der Uni Münster: Anwesenheitspflicht-Pläne für Studierende sorgen für Empörung
Noch ist nicht sicher, ob in Münsters Uni künftig wieder eine Anwesenheitspflicht gelten wird. Eine Debatte über das Thema läuft. (Symbolbild) Foto: dpa

Julian Engelmann, Vorsitzender des Allgemeine Studierendenausschusses der Uni-Münster, sieht in der drohenden Wiedereinführung einer Anwesenheitspflicht einen "eklatanten Verstoß gegen die Studierfreiheit." Der Asta werde sich "mit aller Kraft" gegen diesen Verstoß einsetzen.

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Für seine Worte erntete Engelmann auf Facebook viel Zustimmung – offenbar sehen viele Studenten in der geplanten Wiederzulassung von Anwesenheitspflichten einen Rückschritt. Kritiker kreiden an, dass eine verpflichtende Präsenz vor allem zum Nachteil von Studierenden mit Kind, arbeitenden Studierenden und Studierenden mit Behinderung ausfalle und somit gerade die treffe, die ohnehin schon unter erschwerten Bedingungen studieren.

Die Meldung von Mittwoch

CDU/FDP-Regierung will Hochschulgesetz erneuern: An NRW-Unis soll wieder Anwesenheitspflicht gelten

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Auch positive Reaktionen

Es gibt aber auch Stimmen, die eine Wiedereinführung der Präsenzpflicht begrüßen würden. Ein Kommentator etwa beklagte, dass das allgemeine "Teilzeitstudieren" oft schon Richtung Hobby gehe und nicht mehr der Vorbereitung auf einen Beruf gerecht werde. 

Diese Studenten gibt es an jeder Uni

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  • Party-Tier oder karrierefixiert?

    Der eine würde dem Professor gerne den Beamer hinterhertragen, der andere nutzt die Zeit in den Seminaren, um mal wieder Ordnung in seine Apps zu bringen. Zum Semesterstart treffen auf dem Campus die verschiedensten Studenten aufeinander. Die Semesterferien sind vorbei, es wird wieder voll im Hörsaal. Doch wer drängt sich da eigentlich auf den Holzbänken? Vom Streber bis zum Senioren-Student - eine Typologie.

    Foto: colourbox.de
  • DER/DIE STREBSAME

    Er kommt extra früh zur Vorlesung, um sich auf den Platz am Gang zu setzen. Dass er damit die ganze Reihe blockiert, ist ihm egal. Schließlich kann er so schnell aufstehen, um mit dem Professor zu reden, sobald dieser den Raum betritt. Ein bisschen Netzwerken kann schließlich nicht schaden. Deswegen hat er auch damals diesen Job als studentische Hilfskraft angenommen - obwohl ihn die Bezeichnung eigentlich stört. Der Strebsame studiert vorzugsweise BWL. Sein Handy hat er immer im Blick. Dort blinken nicht nur Wirtschaftsnachrichten auf, sondern er wird auch daran erinnert, wann er das Sakko aus der Reinigung holen kann.

    Lieblingssatz: „Kann ich die Prüfung schon vorziehen?“

    Foto: colourbox.de
  • DER/DIE GELANGWEILTE

    Den Text fürs Seminar hat er nicht gelesen, der war ihm zu „lame“. Weil er deshalb nicht mitreden kann, muss sich der Gelangweilte anders beschäftigen. Dazu legt er das Handy betont lässig auf den Tisch und wischt auf der Dating-App Tinder herum. Bei Professoren und Dozenten macht sich dieser Typ nicht beliebt. Das ist ihm aber egal, schließlich weiß er eh noch nicht, ob er sich das Ganze noch lange antun will.

    Lieblingssatz: „Der Dozent hat uns nicht richtig vorbereitet. Jetzt muss ich wegen dem die Prüfung wiederholen.“

    Foto: colourbox.de
  • DER/DIE ALTE

    Sein natürliches Refugium ist die Uni nicht. Dennoch wagt sich der Seniorenstudent immer öfter in neues Terrain vor. Über 14 000 Menschen ab 65 Jahren teilten sich im vergangenen Semester mit jüngeren Studenten den Hörsaal - zwei Drittel mehr als vor 20 Jahren. Am liebsten besucht der Seniorenstudent Vorlesungen in Politik und Geschichte. Dort fungiert er gerne als Zeitzeuge. Ob zur Wiedervereinigung oder zum Rücktritt Bismarcks - zu jedem historischen Ereignis hat er eine sehr persönliche Geschichte zu erzählen.

    Lieblingssatz: „Ich weiß das. Ich war dabei.“

    Foto: colourbox.de
  • DER/DIE SOZIALE

    Das Willkommensgrillen für die Erstsemester oder der Papierflieger-Flashmob mitten in der Vorlesung: Ohne den Sozialen geht nichts. Plant jemand im Fachbereich eine Veranstaltung, sitzt er mit Sicherheit im Organisationskomitee. Auch bei der Studentenvertretung ist er dabei. Zwischendurch sein Studium zu beenden, fällt da schwer, ist aber für den Sozialen trotzdem nicht unmöglich. Seit er den Getränkestand beim letzten Bodenmechanik-Symposium aufgebaut hat, hat er schließlich die Nummer seines Professors im Handy gespeichert. Eine Nachricht, und schon steht ein neuer Abgabetermin für die Hausarbeit fest.

    Lieblingssatz: „Jemand noch ein Bierchen?“

    Foto: colourbox.de
  • DER/DIE POLITISCHE

    Ob Strafgesetzbuch oder Eiskunstlauf - für diesen Studententypen spielt jedes Thema auf einer höheren politischen Ebene. Um seine Kommilitonen aus den Geisteswissenschaften von seinen Ansichten zu überzeugen, holt er gerne weit aus. Meist mit selbst gedrehter Zigarette in der einen und frisch aufgebrühtem Mate-Tee in der anderen Hand. Der Politische gendert nicht nur seine Hausarbeitstexte, sondern benutzt die geschlechtsneutrale Sprache auch in Diskussionen.

    Lieblingssatz: „Ich würde mir wünschen, dass alle StudentInnen dazu Stellung beziehen.“

    Foto: dpa

Keine generelle Wiedereinführung

Universitäten in Nordrhein-Westfalen sollen laut Isabel Pfeiffer-Poensgen durch die geplante Gesetzesänderung künftig wieder die Anwesenheitspflicht der Studierenden in Seminaren verlangen können – es handelt sich also um eine sehr vage Ankündigung und noch bei Weitem nicht um eine flächendeckende Wiedereinführung der Präsenzpflicht.

Uni Münster hält sich bedeckt 

Die Uni Münster will noch keine Stellung zu dem Thema beziehen, da es sich aktuell lediglich um Überlegungen der Landesregierung handele. Erst wenn der Uni konkrete Pläne vorliegen, werde man sich voraussichtlich äußern, hieß es auf Nachfrage unserer Redaktion.

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