Münsterischer Bildungskongress
Begabungen besser fördern

Münster -

1200 Experten aus Bildungseinrichtungen diskutieren noch bis Samstag beim 6. münsterischen Bildungskongress über Wege zu besserem Unterricht. Bundesbildungsministerin Anja Kaliczek eröffnete den Kongress.

Donnerstag, 20.09.2018, 19:25 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 20.09.2018, 12:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Donnerstag, 20.09.2018, 19:25 Uhr
Bei der Eröffnungsveranstaltung diskutierten auf dem Podium (v.l.) Burkhard Jungkamp (ehemaliger Staatssekretär für Bildung und früherer Leiter des Hittorf-Gymnasiums), Bildungsforscher Jürgen Baumert , Martin Spiewak (Die Zeit, Moderator), Bundesbildungsministerin Anja Karliczek, Julian Nida-Rümelin (ehemaliger Staatsminister für Kultur, Professor LMU München), Christian Fischer (WWU, Leiter des Internationalen Centrums für Begabungsforschung).
Bei der Eröffnungsveranstaltung diskutierten auf dem Podium (v.l.) Burkhard Jungkamp (ehemaliger Staatssekretär für Bildung und früherer Leiter des Hittorf-Gymnasiums), Bildungsforscher Jürgen Baumert , Martin Spiewak (Die Zeit, Moderator), Bundesbildungsministerin Anja Karliczek, Julian Nida-Rümelin (ehemaliger Staatsminister für Kultur, Professor LMU München), Christian Fischer (WWU, Leiter des Internationalen Centrums für Begabungsforschung). Foto: Karin Völker

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek passierte am Mittwochnachmittag das, was Schulkinder geflissentlich vermeiden sollten. Sie kam zu spät, „deutlich“, wie Karliczek durchaus schuldbewusst einräumte, als sie endlich im großen Hörsaal H1 der Universität Münster zum „6. münsterischen Bildungskongress“ angekommen war. Dann leistete die Schirmherrin der Veranstaltung aber sogleich Wiedergutmachung – und machte spontan mit bei der Podiumsdiskussion zum Kongress.

„Begabungsförderung, Leistungsentwicklung, Bildungsgerechtigkeit für alle“

Bei dem geht es um alles, was gute Bildung ausmachen sollte. „Begabungsförderung, Leistungsentwicklung, Bildungsgerechtigkeit für alle“ lautet das Thema – und Karliczek versteht es so weit, wie die Formulierung angelegt ist: „Jeder trägt eine Begabung in sich, die entdeckt und gefördert werden muss“, so die Mutter von drei Kindern. Sie mahnte, alle Formen der Bildung, auch die nicht-akademische, gleichermaßen wertzuschätzen.

Die im Kongressthema postulierte Bildungsgerechtigkeit aber sieht sie noch nicht verwirklicht: „Die soziale Herkunft hat immer noch zu großen Einfluss auf den Bildungserfolg“, bekannte die Ministerin.

Das Humboldtsche Bildungsideal

Für Julian Nida-Rümelin, Philosophie-Professor an der LMU München und ehemaliger Kulturstaatsminister bedeutet Chancengleichheit aber nicht, „für alle dieselben Startbedingungen zu schaffen“, wie er in seinem Eröffnungsvortrag über „Bildung in Deutschland vor neuen Herausforderungen“ betonte. Er plädierte für akzeptierte und respektierte Vielfalt – und er machte sich vehement für eine Rückbesinnung auf das Humboldtsche Bildungsideal in Schule, Berufsausbildung und Studium stark.

Gerade in Zeiten von Globalisierung und Digitalisierung seien mündige Menschen mit Urteilskraft und Orientierungsfähigkeit gefragt, alles Qualitäten, die nach den Schulreformen der jüngeren Vergangenheit (G8) und der Reform des Studiums durch das Bologna-System an Bedeutung eingebüßt hätten.

„Die Verzwecklichung von Bildung ist unzweckmäßig“, fasste er mit einem Humboldt-Zitat, die Thesen seines Vortrags zusammen. Zur guten Bildung gehöre es, dass jeder nach seinen Fähigkeiten und Interessen forschen und sich danach entwickeln könne.

Der Bildungskongress

Der 6. münsterische Bildungskongress hat 1200 Fachleute nach Münster gezogen. Die Tagung, die alle drei Jahre stattfindet, war schon im Juli ausgebucht, wie die Veranstalter vom Internationalen Centrum für Begabungsforschung an der Universität Münster bei der Eröffnung mit einigem Stolz bemerkten. Bis einschließlich Samstag (22. September) diskutieren Wissenschaftler und Praktiker aus Schule und Erziehung über Wege zur individuellen Förderung und guten Unterricht.

...

Ruf nach Bildungsgerechtigkeit

Diesen Ansatz unterstützten auch die Veranstalter des Kongresses vom „Internationalen Centrum für Begabungsforschung“ (ICBF) an der Universität Münster unter seinem Mitbegründer und Leiter, dem Erziehungswissenschaftler Prof. Christian Fischer.

Die Forschung am ICBF nimmt verstärkt die Begabungen in den Blick und es geht darum, für die Schule Wege zu finden, Begabung in Leistung umzusetzen. Der bekannte Bildungsforscher Prof. Jürgen Baumert unterstrich den Ruf nach Bildungsgerechtigkeit und individueller Förderung vor allem als Notwendigkeit für benachteiligte Kinder und Jugendliche.

Seriöse Studien zeigten, so Baumert: „Die wirklich Hochbegabten sind in aller Regel nicht nur besonders intelligent, sondern auch sozial kompetent und kommen außerdem häufig aus privilegierten Familien.“

Anzeige
Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6065606?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F57383%2F
Islam- und frauenfeindliche Handzettel in Studentenwohnheimen verteilt
Dubioses Flugblatt: Islam- und frauenfeindliche Handzettel in Studentenwohnheimen verteilt
Nachrichten-Ticker