Protest gegen Stadtteil-Pläne am Kanal
„SPD hat Angst geschürt“

Münster -

Mitglieder des TuS Saxonia und mehrerer Kleingartenanlagen haben vor der Ratssitzung gegen Pläne der SPD demonstriert, östlich des Kanals einen neuen Stadtteil zu errichten. Sowohl Sportler als auch Kleingärtner sehen sich in ihrer Existenz bedroht.

Mittwoch, 26.08.2020, 18:50 Uhr aktualisiert: 26.08.2020, 20:02 Uhr
Mitglieder des TuS Saxonia sowie benachbarter Kleingartenvereine protestierten vor der Ratssitzung gegen Pläne der SPD, auf ihrem Gelände einen neuen Stadtteil zu errichten.
Mitglieder des TuS Saxonia sowie benachbarter Kleingartenvereine protestierten vor der Ratssitzung gegen Pläne der SPD, auf ihrem Gelände einen neuen Stadtteil zu errichten. Foto: kal

Der Vorsitzende des TuS Saxonia, Ralf Feldhaus , spricht von einer „Solidargemeinschaft“. Sowohl der Sportverein als auch mehrere Kleingartenanlagen sehen sich in ihrer Existenz bedroht, sollte der Plan der SPD , östlich des Kanals einen neuen Stadtteil mit 6000 Wohnungen zu errichten, tatsächlich umgesetzt werden. Daher protestierten Sportler und Kleingärtner am Mittwochnachmittag vor der Halle Münsterland, wo die letzte Ratssitzung vor der Kommunalwahl stattfand, gemeinsam.

„Wir wehren uns dagegen, dass unsere Sportanlage an einen bislang noch unbekannten Standort verlegt werden soll“, betont Feldhaus. Der Bestand des breitensportlich und integrativ ausgerichteten Vereins, dessen 900 Mitglieder in den umliegenden Vierteln Mauritz, Herz Jesu und Hansa verwurzelt sind, sei „massiv gefährdet“, falls er seinen Platz räumen muss. Die Pläne würden nicht zuletzt deshalb auf „Unverständnis“ stoßen, weil die Sportanlagen aktuell „mit viel ehrenamtlichem Engagement und einem hohen Betrag aus Steuergeldern“ verbessert würden, sagt Feldhaus.

Negative Auswirkungen auf Natur und Klima

„Menschen brauchen Tradition und ein gesundes Stadtklima“, steht auf einem Banner. Mit einem neuen Stadtteil auf der Ostseite des Kanals würde eine für die Innenstadt wichtige Frischluftschneise verschwinden, sagt Hans Baumann von der Kleingartenanlage Kleiner Dahlkamp. Er sieht langfristig negative Auswirkungen auf Natur und Klima – und spricht davon, dass mit den Stadtteil-Plänen das bisherige Engagement für Naturschutz und Naherholung Tausender engagierter Kleingärtner gefährdet wäre.

„Bye bye, SPD“ steht auf einem anderen Banner. „Mit ihrem Plan trifft sie die eigene Stammwählerschaft“, sagt Hans Baumann. Der SPD wirft er zudem verwirrende Aussagen vor: Erst habe sie davon gesprochen, dass für den neuen Stadtteil Kleingartenanlagen Platz machen sollen – dann habe sie nach dem Protest von Kleingärtnern gesagt, dass ihre Gärten bleiben und dafür die Sportanlagen verschwinden sollen. Er ist überzeugt: Im Ernstfall müssten sowohl Sportverein als auch die betroffenen Kleingartenanlagen – rund 600 Parzellen – ihren Platz räumen.

„Jung hat Angst geschürt“

Auch wenn die Chancen, dass der SPD-Plan umgesetzt wird, aktuell eher gering sein dürften – den Protest direkt vor Beginn der Ratssitzung wollte sich Feldhaus nicht nehmen lassen. „Der SPD-Vorsitzende Michael Jung hat Angst geschürt“, sagt der Saxonia-Vorsitzende. „Mit seiner Idee hat er uns das Herz und die Seele herausgerissen.“ Derweil fürchtet Baumann, dass es nach der Wahl auch andere Parteien geben könnte, denen die SPD-Pläne gar nicht so schlecht gefallen.

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