Sonderveröffentlichung

Künstliches Kniegelenk
Funktioniert wie geschmiert

Münster -

Wenn das eigene Knie nicht mehr funktioniert, dann hilft vielen Schmerzpatienten ein neues Gelenk. Im Universitätsklinikum Münster verwenden die Operateure seit Kurzem bei einigen Patienten eine ganz spezielle Prothese – sie ermöglicht es, die Kreuzbänder zu erhalten. Großer Vorteil: Betroffene wie Robby Hofmann kommen schneller wieder auf die Beine.

Sonntag, 04.12.2016, 16:49 Uhr
Künstliches Kniegelenk: Funktioniert wie geschmiert
Rund 200 Knieoperationen stehen allein im Universitätsklinikum Münster jährlich auf dem OP-Plan. Mit einer neuen Prothese bleiben die Kreuzbänder Patienten erhalten. Foto: Colourbox.de

Beugen, strecken, beugen strecken. Klappt vorzüglich! Genau so soll es sein. Wenn aber das eigene Gelenk nicht mehr funktioniert wie geschmiert, wenn Schmerzen jeden Schritt zur Qual machen, dann muss ein neues Knie her – Gelenkersatz bei Arthrose, Tumorerkrankungen oder Unfällen gehört längst mit zu den häufigsten Eingriffen überhaupt. Rund 200 Knieoperationen stehen allein im Universitätsklinikum Münster jährlich auf dem OP-Plan.

Seit Kurzem setzen die Ärzte dort auch auf eine ganz neue Prothese: Es ist eine sogenannte „kreuzbanderhaltende Endoprothese“, die speziell den Patienten zugute kommt, deren Kreuzbänder intakt sind. „Früher mussten wir die Kreuzbänder bei einer Operation mitentfernen. Dass sie nun erhalten bleiben können, macht das Kniegelenk viel stabiler, der Patient ist schneller wieder auf den Beinen“, erläutert Dr. Ralf Dieckmann . Zwölf Patienten hat der Leiter des Endoprothetik-Zentrums der Klinik für Allgemeine Orthopädie und Tumororthopädie am UKM mittlerweile mit diesem neuen Modell „ausgestattet“.

Robby Hofmann ist einer von ihnen. Und sozusagen „lebender Beweis“ für alle Theorie: „In der Reha war ich deutlich schneller fit als die anderen“, sagt er nicht ohne Stolz. Und: „Der Stationsarzt in der Reha-Klinik kannte diese Methode sogar noch gar nicht.“ Er selbst ist froh, dass er als Patient für diese Prothese infrage kam: „Ich kann jetzt wieder deutlich besser laufen, als ich es überhaupt zu hoffen gewagt hätte.“

Robby Hoffmann begutachtet eine herkömmliche Knieprothese.

Robby Hoffmann begutachtet eine herkömmliche Knieprothese. Foto: Jürgen Christ

Immerhin hatte er die Knie-OP einige Zeit vor sich hergeschoben: „Ich hatte immer wieder Schmerzen, eigentlich war schon nach dem MRT vor fünf Jahren klar, dass ich ein neues Knie brauche.“ Denn als junger Mann hat er sich bei einem Motorradunfall das Bein gebrochen, wurde operiert, doch der Unterschenkel sei schief zusammengewachsen. Das hat schließlich zu einer Arthrose im Sprunggelenk geführt: „Da habe ich schon seit über zwölf Jahren eine Prothese.“

Mit seinen 58 Jahren zählt der Ostbeveraner zu den jungen Patienten in puncto Gelenkersatz: „Und die profitieren dann, weil die Arthrose zumeist noch nicht so weit fortgeschritten ist, weil sie oft noch mobiler sind und die Chance größer, dass die Kreuzbänder in Ordnung sind“, skizziert Dr. Dieckmann den engen Rahmen, in dem sich die Patientenauswahl bewegt.

Strenge Auswahl

Nach der Hüfte rangiert das Kniegelenk auf Platz zwei der in Deutschland am häufigsten durchgeführten Gelenkersatzoperationen. Offizielle Zahlen sprechen von rund 165 000 neuen Knien, die jährlich implantiert werden. Die kreuzbanderhaltende Prothese wird in Deutschland erst seit Ende 2014 verwendet, im Universitätsklinikum Münster verwenden die Experten sie seit Mitte des vergangenen Jahres. Dabei wird bei der strengen Auswahl darauf geachtet, dass die Voraussetzungen stimmen: Die eigenen Kreuzbänder des Patienten müssen in Ordnung sein, die Arthrose nicht weit fortgeschritten. Erfahrungen über die Haltbarkeit dieses speziellen künstlichen Gelenks gibt es noch nicht. Herkömmliche Prothesen, so die Statistik, sind nach 14 Jahren noch bei 90 Prozent der Patienten in Ordnung.

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Bleiben die Kreuzbänder erhalten, bleibt auch die Tiefensensibilität des Kniegelenks erhalten, erläutert der Facharzt. Die Patienten hätten deshalb gar nicht mehr das Gefühl, dass ihr künstliches Kniegelenk ein Fremdkörper sei: „Das ist bei den konventionellen Prothesen oftmals anders.“

Dr. Ralf Dieckmann

Dr. Ralf Dieckmann Foto: Jürgen Christ

Anders ist auch die Technik, die die Operateure lernen müssen, um diese Prothese fachgerecht einsetzen zu können: „Es ist eben noch keine Standard-OP“, macht der Mediziner deutlich, dass man im UKM noch zu den wenigen Kliniken zählt, die dieses Verfahren jetzt nutzen. Die Uniklinik Münster ist demnach in NRW der einzige Standort für dieses kreuzbanderhaltende Verfahren. „Die Erfahrungen bisher sind aber sehr gut“, unterstreicht Dr. Dieckmann. Robby Hofmann stimmt ihm zu: „Wenn das andere Knie dran ist, nehme ich diese Prothese gern wieder.“

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