Sonderveröffentlichung

Tumor-Forschung am Uniklinikum
Gezielter Angriff gegen Darmkrebs

Darmkrebs ist für viele ein Tabuthema. Dabei handelt es sich mit mehr als 60 000 Neuerkrankungen pro Jahr um eine der häufigsten Krebsarten in Deutschland. Doch die gute Nachricht: Wenn Darmkrebs frühzeitig erkannt wird, ist heute bei 90 Prozent der Patienten eine Heilung möglich, heißt es in einer Pressemitteilung der Uniklinik. 

Dienstag, 08.05.2018, 17:09 Uhr
Tumor-Forschung am Uniklinikum: Gezielter Angriff gegen Darmkrebs
"Wir untersuchen Gewebeproben unter anderem auf genetische Veränderungen", erklärt Professorin Eva Wardelmann. Foto: Wilfried Gerharz

„Dank moderner molekular-genetischer Untersuchungsmethoden lässt sich die Erkrankung zudem immer zielgerichteter behandeln“, sagt Dr. Emile Rijcken , Leiter des UKM-Darmzentrums über die enge Zusammenarbeit mit dem Gerhard-Domagk-Institut für Pathologie (GDI) am UKM (Universitätsklinikum Münster). „Wir untersuchen die Gewebeproben unter anderem auf genetische Veränderungen, die das biologische Verhalten der Darmtumoren bestimmen“, erklärt Professorin Eva Wardelmann , Direktorin des GDI.

Dank moderner molekular-genetischer Untersuchungsmethoden lässt sich die Erkrankung zudem immer zielgerichteter behandeln.

Dr. Emile Rijcken

Solche Veränderungen sind zum Beispiel Mutationen, die die Teilungsgeschwindigkeit von Tumorzellen bestimmen. Auch die Möglichkeit eines erhöhten familiären Erkrankungsrisikos für Angehörige der Betroffenen kann so bestimmt werden. „Je mehr über die Eigenschaften des jeweiligen Tumorsubtyps bekannt ist, desto individueller kann auch die Therapie für den betroffenen Patienten festgelegt werden“, erklärt die Pathologin.

Innovation „Next Generation Sequencing“

Mit dem innovativen „Next Generation Sequencing“ (NGS) ist heute die gleichzeitige Analyse einer Vielzahl von Genen auf das Vorliegen von Mutationen möglich. „Mittels NGS können wir die Sequenzierung von Genabschnitten in hundertfacher oder sogar tausendfacher Abdeckung darstellen. Dadurch lassen sich Mutationen in Proben mit geringem Tumorzellgehalt viel besser als mit den bisherigen Methoden entdecken“, erläutert Wardelmann.

Außerdem kann durch das NGS bei Tumoren, bei denen die Mutationsanalyse mehrerer Gene bislang stufenweise durchgeführt wurde, der Zeitraum der Untersuchung erheblich verkürzt werden. Die Ergebnisse fließen dann unmittelbar in die weitere Therapieplanung ein.

Fachübergreifenden Tumorkonferenzen 

Bei der Probenanalyse arbeitet ein spezialisiertes Team aus Fachärzten, Naturwissenschaftlern und Laborkräften im GDI eng zusammen. Alle Befunde werden in regelmäßig stattfindenden fachübergreifenden Tumorkonferenzen am UKM vorgestellt, an denen auch das Darmzentrum des Josephs-Hospitals Warendorf und des UKM Marienhospitals Steinfurt beteiligt sind. So profitieren auch die dortigen Patienten von den molekularpathologischen Untersuchungsmethoden des GDI. Gemeinsam diskutieren die Experten dann das weitere Vorgehen.

Die Kameras liefern den Operateuren bei einem Eingriff wie hier am Darm hochauflösende Bilder.

Die Kameras liefern den Operateuren bei einem Eingriff wie hier am Darm hochauflösende Bilder. Foto: Emile Rijcken

Die molekularpathologische Dia­gnostik ist nach den Worten der Ärzte zu einer unverzichtbaren Methode bei der Behandlung von Darmkrebs geworden. Denn sie ermögliche es den Medizinern nicht nur, diagnostische und prognostische Aussagen zur Erkrankung selbst zu treffen.

Die immer präziser werdenden Analysen erlauben es auch abzuschätzen, für wen welche Behandlung erfolgversprechend ist – also wann zum Beispiel mit welcher Chemotherapie oder mit welchem Antikörper ein gezielter Angriff auf das Tumorgewebe möglich ist. „Unser Ziel ist es, auf der Basis der molekularen Diagnostik eine optimal auf den einzelnen Patienten zugeschnittene, möglichst effektive und zugleich nebenwirkungsarme Therapie zu planen“, sagt Emile Rijcken.

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