Sonderveröffentlichung

Kreidezähne
Grundsanierung im Mund

Das Wort „Kreidezähne“ macht schon klar, dass man die nicht im Mund haben möchte. Melanie Schulte hat das Pech, genau solche Zähne zu haben. Professor Ehmke hat die ersten von ihnen nun wieder in Schuss gebracht. In gerade mal drei Stunden hat er sie vollständig neu modelliert.

Dienstag, 27.11.2018, 14:10 Uhr
„Ist eine Zahnkorrektur aus zwei Meter Entfernung zu erkennen, zeugt das nicht unbedingt davon, dass der Eingriff gut gelungen ist“, sagt Professor Ehmke. Bei Melanie Schulte besteht die Gefahr nicht.
„Ist eine Zahnkorrektur aus zwei Meter Entfernung zu erkennen, zeugt das nicht unbedingt davon, dass der Eingriff gut gelungen ist“, sagt Professor Ehmke. Bei Melanie Schulte besteht die Gefahr nicht. Foto: Jürgen Christ

Der Behandlungsstuhl beim Zahnarzt gehört nach wie vor nicht zu ihren Lieblingsplätzen. „Spritzen in den Mund zu bekommen, finde ich äußerst unangenehm. Aber wenn das vorbei ist, geht’s“, sagt Melanie Schulte und schmunzelt. 

Seit Anfang des Jahres ist sie bei Professor Benjamin Ehmke in der Poliklinik für Parodontologie und Zahnerhaltung im Uniklinikum Münster in Behandlung. Im kommenden Frühjahr soll die Restauration abgeschlossen sein. „Ein Einsatz, der aber auch gut belohnt wird“, lobt der Zahnarzt seine mutige Patientin.

Mineralisationsstörung an bleibenden Zähnen

„Mineralisationsstörung an bleibenden Zähnen“ lautet ihre Diagnose. Ein unausgewogenes Verhältnis von Calcium, Phosphat und Kohlenstoff verhindert in solchen Fällen die notwendige und ausreichende Zahnschmelzbildung. Nein, diese Diagnose überraschte sie keinesfalls im Schlaf. „Die empfindlichen Zähne und die Begünstigung von Zahnabbruch habe ich von meinem Vater geerbt“, erklärt die junge Dortmunderin.

Ihr Zahnarzt in der Heimatstadt hatte sie schon früh darauf hingewiesen und ihr auch zu bedenken gegeben, dass da in späteren Jahren mal ein Neuaufbau anstehe. Die Patentante war’s, von deren guter Erfahrung mit der Poliklinik für Parodontologie und Zahnerhaltung in Münster sie profitierte, als sie sich vertrauensvoll an Ehmke wandte.

Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation

„Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH)“ ist der Fachbegriff für das, was im Volksmund als „Kreidezähne“ bezeichnet wird. „Die Rate der Betroffenen liegt zwischen vier und vierzig Prozent“, nennt der Zahnarzt Zahlen aus der Fachliteratur. „In Studien haben bis zu 30 Prozent der Zwölfjährigen eine Strukturveränderung am Zahn, die MIH begünstigt.“

Vielfältige Ursachen

Die Ursachen können vielfältig sein. Die genetische Veränderung der Schmelzbildung ist eine davon. Allerdings können auch Medikamente wie Tetracycline (Antibiotika) oder Verletzungen nach Stürzen zu Schmelzfehlbildungen führen. „Ähnlich wie bei einem Baum die Wachstumsringe abzulesen sind, kann man bei Kinderzähnen erkennen, in welchem Entwicklungsprozess die Beeinträchtigung von außen stattgefunden hat“, erklärt der Zahnarzt.

Ursachen für Kreidezähne

Ursachen für die Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH)“ können nach den Worten von Professor Benjamin Ehmke sein:

► Genetische Vorbelastung

► Tetracycline (Antibiotika)

► Verletzungen, bspw. Fahrradstürze

► Umweltgifte wie Dioxin (beim Stillen über die Muttermilch übertragen)

► Entzündungen mit hohem Fieber

► Asthma

► Infektionskrankheiten wie Diphterie, Scharlach, Mumps, Masern

...

Mittlerweile hat Melanie Schulte einen großen – den zunächst sichtbaren – Teil ihrer Behandlung abgeschlossen. Gerade mal drei Stunden benötigte Ehmke für den Aufbau von vier Frontzähnen, die er vollständig neu modellierte. Dafür werden die betroffenen Zähne zunächst mit Säure etwas aufgeraut, bevor drei Schichten aus Composite (spezieller Füllungskunststoff) in verschiedenen Farbtönen aufgetragen werden.

Zum Thema

30 Prozent aller zwölfjährigen Kinder haben eine Strukturveränderung am Zahn, die Kreidezähne begünstigt.

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„Anders als bei einer Krone, die über Zement mit dem Zahn verbunden ist, wird hier das, was fehlt, durch Keramik oder Composite ersetzt und direkt auf den Zahn geklebt“, macht er deutlich. „Für junge Menschen ist das geradezu ideal.“ Die Haltbarkeitsdauer beziffert er – gute Mundhygiene vorausgesetzt – auf mindestens zehn bis 15 Jahre, in Ausnahmefällen können es sogar bis zu 30 Jahre sein. Als Nächstes steht für Melanie Schulte noch die Restauration der Zähne im Seitenbereich an.

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Patientin Melanie Schulte kann nach der Behandlung in der Uniklinik Münster wieder herzlich, auch mit deutlich sichtbaren Zähnen, lachen. Foto: Jürgen Christ

Von einer Freundin erhielt Melanie Schulte vor Kurzem das versteckte Kompliment: „Irgendwie siehst du anders aus, aber ich kann nicht sagen, was es ist.“ So was hört auch Ehmke sehr gerne, denn das „ist das beste Indiz, dass wir gute Arbeit geleistet haben. Ist eine Zahnkorrektur oder -veränderung aus zwei Meter Entfernung zu erkennen, zeugt das nicht unbedingt davon, dass der Eingriff gut gelungen ist“.

Sein Ziel ist es, so viel Zahnsubstanz wie möglich zu erhalten, so wenig wie nötig zu ersetzen. Denn jede Präparation bedeutet für einen lebendigen Zahn einen Eingriff, eine Verletzung und hat Auswirkungen auf den Zahnnerv.

Anders als bei einer Krone wird hier das, was fehlt, durch Keramik oder Composite ersetzt und direkt auf den Zahn geklebt.

Professor Benjamin Ehmke

Laut Ehmke sind heute mehr Kinder von Mineralisationsstörungen betroffen als von Karies. Denn: Das Hauptproblem bei der Mindermineralisation findet während der Mineralisationsphase – vom achten Schwangerschaftsmonat bis zum fünften Lebensjahr – der Zahnkronen statt. Wahrscheinlich ist, dass Ameloblasten (schmelzbildende Zellen) in dieser Zeit durch verschiedene Einflüsse unwiederbringlich zerstört werden, wohingegen sich andere schmelzbildende Zellen wieder erholen und ihre Funktion vermindert oder in vollem Umfang wieder aufnehmen.

Zähne mit wenig mineralisiertem Schmelz sind weniger belastbar

Das klinische Erscheinungsbild variiert daher auch bei einem einzigen Patienten. Je poröser die Zahnsubstanz ist, desto größer ist die Gefahr, Zähne zu verlieren. Denn Zähne mit wenig mineralisiertem Schmelz sind weniger belastbar. So kann es passieren, dass der Schmelz auch bei normalem Kauen abplatzt.

Mit ihrer Begeisterung für den Neuaufbau ihrer Zähne steht Melanie Schulte nicht alleine, obwohl „ich mich beim Sprechen und Essen erst daran gewöhnen musste“, gesteht sie. Für ihre Mutter ist ganz klar: „Wenn ich mal Probleme mit den Zähnen haben sollte, weiß ich, dass ich hier gut aufgehoben bin.“

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