Sonderveröffentlichung

Ein Fall für die Hautklinik
Gürtelrose auch im Gesicht

Münster -

Ihr Name führt immer wieder zu Missverständnissen: Die Gürtelrose taucht nicht nur in dem Bereich auf, in dem normalerweise der Gürtel sitzt. Sondern überall: „Von Kopf bis Zeh kann jede Körperpartie in Mitleidenschaft gezogen werden“, erklärt Privatdozent Jan Ehrchen. Für den Patienten Bernhard Vortkamp gab es dann leider statt Urlaub und Bier eine Behandlung mit Aciclovir.

Dienstag, 03.09.2019, 09:46 Uhr aktualisiert: 03.09.2019, 16:46 Uhr
Oberarzt Jan Ehrchen (Mitte) und Assistenzarzt Max Görg untersuchen Bernd Vortkamp nach dessen Gürtelrose.
Oberarzt Jan Ehrchen (Mitte) und Assistenzarzt Max Görg untersuchen Bernd Vortkamp nach dessen Gürtelrose. Foto: Wilfried Gerharz

Seinen Urlaub hatte sich Bernhard Vortkamp eigentlich anders vorgestellt. Geplant und gebucht waren entspannte Tage in Alcudia auf Mallorca. Doch statt eines kalten Bieres nach einem Sonnenbad bekam er dreimal täglich Aciclovir – intravenös in der Hautklinik des Uniklinikums in Münster. Zwei Tage vor dem Abflug war er morgens aufgewacht und konnte das rechte Auge nicht mehr richtig öffnen. Die Ungewissheit und die Sorge seiner Frau führten den Münsteraner zunächst in die Notaufnahme der Augenklinik im Uniklinikum. Hier erkannten die Ärzte sehr schnell: Das ist eine Gürtelrose – also ein Fall für die Hautklinik.

Die Diagnose dort: Gürtelrose in der rechten Gesichtspartie, die sich auch im Augenbereich ausbreitete. „Wir geben dieses Medikament über die Vene, damit wirkt es am schnellsten und effektivsten und verhindert die Vermehrung des für die Erkrankung verantwortlichen Varizella-Zoster-Virus (VZV), einem Virus aus der Familie der Herpesviren,“ erklärt Jan Ehrchen, Oberarzt der Hautklinik der WWU . Je nach Intensität und Ausprägung dauert die Behandlung fünf bis sieben Tage.

„Ich bin froh, dass mir das hier passiert ist. Man weiß ja nicht, was einen woanders im Krankenhaus erwartet. Meine nicht vorhandenen Spanischkenntnisse machen es da nicht leichter“, flachst der muntere Senior, der seine Erkrankung mit erstaunlicher Gelassenheit erträgt.

Die Gürtelrose und die Windpocken haben den gleichen Erreger gemeinsam, der in den Nervenzellen nistet. Fast alle Erwachsenen tragen dieses Varizella-Zoster-Virus (VZV) seit einer Windpockenerkrankung in der Kindheit in sich. Während die körpereigene Immunabwehr mit zunehmendem Alter abnimmt, steigt ab 50 bis 60 Jahren das Risiko, dass dieser Virus reaktiviert wird, erneut ausbricht und sich als Gürtelrose mit den entsprechenden Bläschen auf der Haut seinen Weg sucht.

Die viel verbreitete Vorstellung, eine Gürtelrose mache sich nur im Gürtelbereich des Körpers breit, ist falsch. „Von Kopf bis Zeh kann jede Körperpartie in Mitleidenschaft gezogen werden“, beschreibt Privatdozent Ehrchen. Die Tatsache, dass die Gürtelrose meist den Rumpf betrifft, hängt damit zusammen, dass das Virus in den Nervenknoten (den Ganglien) der sensiblen Nerven ruht und in dem Hautbereich reaktiviert wird, der von diesen Nerven versorgt wird. Auf dem Rumpf liegen sehr viele dieser Areale, deshalb ist die Gürtelrose rund um den Gürtel tatsächlich am häufigsten.

„Kopfschmerzen wie nach einem kleinen Frühschoppen.“

Hat sich die Gürtelrose angekündigt? Nicht wirklich, aber im Nachhinein erinnert sich Bernhard Vortkamp, dass „ich etwa zwei Wochen zuvor immer so einen ziehenden Schmerz hinter dem Ohr wahrgenommen habe. Auch begleitet von leichten Kopfschmerzen wie nach einem kleinen Frühschoppen.“

Da die Anzeichen aber erträglich erschienen und nichts weiter zu erkennen war, gab es für ihn zunächst keinen Handlungsbedarf. Bis an jenem Sonntagmorgen, als sich bereits rund um das verschlossene Auge Herpesbläschen in Gruppen und auf gerötetem Grund zeigten. Diese präsentierten sich zunächst immer wasserklar, trübten sich dann ein und verkrusten. Weisen die Bläschen eine Trübung auf, sind sie nicht mehr ansteckend.

Jan Ehrchen: „Gürtelrose muss nicht immer mit Schmerzen verbunden sein.“

Jan Ehrchen: „Gürtelrose muss nicht immer mit Schmerzen verbunden sein.“ Foto: Wilfried Gerharz

„Das muss auch nicht immer mit Schmerzen verbunden sein“, betont der Facharzt. Auch ist das Risiko, sich bei einem Patienten mit Gürtelrose anzustecken, sehr gering. Wobei Ehrchen deutlich macht, dass sich Säuglinge und Kleinkinder sowie Menschen, die noch nie Windpocken hatten, grundsätzlich bei einem Patienten mit Gürtelrose anstecken können. Die Gürtelrose selbst heilt meist unter guter Behandlung rasch ab, wobei „Neurodermitiker ein höheres Risiko für schwere Verläufe tragen, weil ihr Immunsystem an der Haut nicht so gut arbeitet.“

Auch immungeschwächte Menschen wie etwa HIV-Patienten zählen zu dieser Risikogruppe. Bei besonders starker Ausprägung kann die Haut aufbrechen, sodass der Patient auch noch einer bakteriellen Infektion ausgesetzt ist. Sehr selten kann es auch nach einer Gürtelrose zu Gefäßkomplikationen wie beispielsweise einem Schlaganfall kommen. Daher gilt: So schnell wie möglich reagieren und behandeln. Intravenös gegen die Viren und parallel dazu mit Tabletten gegen die Schmerzen. Zudem muss der Patient gut überwacht werden.

Eine „postzosterische Neuralgie“, die sehr schmerzhaft ist, lässt sich nicht immer ausschließen. Bei Bernhard Vortkamp schätzt Ehrchen die Wahrscheinlichkeit aber sehr gering ein, weil „bei ihm eine sehr effiziente Therapie angesetzt wurde, die auch sehr gut gewirkt hat“.

Nachdem der 77-jährige Ruheständler seine Diagnose erhielt, machte sich seine Frau direkt auf den Weg zur Apotheke ihres Vertrauens, um für sich den entsprechenden Impfschutz gegen eine Gürtelrose zu holen. Allerdings war sie im ersten Anlauf nicht direkt erfolgreich. „Das habe ich nun schon öfter gehört“, lässt der Facharzt wissen. „Das hängt sicherlich damit zusammen, dass das Medikament seit dem 1. Mai von den Krankenkassen übernommen wird“. Seitdem sei es immer schnell vergriffen.

Die Gürtelrose tritt oft im Bereich des Bauches auf, muss sie aber nicht. Sie kann auch das Gesicht und jedes andere Körperteil betreffen.

Die Gürtelrose tritt oft im Bereich des Bauches auf, muss sie aber nicht. Sie kann auch das Gesicht und jedes andere Körperteil betreffen. Foto: imagoimages

Bernhard Vortkamp kann vom Glück im Unglück sprechen, denn sein Krankheitsverlauf war bisher relativ kurz und relativ schmerzlos. Dass er seine Urlaubspläne aufgeben musste, nahm er für die gute Behandlung gerne in Kauf. Dass es sich dabei um den zweiten Urlaub handelt, der ihm durch die Lappen ging, nimmt er westfälisch gelassen: „Im Frühjahr ging uns Fuerteventura wegen der Pleite von Germania Airlines flöten.“ Da heißt es „toi, toi, toi“ für den dritten Anlauf.

Nach der Versorgung in der Hautklinik dürfte der Radtour mit seiner Frau entlang des Inn um Bad Füssingen auf jeden Fall nichts mehr im Wege stehen. Der Empfehlung seines Arztes „Sonnenschutz und Kopfbedeckung“ nicht vergessen, kommt er gerne nach. „Kein Problem“, versichert der Patient. „Außerdem trage ich sowieso immer einen Helm.“

Schon gewusst?

Fünf bis sieben Tage dauert die Behandlung einer Gürtelrose. Das hängt von Intensität und Ausprägung der Erkrankung ab.

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