Sonderveröffentlichung

Junges Blut
Blutspenden für Frühchen

Münster -

Frühchen brauchen oft Blutspenden, weil sie nach den nötigen Blutentnahmen nicht in der Lage sind, nötiges Blut selbst zu produzieren. Und das, obwohl ihnen nur sehr kleine Mengen entnommen werden. Darum müssen für sie Blutspenden in einem aufwendigen Verfahren extra aufbereitet werden.

Dienstag, 03.09.2019, 09:48 Uhr aktualisiert: 03.09.2019, 18:12 Uhr
Ganz klein, aber schon charmant : Mila Neustädter in ihrem Brutkasten auf der Frühchenstation des UKM. Die Tochter von Evgenia (links) Neustädter ist als Frühchen auf die Welt gekommen und wurde mit Blutspenden stabilisiert. Krankenschwester Silvia Wolf ist immer an Milas Seite.
Ganz klein, aber schon charmant : Mila Neustädter in ihrem Brutkasten auf der Frühchenstation des UKM. Die Tochter von Evgenia (links) Neustädter ist als Frühchen auf die Welt gekommen und wurde mit Blutspenden stabilisiert. Krankenschwester Silvia Wolf ist immer an Milas Seite. Foto: Jürgen Christ

Mila hat in acht Wochen ihr Körpergewicht knapp verdoppelt. Das Fotoshooting und der Besuch rund um ihren Inkubator scheinen ihr zu gefallen. Jedenfalls räkelt und streckt sie sich – so macht´s den Eindruck – zufrieden, obwohl sie einige Sonden an ihren zarten kleinen Händen und Fingern trägt. Schließlich will die Herzfrequenz konsequent überwacht sein, ebenso wie die Sauerstoffmenge und die Temperatur. Ihr Bettdeckchen ist kaum größer als eine Serviette. Neben ihr liegt eine kleine gehäkelte Krake, „mit der sie kuscheln kann, damit sie nicht an ihren Schläuchen rumnestelt“, gibt ihre Mama die praktische Erklärung dafür.

Evgenia Neustädter ist ganz froh und sehr stolz, dass ihre Tochter sich so gut gemacht hat. Mit 1090 Gramm und 34 Zentimetern scheint es nun richtig bergauf zu gehen. Denn: Milas Start in die Welt war kein einfacher. Deshalb musste sie auch die ersten Wochen ihres Lebens auf der Frühgeborenenstation des Uniklinikums verbringen. Gerade mal 620 Gramm brachte sie bei 30 Zentimetern Körpergröße nach ihrer Geburt auf die Waage. „Bis zur 24. Schwangerschaftswoche verlief alles ganz normal,“ berichtet Evgenia Neustädter.

Seit Anfang Mai verbringt sie den größten Teil des Tages in der Uniklinik bei ihrer Tochter, die in einem Inkubator gut versorgt und überwacht wird. Ansonsten wohnt die junge Mutter derzeit gegenüber im Familienhaus der Unikliniken, die Wohnraum für solche Zwecke zur Verfügung stellt. Klar darf Mila täglich einige Stunden mit ihrer Mama kuscheln. „Dafür muss man aber Zeit und Ruhe mitbringen. Sie für eine halbe Stunde aus dem Inkubator holen, das wäre für sie zu stressig“, so die Erfahrung der jungen Mutter, die sich täglich gerne mehrere Stunden Zeit für den bindenden Körperkontakt nimmt. Genau wie der Vater, der nach seiner Arbeit schaut, wie es seinen Frauen hier geht.

Auf freiwillige Blutspenden angewiesen

Evgenia Neustädter und ihr Mann Paul hatten eigentlich Zwillinge erwartet. Kaum war die Hälfte der Schwangerschaft bewältigt, kam es zu unaufhaltsamen Geburtsbestrebungen bei der Mutter, sodass die Kinder auf die Welt kamen. Ihr Bruder schaffte es nicht ins Leben. Mila lebt seitdem in einem Inkubator bei 33 Grad Raumtemperatur und einer Luftfeuchtigkeit von 65 Prozent. „Damit hat sie es so warm wie wir etwa Ende Juni, nur etwas feuchter“, verdeutlicht Krankenschwester Silvia Wolf, die die Patientin stets bestens im Blick hat. Mila wird mit einer Sonde ernährt. Dafür ist die Muttermilch mit Kalorien und aufbauenden Substanzen für die Knochen angereichert.

In einem riesigen Kühlschrank warten die fertigen Blutspenden auf ihren Einsatz. Dr. Maria Norpoth und der technische Assistent Jürgen Deutschkämer versorgen die Frühchen mit passenden Blutspenden.

In einem riesigen Kühlschrank warten die fertigen Blutspenden auf ihren Einsatz. Dr. Maria Norpoth und der technische Assistent Jürgen Deutschkämer versorgen die Frühchen mit passenden Blutspenden. Foto: Jürgen Christ

Dazu bekommt Mila noch regelmäßig einen ganz besonderen Saft: In mehreren Etappen erhält sie Transfusionen mit speziell für Säuglinge aufbereitetem Blut in Einheiten zwischen 15 und 25 Millilitern.

„Schon regelmäßig erforderliche Blutentnahmen können bei einem kleinen Frühgeborenen – trotz kleiner Probenmengen – eine Bluttransfusion erforderlich machen, da sie mit der Eigenproduktion des Blutes überfordert sind. Daher sind wir auf freiwillige Blutspenden angewiesen,“ erklärt Dr. Julia Sandkötter , die Ärztliche Leiterin der Neonatologie im Uniklinikum. Auf ihrer Station können bis zu 22 Frühgeborene versorgt werden. Wie lange deren Aufenthalt dort ist, bleibt abhängig von der Geburt. Der kleinste Patient, dem sie hier Starthilfe ins Leben gegeben haben, kam mit 350 Gramm zur Welt.

Bluttransfusion für Säuglinge

Durch die Fortschritte in der Geburtshilfe steigt die Zahl der Frühgeborenen mit einem sehr niedrigen Geburtsgewicht an. Vor allem Frühgeborene mit einem Geburtsgewicht von unter 1000 Gramm benötigen während ihrer intensivmedizinischen Betreuung in ihren ersten Lebenswochen oftmals Bluttransfusionen, vor allem Erythrozyten-Konzentrate (Erythrozyten = rote Blutkörperchen).

Früh- und Neugeborene, die mehrfach Blutkonserven benötigen, sollten Erythrozyten-Konzentrate von möglichst wenigen Blutspendern erhalten. Hierzu wird in einem ersten Schritt eine ,,Vollblut“-Spende eines Blutspenders in ein Erythrozyten-Konzentrat und ein Plasmaprodukt aufgetrennt. Das Erythrozyten-Konzentrat wird dann in vier bis sechs kleine Einheiten aufgeteilt, sogenannte Babykonserven, die innerhalb von 14 Tagen nach und nach transfundiert werden können. Darum kümmert sich Jürgen Deutschkämer vom Institut für Transfusionsmedizin des UKM. Er stellt jährlich etwa 300 Babykonserven her und sorgt für die ordnungsgemäße Lagerung im Blutdepot.

Alles in allem werden am UKM pro Jahr insgesamt etwa 20 000 Erythrozyten-Konzentrate für die Patientenversorgung benötigt. „Lediglich drei Prozent der Bevölkerung spendet Blut, und in der Urlaubszeit kommt es regelmäßig zu Engpässen in der Blutversorgung. Dadurch kann auch ein Verschieben von Operationen erforderlich werden“, erklärt Dr. Maria Norpoth, Fachärztin für Transfusionsmedizin am UKM.

Die UKM-Blutspende freut sich ganzjährig über engagierte Menschen, die mit ihrer Blutspende die Patientenversorgung am UKM unterstützen und auf diese Weise helfen, Leben zu retten. Blutspender profitieren auch persönlich. Vor der Spende gibt es einen kleinen Gesundheitscheck: Blutdruck, Temperatur und roter Blutfarbstoff (Hämoglobin-Wert) werden gemessen und das gespendete Blut wird auf Krankheitserreger wie Hepatitis B, C, E, Syphilis und HIV untersucht.

Blut spenden ist möglich: montags, dienstags, donnerstags und freitags von 8 bis 16 Uhr und mittwochs von 12 bis 19 Uhr. Weitere Auskünfte gibt’s auf der UKM-Blutspende-Homepage oder telefonisch unter: 0251-8358000.

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„Das Blut tut Mila sehr gut. Das wird immer sofort sichtbar. Ihre Haut ist dann rosiger, und sie ist weniger müde“, stellt ihre Mama fest. Milas Bettnachbar Lukas startete in der 30. Woche ins Leben und hat mit sechs Wochen bereits ein Gewicht von 1400 Gramm erreicht. So wie es ausschaut, darf er mit seiner Mama die Klinik bald verlassen.

„Bis zum Alter von zwei Jahren kommen die Eltern zur Entwicklungsdiagnostik mit ihren Frühgeborenen alle drei Monate zu uns“, sagt Sandkötter und macht damit deutlich, dass die jungen Familien auch nach der Entlassung aus der Klinik nicht allein gelassen werden und der Förderbedarf entsprechend angepasst und ausgelotet wird.

Schon gewusst?

2000 Konzentrate mit roten Blutkörperchen werden am UKM pro Jahr benötigt.

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