Forschen und Heilen
Bitte ein Baby

Der Wunsch nach einem Kind, nach einer Familie geht nicht immer gleich in Erfüllung. Das Kinderwunschzentrum der Universitätsklinik Münsterberät und behandelt Paare auf dem Weg zu einem eigenen Kind.

Freitag, 27.01.2012, 17:01 Uhr

Forschen und Heilen : Bitte ein Baby
Unter dem Mikroskop werden Eizelle und Samen zusammengeführt. Foto: Wilfried Gerharz

Domagkstraße 11 – die Adresse markiert für viele Paare das Ende eines langen Weges. Und birgt gleichzeitig noch einen (manchmal letzten) Hoffnungsschimmer. „ Kinderwunschzentrum “ steht schlicht auf der Eingangstür. „Wer zu uns kommt, der hat schon sehr viel versucht“, beschreibt Dr. Andreas Schüring die Situation, in der er und sein Team Menschen kennenlernen, die aus ganz verschiedenen Städten, aus ganz verschiedenen Lebenssituationen, aus ganz verschiedenen Berufen kommen. Eins verbindet sie alle: Sie wünschen sich sehnlich ein Baby.

Seit über 20 Jahren gibt es dieses Angebot am Universitätsklinikum – die Nachfrage steigt. Am Anfang, so betont der gynäkologische Leiter des Zentrums, steht immer das Gespräch. „Wir lassen das Paar ausführlich seine Geschichte erzählen.“ Dann folgt die ebenso gründliche Untersuchung: Mann und Frau werden quasi auf den Kopf gestellt. Blutwerte, Hormonbestimmung, Ultraschall, Spermientest – Ergebnisse werden zusammengetragen und ausgewertet. „Man muss herausfinden, warum es bisher nicht geklappt hat“, informiert der Oberarzt über die nächsten Schritte. Bei allem ist ihm wichtig, den Betroffenen eins immer wieder deutlich zu machen: „Bloß kein Stress."

Sicher leichter gesagt als getan, aber die Erfahrung habe gezeigt: Zeit für Gespräche und das Gefühl, mit dem Problem nicht mehr allein zu sein, nehme vielen schon den oft unerträglichen Druck. „Je länger der Kinderwunsch unerfüllt bleibt, umso höher die Belastung“, kennt der Mediziner die Verzweiflung vieler Paare, die sich immer wieder dieselbe Frage stellen: „Warum klappt es bei uns nicht? Warum ausgerechnet wir?“ Manchmal kann er direkt eine Antwort geben: Wenn zum Beispiel die Eileiter verschlossen sind, die Frau keinen Eisprung hat, beim Mann nicht ausreichend Spermien zur Verfügung stehen, sie zu wenig beweglich oder nicht gut geformt sind.

Ein erster Schritt ist eine „milde Hormonstimulation“, ein zweiter eine künstliche Befruchtung, bei der Samen in die Gebärmutter eingesetzt wird, ein dritter die so genannte In-vitro-Fertilisation(IVF) – dabei werden im Reagenzglas unter dem Mikroskop Eizelle und Samen zusammengeführt und nach Beobachtung und Kultivierung bei 37 Grad im Inkubator und Kontrolle im Labor in die Gebärmutter eingesetzt.

Die Geduld wird dabei immer auf eine harte Probe gestellt. „Klappt es oder klappt es nicht?“ steht über jedem Versuch. „Der normale Umgang von Mann und Frau miteinander bleibt oft leider auf der Strecke. Geschlechtsverkehr nach Stundenplan ist einfach nur verkrampft“, versteht Dr. Schüring die Anspannung sehr gut. Manchmal dauere es Monate, manchmal Jahre, bis dann doch aus einem Paar noch Eltern werden. Und manchmal, da klappt es eben auch nicht. Von den 250 Paaren, die jährlich Hilfe suchen, können 60 Prozent der Betroffenen sich schließlich über ein Baby freuen – dazu können allerdings mehrere Versuche notwendig sein. „Man darf nicht vergessen: Die Natur hat noch viel zu entscheiden. Wir assistieren nur dabei“, betont der Kinderwunschspezialist. Das ist etwas, das er auch Betroffenen immer wieder sagt: „Man kann nichts erzwingen. Wenn es nicht klappt, dann muss man mit dem Kinderwunsch irgendwann auch abschließen.“ Auch dafür sind Gespräche wichtig, die Uniklinik bietet eine Zusammenarbeit mit Kollegen aus der Psychosomatik an. „Die Betreuung der Seele gehört zu unserem Konzept dazu“, sagt Dr. Schüring. Es sei viel mechanisches, technisches und biologisches Wissen gefragt. „Aber die Psyche spielt eine ganz wichtige Rolle.“

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/644635?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F597191%2F
Schlussakt in der Mitglieder-Affäre
In Bewegung: Die FDP-Kreispartei zieht von der Weseler Straße wieder an die Geringhoffstraße.
Nachrichten-Ticker