Von Marseille nach Barcelona und zurück
Chinesisches Abendmahl in Gesellschaft

Marseille ist eine schöne Stadt. Und wer dort im Hostel lebt, ist nie allein. Otis besucht zwischendurch Barecelona, lernt den Wärter einer Kunstausstellung kennen, der gerade einen Brand gelöscht hat und fährt nun wieder in die Schweiz.

Montag, 12.08.2013, 16:08 Uhr

Von Marseille nach Barcelona und zurück : Chinesisches Abendmahl in Gesellschaft
Otis in Marseille Foto: Otis Benning

Von Sausset les pions wollte ich eigentlich sofort weiter nach Spanien fahren. Als ich mir aber die Verbindungen von Marseille aus herausgesucht hatte, entschied ich mich zu etwas anderem. Es war noch relativ früh am Tag und Marseille ist eine bekannte Stadt! Außerdem hatte ich just einen Tag vorher den Hauptbahnhof schon passiert. Dabei bin ich mit einem als Bodyguard und Feuerwehrmann arbeitenden Mann namens Thomas ins Gespräch gekommen. Er brachte mir bei, dass Marseille die Kulturhauptstadt 2013 sei und dass er im Pavillon M, ein Museum über die Geschichte Marseilles, arbeiten würde. Es wäre doch geil, so welche Bekanntschaften nicht einfach im Sande verlaufen zu lassen.

 Also bin ich direkt auf die Suche nach einem Hostel gegangen. Weil es eben noch sehr früh am Tag war, gab es auch noch freie Plätze. Das Hostel ''HelloMarseille'' hat mich für 25 Euro aufgenommen (ohne Jugendherbergsausweis 35 Euro). Es war tausendmal besser als das Hostel in Brüssel, das mir immer noch im Kopf rumspukt. Es liegt fast direkt am Hafen von Marseille, besitzt einen Balkon, einen Aufenthaltsraum, eine große Küche und auf zwei Etagen verteilte Acht-Bett-Zimmer in zwei Altbauwohnungen.

Das Personal besteht aus verschiedensten Nationalitäten, jeweils immer ehemalige Hostelbewohner, die für drei bis sechs Monate dort leben und arbeiten dürfen. Das macht es gleich für alle anderen Reisenden leichter, Kontakte zu knüpfen.

 Ich wurde gleich eingeladen, bei einem chinesischen Abendessen mitzumachen. Eine Reisende hatte angeboten, etwas für die ganze Community zu kochen. Bevor ich mein Bett beziehen konnte, musste ich noch kurz warten. Zeit für einen Kaffee in der Küche. Ich war nicht der einzige Wartende. Ein Holländer, der auch allein reiste, war gerade erst angekommen und sollte auch mit mir auf das Zimmer. Er war auch auf Europareise, jedoch nicht so exzessiv wie ich. Er wollte noch ein wenig länger in Marseille bleiben, es war nicht sein erster Besuch und machte mit mir auch noch einen kurzen Hafenrundgang, nachdem wir unsere Sachen verstaut hatten.

Dabei erfuhr ich, dass er in Nijmwegen studiert. Er macht einen Studiengang mit, bei dem man lernen soll, wie man Filme aller Art macht. Für ein Projekt sei er auch schon in den Libanon gereist, ein Dokumentarfilm über einen Krisen-Fotografen wäre dabei entstanden. Wir fanden auch den Pavillon M und Markus, der kurz eine Verschnaufspause brauchte, da er gerade erst ein Feuer im Fahrstuhlschacht gelöscht hatte. Er bot uns eine private Rundführung an.

Marseille ist wirklich rasant gewachsen und auch wenn Leute behaupten, es sei eine sehr arme Stadt, haben sie vor, noch weiter zu bauen, höher und kunstvoller. Die geplanten Kaufhäuser sehen auf den Plänen echt nicht schlecht aus, ob sie auch so umgesetzt werden, das weiß man aber erst in drei Jahren. Nach diesem kulturellen Programm stand erst einmal der Strand für uns im Vordergrund. Eine Mitarbeiterin des Hostels wollte uns ihren Lieblingsstrand gerne zeigen, mit dem Bus ging es dorthin.

Zwar war es ein Steinstrand, jedoch war das Wasser warm wie in einer Badewanne und auch relativ ruhig gelegen. Die Fotos belegen das ja hoffentlich. Das chinesische Abendmal war danach wunderbar. Ein bisschen exotisch, mit Algen etc. aber saulecker. In der Zwischenzeit hatten sich noch mehr Alleinreisende in das Hostel begeben. Gleich drei Canadier teilten sich das andere Acht-Bett Zimmer, unseres wurde von sechs 17-jährigen Kalinen besetzt, die wohl ziemlich enttäuscht von ihren Ferien waren, da sie sich eigentlich ein Apartment gemietet hatten. Dieses hätten sie aber nur mit einem Volljährigen auch beziehen können. Als sie in Marseille waren, wurde ihre Reservierung kurzfristig storniert und sie mussten sich mit ihren Riesenkoffern nach einer Notlösung Ausschau halten.

Die Mädchen wollten nichts anderes als nur kurz feiern gehen, um dann den ganzen Tag lang zu schlafen. Wer soll es ihnen verbieten. Mit dem Holländer und den drei Canadiern zusammen bin ich später am Abend dann noch ein Bierchen trinken gegangen. So war es zumindest geplant. In Frankreich ist aber alles so schweineteuer, ca. 5 Euro für ein großes, dass wir uns lieber Leute gesucht haben, die uns etwas ausgeben wollten. Witzigerweise hat es auch nicht lange gedauert, bis es dazu kam. Ein altes Ehepaar aus Schottland erklärte sich sofort dazu bereit, uns etwas auszugeben, um nur jemanden zu haben, denen man auch im Suff noch unglaublich spannende Geschichten von ihren jungen Zeiten erzählen konnte. Dabei war es gerade die ca. 60 Jahre alte Frau, die uns zusülzte. So ging auch diese Nacht relativ schnell vorbei.

 Zurück im Hostel konnten wir noch kurz miterleben, wie Captain Jack Sparrow vom Kraken gefressen wurde und dann ging es ab in die Heia. Netterweise konnte ich die Mitarbeiter noch dazu überreden, für ein kleines Trinkgeld meine dreckige Wäsche über Nacht zu waschen und in den Trockner zu packen, sodass ich schon früh abreisen konnte. Der Aufstieg zum Marseiller Hbf war schrecklich anstrengend. Man läuft erst einmal sehr lange einen Berg hoch, wenn man vom Hafen kommt, nur um dann festzustellen, das die eigentlichen Höhenmeter direkt vor dem Hauptbahnhof erst anfangen. Ich schätze mal, dass es 200 Stufen waren, die ich erklimmen musste, um bei diesem pompösen Gebäude anzukommen. Mit 20 Kilo auf dem Rücken ist das schon sehr unangenehm. Vor allem aber weil mir erst dabei aufgefallen ist, dass ich eine verdammt große Wunde auf meinem Rücken habe.

 Das muss passiert sein, als ich zum Zug in Sausset les pions gerannt bin, weil ich fast zu spät drann war. Von Marseille wollte ich so schnell wie möglich nach Valence. An der Küste ist es einfach zu warm. Ich hab dort einen weiteren Rotary-Austauschschüler getroffen. Gleichzeitig beherbergte er in seinem riesigen Haus einen Belgier. Er gehört zu einem Chor, der am selben Abend noch in einer kleinen Kirche aufgetreten ist. Das alles ist jetzt erst zwei Tage her. Ich befinde mich wieder auf dem Weg in die Schweiz, war vorher noch spontan in Barcelona, wo ich nur eine Nacht geschlafen habe und dann sofort den nächsten Zug zurück nach Frankreich genommen habe, weil ich irgendwie keinen Pan hatte, was ich mit meinem Rucksack für Möglichkeiten dort hatte, weiter herumzulaufen. Von Spanien aus wollte ich eigentlich direkt in die Schweiz nach Luzern. Warum nur eigentlich? Das erzähle ich im nächsten Post. Ich muss mich auch kurz dafür entschuldigen das ich immer zeitverzögert schreibe. Leider fehlt mir manchmal aber einfach die Zeit und oft auch das Internet, um die Geschichten zu verschicken. Grüße aus dem TGV von Valence auf dem Weg nach Luzern, Otis.

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