Katholikentag
Diskussion über Gewalt und Schrecken in der Kunst

Wie halten es Kulturschaffende mit der Faszination von Gewalt und Schrecken in der Kunst? Und wie schlägt sich diese in ihrem jeweiligen Werk nieder? Für Detlev Buck, den bekannten Drehbuchautor, Regisseur und Schauspieler, war die Sache klar.

Freitag, 11.05.2018, 13:05 Uhr

Katholikentag: Diskussion über Gewalt und Schrecken in der Kunst
Detlev Buck bei der Podiumsdiskussion "Schrecklich schön! Faszination von Gewalt und Schrecken in der Kunst". Foto: Wilfried Gerharz

Auch wenn sich der kurze Trailer aus seinem Jugendfilm "Knallhart" als ebensolcher Ausschnitt ins Gedächtnis der Katholikentagsbesucher brannte, die am Donnerstagnachmittag im Kleinen Haus des Theaters Münster die Podiumsveranstaltung unter dem Titel "Schrecklich schön! Faszination von Gewalt und Schrecken in der Kunst" besuchten, beschrieb Buck ("Wir können auch anders", "Rubbeldiekatz", "Die Vermessung der Welt") Gewalt vor allem als Spannung erzeugendes Instumentarium. Allerdings, so Buck, lasse sich Gewalt "weltweit einfach gut verkaufen. Das geht mit Humor oder Sex nicht halb so gut", gestand der Mann mit roten T-Shirt zum grauen Anzug unter dem Lachen des Publikums im gut besuchten Kleinen Haus.

Hannelore Hippe, besser bekannt als Krimiautorin Hannah O'Brien, trug eine Passage aus ihrem vierten Irland-Krimi "Irisches Erbe" vor, der an der Westküste der britischen Insel spielt und unter dem Leitmotiv "Glaube" steht. "Ich selbst habe es nicht gern blutig", gestand die sympathische O'Brien, "meine Krimis sind psychologisch aufgebaut und spüren der Frage nach, was Menschen zu Rache, Gier oder Eifersucht bewegt". 

Um Gewalt an Kunst ging es im Beitrag von Prof. Kasper König , dem künstlerischen Leiter der Ausstellung "Skulptur-Projekte ", die just im Sommer 2017 wieder in Münster stattfand. König erinnerte an die wiederholten Beschädigungen, die vor allem der Brunnen-Figuren der amerikanischen Künstlerin Nicole Eisenman an der Promenade zusetzten, die beschmiert und zum Teil brachial geköpft wurden. Anders noch als bei den Skulptur-Projekten 1987, als die "gelbe Madonna" von Katharina Fritsch Stein des religiösen Anstoßes in der Bürgerschaft war. Eisenmans Figuren aber, diese These stellte König auf, seien mit ihrer geschlechtlichen Freizügigkeit vermutlich von rechtspopulistischen Kräften in Münster beschädigt worden. 

_GER1647

Kaspar König, Hannelore Hippe, Barbara Bily und Detlev Buck diskutieren im Theater. Foto: Wilfried Gerharz

Den Münsteranern an sich stellte er, im Rückblick auf fünf Jahrzehnte "Skulptur-Projekte", das Zeugnis aus, "immer noch mit unglaublich repressiver Liberalität ausgestattet zu sein". Dies griff Bundeskulturministerin Monika Grütters auf, die eigens zum Katholikentag in ihre Heimatstadt geeilt war und mit dem münsterschen Kirchenhistoriker Prof. Dr. Hubert Wolf im zweiten Teil der Veranstaltung über Gewalt, Christus am Kreuz und Gottesebenbildlichkeit sprach, aber auch über das Thema Kulturförderung und über die Grenzen von Kunstfreiheit. 

Grütters erinnerte hier an das aktuelle Beispiel der umstrittenen Echoverleihung an zwei Rapper, die mit antisemitischen Texten eindeutig eine Grenze der überschritten hätten. Es habe sich aber gezeigt, dass die deutsche Bevölkerung eine hohe Sensibilität in dieser schwierigen Fragestellung habe. 
Dass es wiederum die katholische Vertreterin im Echo-Beirat war, so wandte sich Grütters launig an Kasper König, die als einzige ihr Votum für den Preis versagte, sei doch "ein sehr positives Beispiel für die repressive Liberalität, die es eben manchmal nur unter Katholiken gebe".

Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5727022?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F5431047%2F
Smileys und ein Herzchen für Billerbecks Bürgermeisterin
Eine Stunde lang nahm sich Marion Dirks Zeit, alle WhatsApp-Anfragen zu beantworten.
Nachrichten-Ticker