Alternativ-Programm in der Erlöserkirche
Katholikentag plus: Kritische Stimmen gehören dazu

Münster -

Zum vierten Mal fand zeitgleich zum Programm eines Katholikentags ein „Katholikentag plus“ statt – drei Tage lang gab es in der Erlöserkirche, aber auch auf der Kirchenmeile vor dem Schloss ein kritisches Extra-Programm. Die alten Gräben scheinen jedoch inzwischen überwunden.

Sonntag, 13.05.2018, 19:05 Uhr

Eugen Drewermann gehörte zu den Referenten des „Katholikentags plus“: Ursache vieler gegenwärtiger Konflikte seien die vielen Ausdrucksformen der Angst, meinte der Theologe.
Eugen Drewermann gehörte zu den Referenten des „Katholikentags plus“: Ursache vieler gegenwärtiger Konflikte seien die vielen Ausdrucksformen der Angst, meinte der Theologe. Foto: Katholikentag plus

Selbst scharfe Kritik endet versöhnlich: „Bleiben wir katholisch“, ruft Dr. Thomas Schüller seinem Publikum zu. „Ich wüsste nichts Besseres!“ Zuvor hatte der Professor für Kirchenrecht im Zelt von „Wir sind Kirche“ noch fehlende Transparenz im Umgang mit kirchlichem Vermögen bemängelt – und den Diözesen vorgeworfen, zu sehr am Geld zu hängen.

Am „Jakobsbrunnen“, dem symbolischen Wasserbecken im Zelt, trifft Schüller auf viel Zustimmung – sowohl für seine Kritik als auch für seine Beharrlichkeit. Das ist typisch für die Vorträge beim „Katholikentag plus“: Man versteht sich als Teil der Kirche, wenn auch als aufmüpfigen, der brisante Themen wie Gewalt, ungerechte Strukturen, Sexualität oder Ökumene auf die Tagesordnung setzt. Die Zeiten, in denen derlei kritische Veranstaltungen abseits des offiziellen Programms stattfinden mussten, scheinen in Münster jedoch vorbei zu sein.

Der „Katholikentag plus: Suche Frieden – trotz‘ der Gewalt“, organisiert vom „Institut für Theologie und Politik“, der Leserinitiative Publik-Forum und der Kirchenvolksbewegung „Wir sind Kirche“, wird als Ergänzung verstanden, nicht mehr als Fundamentalopposition. Es gibt ein eigenes Programm und einen eigenen Tagungsort – die evangelische Erlöserkirche –, aber die vier wichtigsten Veranstaltungen gehören zum offiziellen Programm des Katholikentags. „Wir sind Kirche“-Sprecher Christian Weisner verweist auf die guten Kontakte zum Zentralkomitee, auf das Entgegenkommen des münsterischen Bischofs und auf die Vernetzung mit örtlichen Gruppen. In Münster fühle man sich rundum wohl.

Katholikentag plus

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  • Kirchliche Basisgruppen organisierten zum vierten Mal einen kritischen „Katholikentag plus“ Foto: spe
  • Kirchliche Basisgruppen organisierten zum vierten Mal einen kritischen „Katholikentag plus“ Foto: Katholikentag plus
  • Kirchliche Basisgruppen organisierten zum vierten Mal einen kritischen „Katholikentag plus“ Foto: Katholikentag plus
  • Kirchliche Basisgruppen organisierten zum vierten Mal einen kritischen „Katholikentag plus“ Foto: spe
  • Kirchliche Basisgruppen organisierten zum vierten Mal einen kritischen „Katholikentag plus“ Foto: spe
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  • Kirchliche Basisgruppen organisierten zum vierten Mal einen kritischen „Katholikentag plus“ Foto: spe
  • Kirchliche Basisgruppen organisierten zum vierten Mal einen kritischen „Katholikentag plus“ Foto: spe
  • Kirchliche Basisgruppen organisierten zum vierten Mal einen kritischen „Katholikentag plus“ Foto: spe

Warum dann überhaupt noch ein unabhängiges Alternativ-Programm? „Die Themen sind brennend“, sagt Weisner. Und einige Gruppen wie „Attac“ oder „Pax Christi“ können nur so überhaupt beim Katholikentag Flagge zeigen. Sie alle verstehen sich als kritische Bewegungen „von unten“ und wünschen sich eine Kirche, in der Entscheidungen dezentral und auf Gemeindeebene gefällt werden. So viel Basis wie möglich, lautet das Motto. Dafür stehen Referenten wie Eugen Drewermann, Barbara Hendricks, Pierre Stutz oder Anselm Grün.

In Papst Franziskus sehen die Aktivisten einen Verbündeten. Einen Papst, der auf die lateinamerikanische Sozialbewegung zugeht, der die Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils umsetzt und mehr Teilhabe fordert. Aber eine Trendwende hin zu einer gemeindeorientierten Kirche sei derzeit nicht zu erkennen.

Das sieht der emeritierte Pastor Ludger Funke ganz ähnlich. Der Sprecher des seit 1969 aktiven „Freckenhorster Kreises“, Urgestein kirchlicher Basisbewegungen, wendet sich in seinem Zelt auf der Kirchenmeile leidenschaftlich gegen Gemeindefusionen: „Zum Glauben kommt man über persönliche Kontakte“, sagt er. Wenn es aber nun nicht genug Priester im Bistum gibt? „Es darf nicht mehr so sein, dass nur der Priester die Gemeinde leitet.“

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